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StartseiteDokumente der Woche"Meine Eltern standen mit Kerzen in der Hand auf dem Domplatz"08.12.2014

DLF-Redakteur Andreas Kolbe"Meine Eltern standen mit Kerzen in der Hand auf dem Domplatz"

DLF-Redakteur Andreas Kolbe kommt aus Thüringen. Er war neun Jahre alt, als die Mauer fiel. Im Gespräch mit Thielko Grieß spricht Kolbe unter anderem über seine Kindheit in der Wendezeit in Erfurt.

Andreas Kolbe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)
Andreas Kolbe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)

Das Gespräch bezieht sich auf das Dokument der Woche - 7.12.89 - Premiere live aus Ost-Berlin
Hörerinnen und Hörer unserer Frühsendung kennen ihn: Kurz nach halb acht oder halb neun erklärt er, weshalb der DAX den Weg hinab oder hinauf nimmt, er analysiert die Bilanz von ThyssenKrupp oder den fallenden Rubel: Andreas Kolbe ist Redakteur in der Wirtschaftsredaktion des Deutschlandfunks.

Einen Zugang zu Zahlen, den Sinn für Analyse habe er zu Hause gelernt. Zu Hause in Thüringen. Kolbe ist in Erfurt aufgewachsen und hat sein Abitur an einer Schule mit Schwerpunkt auf Naturwissenschaften und Mathematik abgelegt, die ihn „gefordert und gefördert" habe. Ein Überbleibsel aus der DDR-Zeit sei sie gewesen, das nicht wie vieles andere sofort abgewickelt worden sei.

Heute ist Andreas Kolbe 34 Jahre alt und lebt in Köln. Der Sommer und Herbst dieses Jahres lassen intensive Erinnerungen und Bilder wieder lebendig werden: Die vielen Abende im Herbst 1989 zum Beispiel, an denen seine Eltern und er mit Kerzen auf dem Domplatz in Erfurt standen, um Wandel einzufordern, um Freiheiten zu erstreiten. Neun Jahre alt war er damals. Erst viel später hat er verstanden, worum es eigentlich ging. Aber die Stimmung, die so eindrucksvoll war, hat sich eingeprägt. Präsent sind auch Debatten im Elternhaus, ob die Familie es nun auch wagen solle, einige Koffer in den Lada zu packen und die Ausreise über Tschechien oder Ungarn zu wagen.

Vielleicht auch, weil der Wandel dann doch so rasch kam und das alte System wich, sind die Eltern schließlich geblieben. Andreas Kolbe hingegen hat bald nach dem Abitur den Weg gen Westen genommen: zur Bundeswehr, zum Studium in Dortmund, schließlich über einige weitere Stationen zum Deutschlandfunk. Wer ihn hört, ahnt nichts von seiner Herkunft. Aber die weiche Melodie der Erfurter Mundart kann er nach wie vor mühelos anknipsen. Ob es ihn einmal zurückzieht? Ja vielleicht, antwortet er. Aber ebenso gut könne der Weg irgendwann noch weiter weg führen, über Erfurt oder Köln hinaus.

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