Freitag, 17.11.2017

Diskussion um ArbeitszeitMehr Ruhe bitte!

Während der Jamaika-Sondierungen ist eine Debatte um eine angemessene Länge der Arbeitszeiten entstanden. Es sei sinnvoll, wenn eine künftige Regierung das Arbeitszeitgesetz genauer unter die Lupe nimmt, kommentiert Mischa Ehrhardt. Das solle aber alles ohne Eile und politische Grabenkämpfe stattfinden.

Von Mischa Ehrhardt

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Jemand sitzt an einem Tisch vor einem Laptop und hält mit einer Hand ein Smartphone, im Hintergrund ist ein Fahrrad zu sehen, im Vordergrund eine Tasse (Imago )
Das lange geltende Grundprinzip von acht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung, acht Stunden Schlaf steht auf dem Prüfstand. Viele Menschen schreiben auch nach dem Arbeitsende noch Emails. (Imago )
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Es ist verständlich, den möglichen zukünftigen Jamaika-Koalitionären in Berlin zurufen zu wollen, in welche Richtung sie sich politisch bewegen sollen. Das ist nun einmal die Aufgabe von Branchenverbänden, von Lobbyisten aller Art, und das ist selbstverständlich auch die Aufgabe von Arbeitgebervertretern und den Gewerkschaften. Das Einmischen und Platzieren ihrer Botschaften gehört zum politischen Geschäft.

Über angemessene Arbeitszeiten reden

Bei der aktuellen Debatte um ein möglicherweise zu modernisierendes Arbeitszeitgesetz, ja: der Debatte um die generelle Angemessenheit oder eben Unangemessenheit bestimmter Arbeitszeiten sind die politischen Grabenkämpfe allerdings eher hinderlich und verstellen den Blick auf das Notwendige. Denn bei nüchterner Betrachtung unserer Welt sollte eigentlich jedem auffallen, dass wir dringend über angemessene Arbeitszeiten reden müssen.

Vor allem die Digitalisierung ist es, die das bisher sorgsam austarierte Arbeitszeitsystem erschüttert. Die Grundidee: Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung, acht Stunden Schlaf kam übrigens vor fast 200 Jahren auf, und zwar im Jahr 1830. Was zu seiner Zeit eine durchaus vernünftige Forderung war angesichts viel zu langer und kräftezehrender Arbeitstage, kann durchaus 200 Jahre später in die Jahre gekommen sein.

Globalisierung bringt Flexibilität mit sich

Und so scheint es tatsächlich: In vielen Berufen kann es sich heute niemand mehr leisten - bildlich gesprochen - um 17 Uhr den Hammer fallen zu lassen, nach Hause zu gehen und dabei das Notebook und das Smartphone einfach auf dem Schreibtisch im Büro liegen zu lassen. In manchen Bereichen ist es sinnvoll, dass Beschäftigte im Zweifel auch mal abends noch eine Anfrage zu einem laufenden Projekt beantworten. Zumal es die Globalisierung mit sich bringt, das irgendwo auf der Welt immer gearbeitet wird; die Tageszeiten richten sich auf der Erde nicht nach dem Arbeitszeitgesetz hierzulande.

Allerdings darf dieser Gedanke auch nicht einseitig dazu führen, den Beschäftigten alle Bringschuld aufzubürden - nach dem Motto: In der globalisierten Welt musst Du immer einsatzbereit sein, das können wir leider nicht ändern. Sondern es muss ernsthaft darüber nachgedacht werden, wie man die nötige Flexibilität schafft und dabei aber die Arbeitnehmer nicht ungebührlich und einseitig belastet.

Kurzum: Flexibilität darf nicht unter der Hand zu einer Ausweitung der Arbeitszeit führen – das hat auch der Vorsitzende der so genannten Wirtschaftsweisen angemahnt, als er sich in die Debatte eingeschaltet hat. Es ist sinnvoll, wenn eine künftige Regierung das Arbeitszeitgesetz genauer unter die Lupe nimmt. Sie tut das aber am besten in Ruhe - und vor allem jenseits der Grabenkämpfe zwischen den einzelnen Interessengruppen.

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