Sonntag, 19.11.2017
Startseitedocumenta-echoDie Natur kennt keine Grenzen12.06.2017

documenta-echo: Olaf HolzapfelDie Natur kennt keine Grenzen

Grenzen sind willkürlich, vergänglich, wie kleine Narben in der Rinde eines uralten Baums. An der Schwelle von der Zivilisation zum Niemandsland, im chilenischen Teil Patagoniens, hat der gebürtige Dresdner Olaf Holzapfel Grenzräume erforscht und eine crossmediale Werkgruppe aus Skulptur, Malerei und Film geschaffen.

Von Peter Backof

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Besucher stehen vor einm aus Bretter gezimmerten Kunstwerk von Olaf Holzapfel. Die documenta-Installation "Wilder Mann auf Brücke" ist am 09.05.2017 in Kassel (Hessen) zu sehen.  (dpa / Swen Pförtner)
Die Arbeit "Wilder Mann auf Brücke" ist Teil der Werkgruppe "Zaun" von Olaf Holzapfel und auf der documenta in Kassel zu sehen. (dpa / Swen Pförtner)

Olaf Holzapfel wurde 1967 in Dresden geboren, also in der DDR und damit in einem Land mit allgegenwärtiger Mauer. Und so interessiert sich Holzapfel seit Langem für Grenzen, Trennlinien und Zwischenräume.

"Zaun"

Auch die cross-mediale Werkgruppe "Zaun" behandelt das Thema der Grenze. Einerseits in der autobiografischen Reflexion - der Künstler ist in einem Land aufgewachsen, das es politisch nicht mehr gibt - andererseits in globaler Hinsicht, mit der "Frontier", die immer weiter hinausgeschobene Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis, die auf den amerikanischen Kontinenten zum Gründungsmythos von Nationen gehört.

Der Künstler Olaf Holzapfel steht am 19.11.2014 in Altenburg (Thüringen) vor der Außenraumskulptur "Holländische Mühlen" auf der Teehauswiese im Altenburger Schlosspark. Die Skulptur wurde für die Ausstellung «Gerhard-Altenbourg-Preis 2014 - Olaf Holzapfel» errichtet. Am 23. November wird der Gerhard-Altenbourg-Preis 2014 an den in Berlin lebenden Künstler verliehen. Neben dem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro erhält er eine Ausstellung samt Katalog im Lindenau-Museum. Holzapfel wurde 1969 in Görlitz geboren. Foto: Martin Schutt | Verwendung weltwei (dpa / Martin Schutt )Der Dresdner Künstler Olaf Holzapfel ist mit der Werkgruppe "Zaun" auf der documenta 14 vertreten. (dpa / Martin Schutt )

Holzapfel beschäftigt sich dabei mit geopolitisch motivierten Grenzen, manchmal schnurgerade Linien, die in vermeintlichem Niemandsland Ordnung schaffen sollen - mit, wie im Fall der innerdeutschen Grenze, ganz konkreten Konsequenzen für die Menschen.

Die Natur indes lässt sich von Mensch-gemachten Grenzen selten beeindrucken. Grenzen sind auch willkürlich, vergänglich, wie kleine Narben in der Rinde eines uralten Baums.

Videoporträts zum documenta-echo

Das documenta-echo ist nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar: Im Rahmen einer Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel entstehen experimentelle Videoporträts, die auf dem documenta-Portal des Deutschlandfunks veröffentlicht werden. Genau wie die Audios sind auch die Videos eigenständige kleine Kunstwerke – erstellt von Studierenden der Klasse Film und bewegtes Bild der Kunsthochschule Kassel.

Dieses filmische Porträt ist eine Arbeit von Johanna Groß und Daniel Hellwig. Die Studierenden haben Olaf Holzapfel bei den Aufbauarbeiten im Kasseler Palais Bellevue begleitet und ihn in der Karlsaue getroffen, wo Holzapfel das Richtfest der bereits vor einigen Wochen aufgestellten Außenskulptur "Trassen" mit seinen Zimmerleuten feierte. In dem dokumentarischen Porträt spricht der Künstler über seine Werkgruppe "Zaun": Vermeintliche Kontraste, wie Kultur und Natur, sowie die noch immer relevante Handwerkskunst des Fachwerks fügen sich in Olaf Holzapfels Beitrag für die documenta 14 zu einem größeren Ganzen zusammen.

Olaf Holzapfel: "Zaun" (2017), "Nikos-Kessanlis"-Ausstellungshalle der Hochschule der Bildenden Künste Athen, Athen

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