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StartseiteDas FeatureDissident, also geisteskrank28.09.2010

Dissident, also geisteskrank

Die Strafpsychiatrie im russischen Kasan

Nichts ist so erschcreckend wie die Realität: Was in Martin Scorseses "Shutter Island" noch als Alptraum daherkommt, war im 20. Jahrhundert grausame Wirklichkeit, wie das Beispiel der russischen Strafanstalt auf der Klosterinsel Svijazsk zeigt.

Von Elena Knipp und Heike Tauch

Gerne wird verschwiegen, was sich in der so genannten Strafkolonie Nr. 5 im 20. Jahrhundert wirklich abspielte. (AP)
Gerne wird verschwiegen, was sich in der so genannten Strafkolonie Nr. 5 im 20. Jahrhundert wirklich abspielte. (AP)

Aus ganz Russland wurden ab 1869 "geisteskranke Straftäter" nach Kasan gebracht und in der "gerichtsmedizinischen Abteilung" behandelt. Nach der Oktoberrevolution wurde die Anstalt zunächst geschlossen, unter Stalin nahm sie 1935 ihre Arbeit wieder auf: Kasan wurde zum geheimen Zentrum der sowjetischen Strafpsychiatrie ausgebaut.

Als im Jahr der KGB-Gründung, 1954, jede Form des Dissidententums als besonders schwerwiegende konterrevolutionäre Straftat definiert wurde, waren Willkür und Missbrauch endgültig Tür und Tor geöffnet. Ein besonderes Kapitel der Kasaner Strafpsychiatrie spielte auf der unweit vom Zentrum gelegenen Klosterinsel Svijazsk. Dort wurde 1956 die als Straf- und Erziehungskolonie Nr. 5 gefürchtete Sonderklinik in Betrieb genommen – eine der perfidesten klinischen Anstalten für Zwangsbehandlungen in der ehemaligen UdSSR. 1993 wurde sie geschlossen. Darüber, was sich innerhalb der Festungsmauern im 20. Jahrhundert abspielte, wird bis heute geschwiegen.

Manuskript zur Sendung als pdf oder im Textformat.

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