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StartseiteMarkt und MedienDiskussion um Tagesschau-App geht weiter04.02.2012

Diskussion um Tagesschau-App geht weiter

Öffentlich-Rechtliche wollen Verlegern offenbar entgegenkommen

Der Streit um die Tagesschau-App zieht sich schon seit über einem Jahr hin. Die Verleger haben die ARD verklagt, da ihnen das kostenlose Angebot angeblich das lukrative Geschäftsmodell mit den Smartphone-Apps kaputtmacht. Inzwischen verhandeln ARD und Verleger über einen Kompromiss.

Von Stefan Römermann

Tagesschau-App sorgt für Streit zwischen Verlegern und Öffentlich-Rechtlichen. (dapd)
Tagesschau-App sorgt für Streit zwischen Verlegern und Öffentlich-Rechtlichen. (dapd)

Für viele Internet-Nutzer ist der Streit um die Tagesschau-App ein Rätsel. Tatsächlich ist diese App schließlich nichts weiter als ein spezieller Internet-Browser. Die App zeigt die Nachrichten von "tagesschau.de" auf Smartphones an. Das Programm bereitet die Internet-Seiten dabei so auf, dass sie auf den kleinen Displays gut lesbar sind – und sich einfach mit den Fingern bedienen lassen, erklärt Markus Beckedahl vom Verbraucher- und Bürgerrechtsverein "Digitale Gesellschaft"

"Da kommt man natürlich auch über den Browser drauf, über eine normale Webseite quasi. Aber in so einer App hat man das alles noch einmal so ein bisschen komfortabler, das ist so ein anderes haptisches Erlebnis."

Mehrere Zeitungsverlage sehen das allerdings ganz anders und haben beim Landgericht Köln Klage eingelegt. Die Tagesschau-App, so der Vorwurf, ähnele zu stark den Angeboten der Zeitungsverlage und enthalte vor allem viel zu viel Text. Und genau hier will die ARD den Verlegern jetzt offenbar entgegenkommen: Zukünftig soll es weniger Text, dafür mehr Video- und Audioinhalte in den Apps der öffentlich-rechtlichen Sender geben. Das geht aus einem Entwurf für ein Kompromisspapier hervor, der der Tageszeitung "taz" zugespielt wurde. Das Ganze wäre allerdings ein Kompromiss auf Kosten der Nutzer und Gebührenzahler, findet Internet-Aktivist Beckedahl:

"Also ich finde es ein bisschen schade, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich anscheinend freiwillig bescheiden will. Wenn man jetzt nur sagt, dass man sich auf Audio- und Audiovisuelle-Inhalte beschränkt, dann schießt man sich eigentlich selbst ins Knie."

Schließlich würden im Internet die alten Gattungsgrenzen immer mehr verwischen und Text, Bilder, Audio und Video zusammenwachsen, erklärt Beckedahl. Außerdem sei es alles andere als nutzerfreundlich, wenn die Tagesschau-App zukünftig weniger Informationen in Textform enthalten.

"Dann müssten wir uns die ganze Zeit die Videos anschauen, haben vielleicht nicht genug schnelles Internet mobil in der Bahn dabei. Und müssen dann noch in Echtzeit Minute für Minute uns die Tagesschau anschauen, während wir in Textform, die Artikel auch viel schneller lesen könnten."

Medienexperte Michael Bobrowski vom Verbraucherzentrale Bundesverband hält den sich abzeichnenden Kompromiss gar für regelrecht gefährlich.

"Weil es den Zeitungsverlegern zu viel Spielraum gibt, um die Programminhalte der Öffentlich-Rechtlichen zu beeinflussen. Es kann nicht sein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk sozusagen von außen vorgegeben kriegt, wie er sein Programm zu gestalten hat, in welcher Form. Das ist eine ganz gefährliche Tendenz. Die muss man gleich im Keim ersticken."

Außerdem würden die Interessen der Nutzer und Gebührenzahler nicht ausreichend berücksichtigt, fürchtet Verbraucherschützer Bobrowski. Auch in den ARD-Gremien hält sich die Begeisterung über die sich abzeichnende Einigung offenbar sehr in Grenzen. Der sächsische SPD-Medienpolitiker und MDR-Rundfunkrat Dirk Panter warnt vor einem falschen Kompromiss.

"Für mich ist das eine Diskussion, die auf eine Beschränkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinaus laufen soll, die ich nicht für angemessen halte. Weil das wird über Gebühren finanziert. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf, gerade in Zeiten, wo eine Haushaltsabgabe eingeführt wird, die alle Bürgerinnen und Bürger in Zukunft betreffen wird, dass dann auch Angebote dann auch möglichst breit zur Verfügung gestellt werden."

Wie der Kompromiss am Ende tatsächlich genau aussieht, steht allerdings noch nicht fest. Das von der "taz" zitierte Papier sei nicht die endgültige Fassung – und man sei weiter mit den Verlagen in Gesprächen, betonte ARD-Sprecher Stefan Wirtz. Außerdem werde der mögliche Kompromiss voraussichtlich in der kommenden Woche bei der ARD-Intendantensitzung in Erfurt auf der Tagesordnung stehen.

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