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Startseitedocumenta-echoTempel der verbotenen Bücher21.07.2017

documenta-echo: Marta MinujínTempel der verbotenen Bücher

Schatz der Menschheit, Hort des Wissens, Instrument der Macht - Bücher wurden in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder gefürchtet und verboten. Die argentinische Künstlerin Marta Minujín setzt ihnen mit dem "Parthenon der Bücher" ein kolossales Denkmal.

Von Peter Backof

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Die Installation der argentinischen Künstlerin Marta Minujin "The Parthenon of Books" (Parthenon der Bücher) auf der documenta 14 in Kassel. (Deutschlandradio / Manfred Hilling)
Die Installation der argentinischen Künstlerin Marta Minujín "The Parthenon of Books" (Parthenon der Bücher) auf der documenta 14 in Kassel. (Deutschlandradio / Manfred Hilling)
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Marta Minujín, 1941 geboren in Argentinien, hatte bereits 1983 einen "Parthenon der Bücher" errichtet, damals in Buenos Aires: eine gewaltige Konstruktion aus Stahlrohren - statt Mauersteinen setzte sie Bücher ein. Ein Monument der Freude sollte es sein, Freude über die Überwindung der Diktatur in Argentinien.

Ein Parthenon aus Büchern wird gekippt, schwarz-weiß-Aufnahme (Marta Minujin Archive)1983 in Buenos Aires: Nach dem Ende der Militärdiktatur in Argentinien errichtete Marta Minujín den „Partenón de Libros" - Vorbild für den neuen Parthenon der Bücher in Kassel. (Marta Minujin Archive)

Architektonisches Vorbild war der Parthenon auf der Athener Akropolis. Unter Perikles war er im 5. Jahrhundert vor Christus errichtet worden und sollte unter anderem den Schatz des Attischen Seebundes und die Silberreserven der Stadt beherbergen - er war damals ein städtisches Symbol für Macht und das Gemeinwesen.

"The Parthenon of Books"

2017 hat Minujín für die documenta 14 einen zweiten Parthenon der Bücher in Kassel errichtet. Der Neuaufbau vereint nun alle Bedeutungsstränge zu einem aktuellen Denkmal. Er fungiert als Symbol für das Gemeinwesen, feiert die Demokratie - und die Bücher selbst: In Plastikfolien verpackt werden etwa 100 000 Bücher zu einem Denkmal für Meinungs- und Pressefreiheit verbaut. Alle Buchtitel, die in das Parthenon integriert werden, sind irgendwann in der Geschichte einmal verboten worden. 

Die argentinische Künstlerin Marta Minujín bei der Eröffnung ihres Kunstwerks "Assembly" of Peace" im Oktober 2013 in Buenos Aires (picture alliance / dpa / David Fernández)Die argentinische Künstlerin Marta Minujín ist eine der bekanntesten Künstlerinnen, die auf der documenta 14 vertreten sind. (picture alliance / dpa / David Fernández)

Marta Minujín: "The Parthenon of Books" (2017), documenta 14, ​Friedrichsplatz, Kassel

Videoporträts zum documenta-echo

Das documenta-echo ist nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar: Im Rahmen einer Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel entstehen experimentelle Videoporträts, die auf dem documenta-Portal des Deutschlandfunks veröffentlicht werden. Alle Videos wurden erstellt von Studierenden der Klasse Film und bewegtes Bild der Kunsthochschule Kassel.

Dieses filmische Porträt ist eine Arbeit von Helena Buttgereit und Melina Werner. Marta Minujíns "Parthenon der Bücher" ist nicht nur das größte Kunstwerk der documenta, sondern auch eines der aufwändigsten. Bereits im Oktober wurde auf dem Kasseler Friedrichsplatz der Grundstein gelegt. Das Kunstwerk setzt sich aus Bücherspenden aus aller Welt zusammen. Als Mahnmal gegen Zensur erinnert der Parthenon auch an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten, die 1933 genau hier, auf dem Friedrichsplatz, stattgefunden hat.

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