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Startseitedocumenta-echoUniformen für die Freiheit23.06.2017

documenta-echo: Irena HaidukUniformen für die Freiheit

Ein schlichtes Kleid, dazu ergonomische Schuhe: "Yugoform" nennt die serbische Künstlerin Irena Haiduk die Kleidung, die sie auf der documenta zum Kauf anbietet - eine bequeme Uniform für die arbeitende Frau und Teil ihrer documenta-Arbeit "Seductive Exacting Realism".

Von Sabine Oelze

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Sechs schwarz gekleidete frauen schreiten in zwei Dreierreihen vor dem Fridericianum. Auf dem kopf balancieren sie jeweils ein Buch. (Deutschlandradio / Änne Seidel)
Performerinnen tragen Irena Haiduks "Yugoform" auf der documenta 14 in Kassel. (Deutschlandradio / Änne Seidel)
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Die serbische Künstlerin Irena Haiduk, geboren 1982 in Belgrad, traf vor zwei Jahren an der Harvard University mit ihrem serbischen Landsmann Srđa Popović zusammen, dem Leiter eines Beratungsunternehmens - eine Schlüsselbegegnung für ihre documenta-Arbeit "Seductive Exacting Realism".

"Seductive Exacting Realism"

Das Gespräch zwischen Haiduk und Popović über die Schnittstellen zwischen Kunst und Unternehmensberatung wurde aufgezeichnet, transkribiert, redigiert und mit zwei Sprecherinnen erneut aufgenommen. Auf der documenta in Kassel schickt die serbische Künstlerin die Besucher in einen fensterlosen Raum, wo sie dem Gespräch lauschen können.

Der zweite Teil ihrer Arbeit ist das Unternehmen "Yugoexport": Irena Haiduk ließ ein altes jugoslawisches Unternehmen wiederauferstehen. Auf der documenta bietet sie die Produkte des Unternehmens zum Kauf an: uniforme Kleider und ergonomisches Schuhwerk für die arbeitende weibliche Bevölkerung. Beim Kauf muss sich die Kundin verpflichten, die Kleidung nur während der Arbeit zu tragen. Mithilfe der "Yugoform", wie Haiduk das Outfit nennt, könne die arbeitende Frau klar zwischen Arbeit und Freizeit trennen - die bequeme Uniform ermögliche somit größtmögliche Freiheit.

Irena Haiduk, Seductive Exacting Realism, Waiting Room, Neue Neue Galerie, 2017.  (Deutschlandradio / Anna Shteynshleyger)Irena Haiduk, Seductive Exacting Realism, Waiting Room, Neue Neue Galerie, 2017. (Deutschlandradio / Anna Shteynshleyger)

Irena Haiduk: "Seductive Exacting Realism" (2015), documenta 14


Videoporträts zum documenta-echo

Das documenta-echo ist nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar: Im Rahmen einer Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel entstehen experimentelle Videoporträts, die auf dem documenta-Portal des Deutschlandfunks veröffentlicht werden. Genau wie die Audios sind auch die Videos eigenständige kleine Kunstwerke – erstellt von Studierenden der Klasse Film und bewegtes Bild der Kunsthochschule Kassel.

Dieses filmische Porträt ist eine Arbeit von Tobias Sauer. Es zeigt Aufnahmen von Irena Haiduks Performance "Spinal Discipline". Die "Armee der schönen Frauen" läuft durch Kassel, gekleidet in die "Yuguform". Auf den Köpfen tragen die Frauen jeweils ein Buch: Die früher gängige Methode, um Mädchen eine gute Körperhaltung beizubringen, wird in der Performance zu einer emanzipatorischen Geste umgedeutet.

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