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Seit 08:10 Uhr Interview
Startseitedocumenta-echoSchürfen nach ein bisschen Glück07.07.2017

documenta-echo: Ben RussellSchürfen nach ein bisschen Glück

Ein Goldschürfer-Camp im südamerikanischen Dschungel und eine Kamerafahrt unter Tage durch eine Kupfermine in Serbien: Auf der documenta 14 zeigt der US-Amerikaner Ben Russell einen Dokumentarfilm über Bergmänner - es ist ein Film über das Streben nach Glück.

Von Peter Backof

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Film-Still aus Ben Russells documenta 14-Film "Good Luck". Zu sehen sind von hinten zwei Männer in Gummistiefeln, die unter einer Brücke oder aus einer Grube hervortreten. (Documenta 14 /  Mathias Voelzke)
Für seine Film-Studie über Bergarbeiter blickt Ben Russell Goldsuchern im Dschungel Surinams über die Schulter. (Documenta 14 / Mathias Voelzke)

Ben Russell, geboren 1976 in Springfield in den USA, ist Filmemacher, Künstler und Kurator. Für seinen jüngsten Film hat sich Russell auf zwei Kontinente begeben: nach Südamerika und nach Südosteuropa.

"Good Luck"

Für die documenta 14 hat Russell eine 150-minütige Film-Studie über Bergarbeiter gedreht. Mit seiner Kamera blickt er Goldsuchern im Dschungel Surinams über die Schulter, sowie Bergarbeitern, die in Serbien Kupfer gewinnen.

Bergmannsromantik kommt allerdings nicht auf. Den serbischen Kumpeln erscheint die harte und gefährliche Arbeit alternativlos, mangels anderer Arbeitsmöglichkeiten in ihrer Region. Dennoch philosophieren die Männer in ihren Pausen darüber, wie es wäre, ganz andere Möglichkeiten zu haben und sich nicht mit dem harten Schicksal abfinden zu müssen.

Die Goldsucher in Surinam betreiben einen immensen Aufwand, finden aber nur verhältnismäßig wenig Gold - beziehungsweise Glück. Denn als Angestellte der Schürfgesellschaft dürfen die Männer ihre Funde letztendlich nicht behalten.

Ben Russells Film stellt die Frage, ob der Mensch in verschiedene und unabänderliche "Glücks-Klassen" hineingeboren wird: Ist es Glück oder Pech, in Serbien oder Surinam geboren worden zu sein?

Ben Russell: "Good Luck" (2017), documenta 14, Fridericianum, Kassel


Videoporträts zum documenta-echo

Das documenta-echo ist nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar: Im Rahmen einer Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel entstehen experimentelle Videoporträts, die auf dem documenta-Portal des Deutschlandfunks veröffentlicht werden. Genau wie die Audios sind auch die Videos eigenständige kleine Kunstwerke – erstellt von Studierenden der Klasse Film und bewegtes Bild der Kunsthochschule Kassel.

Dieses filmische Porträt ist eine Arbeit von Tobias Sauer. Er traf Ben Russell in einem Waschsalon: Als gefragter Künstler und Filmemacher muss man kreatives Zeitmanagement beherrschen. Wenn man ein Interview geben soll, aber auch in den Waschsalon muss, warum nicht beides kombinieren? Warum nicht die schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen? Das Video wurde im Super-8-Format gedreht und mit Kaffee, Vitamin C und Waschsoda entwickelt. (Ben Russell selbst arbeitet bevorzugt analog.) Die im Interview gesprochenen Worte könnten höchstens Lippenleser rekonstruieren. Was aber jeder in Ben Russells Gesicht lesen kann, ist eine Ruhe und Gelassenheit, die in hartem Kontrast zum rastlos rumorenden Schleudergang der Waschmaschinen steht.

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