• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 13:30 Uhr Zwischentöne
StartseiteSonntagsspaziergangDillenburg in Mittelhessen11.01.2009

Dillenburg in Mittelhessen

Heimatstadt des Wilhelm von Oranien

An der Grenze von NRW und Hessen - zwischen Sieg und Dill erleben Wanderer eine schöne Hügellandschaft - und auch den Rothaarsteig. An seinem südlichsten Ausgangspunkt liegt das Städtchen Dillenburg. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort: Hier wurde Wilhelm von Oranien geboren, der "Vater" der Niederlande.

Von Gerd Michalek

Mit etwas Nachhilfe enthüllte die niederländische Königin Beatrix im Jahr 2000 ein Denkmal für Wilhelm von Oranien in dessen Geburtsort Dillenburg. (AP)
Mit etwas Nachhilfe enthüllte die niederländische Königin Beatrix im Jahr 2000 ein Denkmal für Wilhelm von Oranien in dessen Geburtsort Dillenburg. (AP)

Wer auf der Autobahn 45 durch Mittelhessen fährt - oder an der Dill entlang wandert, kommt zwangsläufig an Dillenburg vorbei. Der erste Blick fällt auf einen Berg mit Turm: Hoch über dem Städtchen das Wahrzeichen - der Wilhelmsturm. Erstaunlich: Er ist vielen Niederländern besser bekannt als den Deutschen:

" Auch die Niederländer, die wenig mit der Geschichte sonst zu tun haben, erinnern sich doch daran: Aha, was hat Dillenburg denn mit Oranien bzw. mit uns zu tun? Nassau-Dillenburg, das ist die Geburtstätte von Wilhelm von Oranien, das kommt dann auch in die Köpfe der Holländer. "

Thomas Weber vom Stadtarchiv Dillenburg schätzt, dass gut ein Viertel aller Turmbesucher - das sind 20.000 im Jahr - aus dem Nachbarland kommen. Kein Wunder - den Niederländern gilt der 1533 geborene Wilhelm von Oranien als Held, sagt Museumsführer Rudolf Krenzer:

" Die Niederländer sind das einzige Land auf der Welt, die in ihrer Nationalhymne einen Fremdländischen besingen: "Wilhelmus von Nassauen bin ich von deutschem Blut." "

Begonnen hat die enge Verbindung von Dillenburg und den Niederlanden vor 440 Jahren: Die protestantische Niederlande stand im Krieg gegen das katholische Spanien. Um sich gegen König Philipp, den Zweiten, von Spanien zu wehren, brauchte sie ein mächtiges Heer. Sie baten ihre Verwandten, die Oranier in Dillenburg, um Hilfe.

" Im begreifbaren Sinne haben wir die alte Linde, die Wilhelmslinde, wo Wilhelm 1568 die niederländischen Gesandten empfangen hat, die ihn gebeten haben, für sie in den Freiheitskampf einzutreten. - "de Lindenboom" "

Zwar ist die alte Linde in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr da. Immerhin erinnert ein Zögling der Linde an die Niederländische Befreiungsgeschichte. Ein Grund, weshalb sich Königin Beatrix im Jahr 2000, als sie in Dillenburg eine Wilhelm-Skulptur enthüllte, die alte Linde genau anschaute. Beatrix ist direkt mit Wilhelm verwandt und steht im Stammbaum der Oranier 13 Positionen unter dem berühmten Ahnherrn. Von seinem prächtigen Schloss ist heute kein sichtbares Gebäude mehr übrig: Im Jahre 1760 war alle Pracht vorbei:

" Dann ist es vorbeiziehenden Franzosen gelungen, am 13. Juli 1760 das Dillenburger Schloss in Brand zu schießen. Normal war Dillenburg neutral, ... man hat versucht mit 3000 Kugeln das Schloss zu zerstören, was nicht gelungen ist, daraufhin hat man die Kugeln feurig gemacht - und hat die Stallungen und die Scheunen getroffen und dann brannte das Schloss ab. Ein Fürst war zu dieser Zeit nicht mehr hier, und die Schlossverwaltung sagte: Wir wollen keinen Krieg mehr hier. Und es wurde das Schloss geschleift. "

Das Schloss wurde dem Erdboden gleichgemacht. Erst 1872 wurde der Wilhelmsturm als Museum errichtet. Doch unter der Erde blieb die Oranier-Zeit von 1760 einfach stehen.

" Sie werden gleich eine unterirdische Wehranlage sehen, die es in Deutschland in dieser Größe nicht gibt. Es gibt etwa 40 so genannte Kasematten, und diese hier ist die größte. Dabei ist erst ein Drittel freigelegt. "

Für Belagerungszeiten hatten die Oranier einst die riesige Wehranlage gebaut, die Unterschlupf für 3000 Soldaten bot.

Als das Schloss zerstört wurde, deckte man die Wehrgänge mit meterdickem Schutt zu. Erst seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Teile der alten Gemäuer freigelegt.

" In der großen Durchfahrt waren die Mauern bis zu 7 Metern stark, hier war das nicht der Fall. Wir sind in einem Mannschaftsraum der Kasematten, hier sind die Schießscharten, es wurde geschossen, es gab etwa 130 dieser Räume in zwei Gängen übereinander. "

Ein Höhepunkt der Kasematten-Führung ist der Brunnen, den Gefangene um den Preis der Freiheit graben mussten.

"Ich lasse jetzt das Wasser runter.. Ooh! Die Gretchenfrage wie tief ist der Brunnen?"

Nach 62 Metern klatscht das Wasser endlich unten auf. - Und die Besucher staunen. In Dillenburg gibt's noch mehr zu entdecken. Hier wurde vor gut 400 Jahren Kunstgeschichte geschrieben. Denn die Wege der Oranier kreuzte damals ein Rechtsanwalt, dessen Sohn als Maler weltberühmt wurde. Dazu Stadtarchivar Thomas Weber:

" Die zweite Gemahlin von Wilhelm von Oranien, eine Prinzessin Anna von Sachsen hatte Ehebruch begangen mit einem Jan Rubens. "

Das Kind stamme von ihrem Mann Wilhelm. So hielt die untreue Anna von Sachsen dagegen. Vergeblich: Wäre es ein Kind von Wilhelm gewesen, so hat man nachgerechnet, hätte sie ein Acht-Monatskind zur Welt gebracht. Und solche Kinder hatten damals kaum eine Chance zu überleben.

" Jan Rubens wurde dann in den Schlossgefängnissen von Dillenburg inhaftiert. Er ist auf Bitten seiner Gemahlin, also Frau Rubens, begnadigt worden nach zwei Jahren. Die Familie Rubens musste sich im Nassauschen Herrschaftsbereich aufhalten, sie ist dann nach Siegen gezogen. Und im Hausarrest ist 1577 der später so berühmte Maler Peter Paul Rubens geboren. Das heißt also, hätten die Dillenburger ernst gemacht und hätten Jan Rubens hingerichtet, hätten wir niemals von dem Genie etwas gehört. "

Anna von Sachsen erlitt ein trauriges Schicksal: Sie wurde seelisch krank, drohte ihrem Hauspersonal, es umzubringen und kam in Sicherheitsverwahrung. Sie starb schließlich in Dresden in geistiger Umnachtung. Die Familie Rubens bekam in Siegen ihren berühmten Nachwuchs, weshalb die Dillenburger bis heute auf Siegen neidisch sind:

" Schade, dass er nicht in Dillenburg geblieben ist. Hätten wir einen Berühmten mehr in der Stadt gehabt. "
Besucher: " Ich komme aus Siegen. Ich bin eigentlich ganz froh!" "

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk