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Startseitedocumenta-echoWenn Menschen zu Instrumenten werden30.07.2017

documenta-echo: MattinWenn Menschen zu Instrumenten werden

Stuhlkreis in einer Therapiegruppe oder experimentelles Setting für ein musikalisches Werk? Die documenta-Arbeit "Social Dissonance" des baskischen Künstlers Mattin ist eine 163 Tage andauernde partizipative Plastik, die den Begriff der Freiheit reflektiert.

Von Peter Backof

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Live-Performance von Mattin im Rahmen der documenta 14 im Athener Konservatorium (Odeion). (documenta 14 / Mathias Voelzke)
Bei Mattins documenta-Performance "Social Dissonance", einem 163 Tage langen "Dauerkonzert", wird das Publikum zum Instrument. (documenta 14 / Mathias Voelzke)

Mattin, geboren 1977 in Bilbao, setzt sich mit den sozialen und ökonomischen Bedingungen experimenteller Musik auseinander. Die sozio-akustischen Werke des baskischen Künstlers sind provokante Versuchsanordnungen, so auch seine Arbeit für die documenta 14.

"Social Dissonance"

Mattin lädt die documenta-Besucher in einen abgeschlossenen Raum ein. 30 Minuten lang müssen die Teilnehmer hier ausharren. Gemeinsam mit seinem Team versucht Mattin während dieser halben Stunde "soziale Dissonanzen" zu erzeugen. Er erforscht die Dynamik, die zwischen Menschen entstehen kann, die sich nicht kennen, aber plötzlich auf engstem Raum gemeinsam Zeit verbringen sollen. Der Ausgang des Experiments ist offen, im Vorfeld weiß niemand, was in der kommenden halben Stunde passieren wird. Mit seiner Arbeit möchte Mattin unter anderem zeigen, "wie unfrei wir in mancher Hinsicht sind". 

Der Künstler Mattin steht neben einem Notenständer. (documenta 14 / Rebecka Thor )Der spanische Künstler Mattin möchte mit seiner documenta-Arbeit zeigen, wie unfrei der Mensch in mancher Hinsicht ist. (documenta 14 / Rebecka Thor )

Mattin mit Dafni Krazoudi, Danai Liodaki, Ioannis Sarris und Eleni Zervou: "Social Dissonance" (2017), documenta 14, Athener Konservatorium (Odeion), Athen

Videoporträts zum documenta-echo

Das documenta-echo ist nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar: Im Rahmen einer Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel entstehen experimentelle Videoporträts, die auf dem documenta-Portal des Deutschlandfunks veröffentlicht werden – erstellt von Studierenden der Klasse Film und bewegtes Bild der Kunsthochschule Kassel.

Dieses filmische Porträt ist eine Arbeit von Malika Salama und Bahiyyeh Panahi. Fragmentarisch nähern sich die Studierenden den zentralen Fragen, die Mattins documenta-Arbeit aufwirft: Wie erleben wir Gesellschaft? Welchen herrschenden Machtverhältnissen sind wir ausgesetzt? Wie verhalten wir uns, wenn wir anderen Befehle erteilen? In "Social Dissonance" wird der Betrachter selbst Teil des Kunstwerks. Bewusst wird die Linie zwischen Kunst und Gesellschaftsexperiment durchbrochen, um das Ich im kollektiven Miteinander zu erforschen.

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