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StartseiteMarkt und Medien DJV und "Netzwerk Recherche" im Clinch08.07.2006

DJV und "Netzwerk Recherche" im Clinch

An einem Artikel im Verbandsorgan der Journalistengewerkschaft DJV, "Journalist", entzündet sich derzeit ein heftiger Streit zwischen DJV und der Journalistenorganisation "Netzwerk Recherche". Der strittige Text übt Kritik am Zustandekommen des Medienkodexes von "Netzwerk Recherche". Doch darüber hinaus brodelte es zwischen Netzwerk und DJV schon seit längerem.

Von Martina Schulte

Das Zehn-Punkte-Leitbild für die journalistische Arbeit habe der Vorstand von "Netzwerk Recherche" zum Teil über die eigenen Mitglieder hinweg durchgesetzt, schreibt Ditges.  (Stock.XCHNG / Erik Dungan)
Das Zehn-Punkte-Leitbild für die journalistische Arbeit habe der Vorstand von "Netzwerk Recherche" zum Teil über die eigenen Mitglieder hinweg durchgesetzt, schreibt Ditges. (Stock.XCHNG / Erik Dungan)

Casus belli ist ein Artikel über die Arbeit der Journalistenorganisation "Netzwerk Recherche". Geschrieben hat ihn der Autor, Dozent und freie Journalist Florian Ditges, der sowohl Mitglied im DJV als auch im "Netzwerk Recherche" ist - eine zum Teil harsche Kritik an der seiner Ansicht nach fehlenden inneren Demokratie bei den Netzwerkern.

" Mit dem Artikel ging es mir im Wesentlichen um eine erhebliche Kritik an dem Vorstand und an der Art und Weise wie dieses "Netzwerk Recherche" geführt wird. Motiviert hat mich die Art und Weise des Zustandekommens des Medienkodex. Der wurde verkauft als ein Medienkodex des "Netzwerk Recherche" mit immerhin rund 400 Mitgliedern, aber es ist kein Medienkodex von 400 Mitgliedern, es ist ein Medienkodex des Vorstandes von "Netzwerk Recherche". Ein so gewichtiges Instrument wie den Medienkodex kann man nicht mit ein paar Leuten in einem Hinterzimmer allein in Form gießen und es dann als Produkt einer gemeinschaftlichen Diskussion verkaufen."

Das Zehn-Punkte-Leitbild für die journalistische Arbeit habe der Vorstand zum Teil über die eigenen Mitglieder hinweg durchgesetzt, schreibt Ditges. Vor allem Punkt fünf - Journalisten machen keine PR - sei unter den Mitgliedern umstritten. Dass Ditges seine persönliche Kritik ausgerechnet im Verbandsorgan des DJV platziert, ist dabei eine unglückliche Entscheidung. Denn zum damaligen Zeitpunkt, so bestätigt der DJV-Vorsitzende Michael Konken, gab es bereits heftige Turbulenzen zwischen seiner Organisation und dem Netzwerk.

" Es gab eine Auseinandersetzung, die sich auf den Medienkodex bezog. Wir hätten als Träger des Presserates natürlich erwartet, dass man da auf uns zukommt und sagt: Wir haben da neue Ideen, können wir die mal diskutieren. Weil ich meine, er ist völlig überflüssig. Wir haben einen vernünftigen Pressekodex, der hat sich bewährt und auch der Presserat hat sich bewährt. Aber wir hätten natürlich auch gerne darüber diskutiert und das hat Netzwerk nicht so ganz gepasst."

Den Verlag Rommerskirchen als Herausgeber des "Journalist" verwickelte man in ein juristisches Scharmützel samt Gegendarstellungs-, Unterlassungsbegehren und schließlich einer Richtigstellung; den Autor Florian Ditges warf man auf einer Vorstandssitzung wegen angeblicher PR-Tätigkeiten kurzerhand aus dem Verein. Für den Vorstand um Thomas Leif ist Ditges' Pamphlet nämlich nicht nur sachlich falsch und journalistisch fragwürdig, sondern Teil einer Hetzkampagne des DJV.

" Wir haben mit dem Medienkodex, mit der Entwicklung, in dieser Form drei Jahre lang gearbeitet. Es gab ein klares Mitgliedervotum auf der Mitgliederversammlung und es ist auch ganz normal abgestimmt worden. Die Hauptkritik ist aus unserer Sicht, dass wir als die betroffene Organisation überhaupt nicht gehört worden sind. Das zweite ist, die Sachaussagen sind falsch in wesentlichen Teilen und der Beitrag hat einen diffamierenden Grundton. Und das dritte ist, insgesamt ist es eingebaut in eine negative Kampagne, die darauf hinzielt, dass dem DJV unser Medienkodex nicht gefällt."

Leif und weite Teile des zehnköpfigen Netzwerk-Vorstands sehen in Ditges offenbar eine Art Maulwurf des DJV, der sich unter falscher Flagge bei den Netzwerkern einschlich, um im Auftrag der Journalistengewerkschaft Stimmung gegen die lästige Konkurrenz mit ihrem ungeliebten Medienkodex zu machen. Als Beleg für seine These nennt der investigative Top-Journalist gegenüber dem Deutschlandfunk ein paar Screenshots von Ditges' Homepage, eine angebliche Vorstellung als PR-Journalist, die der Betroffene vehement bestreitet, sowie Ditges Aufnahmeantrag beim "Netzwerk Recherche", in dem er sich bitter über den DJV beklagt um, so glaubt Leif, den Netzwerkern eine glaubwürdige Eintritts-Legende zu liefern. Auf die Frage, warum Ditges und der DJV all dies tun, hat Leif eine überraschende Antwort:

" Mein Eindruck ist der: Der stellvertretende Vorsitzende des DJV hat mir gegenüber erklärt in einem ganz normalen Gespräch, das etwa 30 Prozent der DJV-Mitglieder PR-Leute und Pressesprecher sind. Ich glaube, den DJV hat geärgert, dass wir dieses Tabu, was im DJV nicht kritisch diskutiert wird, sondern ständig camoufliert wird, das haben wir aufgegriffen durch unseren Medienkodex. Ich glaube, der DJV und die Mitglieder müssen sich überlegen, ob so viele PR-Leute und Pressesprecher wirklich journalistische Interessen oder kommerzielle Interessen vertreten."

Volker Hummel, der Leif die Sache mit den 30 Prozent gesteckt haben soll, verweist die Zahl ins Reich der Märchen. Auf eine entsprechende Suggestivfrage Leifs will er geantwortet haben: "Ich habe die Zahl nicht im Kopf." Der Autor Florian Ditges sieht in den heftigen Reaktionen vor allem eines: dass er mit seiner Kritik voll ins Schwarze getroffen hat:

" Ich glaube, dass es dem "Netzwerk Recherche" eigentlich schwer fällt, dass sich da jemand hingesetzt hat und eigentlich das gemacht hat, was das "Netzwerk Recherche" seinen Mitgliedern abverlangt: nämlich einen Misstand aufzudecken, zu recherchieren, diesen Misstand zu publizieren und sich dann auch damit intensiv auseinanderzusetzen."

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