Sonntag, 17.12.2017
Startseitedocumenta-echo"Egal, ob ich einen Hamburger oder ein Gemälde herstelle"26.07.2017

documenta-echo: Sokol Beqiri"Egal, ob ich einen Hamburger oder ein Gemälde herstelle"

Joseph Beuys ließ einst anlässlich der documenta 7 in Kassel 7.000 junge Eichen pflanzen. Das nahm der kosovarische Künstler Sokol Beqiri nun als Vorlage. Er veredelte eine griechische Eiche mit den Zweigen einer der Beuys-Eichen und pflanzte Beuys' Leitsatz gleich mit ein: "Jeder Mensch ist ein Künstler."

Von Isabelle Klein

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An eine Beuys-Eiche sind Äste eines Grichischen Baumes gepropft, die mit der Zeit anwachsen sollen. (Deutschlandradio / Änne Seidel)
Auf dem Campus der Technischen Universität in Athen pflanzte Künstler Sokol Beqiri eine kleine Eiche, bestehend aus einem griechischen Stamm und deutschen Ästen. (Deutschlandradio / Änne Seidel)

Sokol Beqiri, geboren 1964 in Peja, Kosovo, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Pristina, bevor er sein Postgraduiertenstudium an der Universität Ljubljana in Slowenien absolvierte.

Beqiri gilt als eine einflussreiche Figur in der kosovarischen Kunstszene und hat mehrere wichtige Projekte initiiert. 1999 brachte er mehrere Künstler zusammen, um eine Reihe von künstlerischen Interventionen auf dem alten Markt seiner Geburtsstadt Peja durchzuführen, die von serbischen Kräften zerstört worden war. Während des Kosovo-Krieges wurde Beqiri nach Ulqin, Montenegro deportiert, kehrte aber nach dem Krieg in den Kosovo zurück.

Porträtfoto von Sokol Beqiri aus dem Jahr 2017 (Deutschlandradio / Änne Seidel)Der kosovarische Künstler Beqiri gilt als eine einflussreiche Figur in der Kunstszene des Kosovo. (Deutschlandradio / Änne Seidel)

"Jeder Mensch ist ein Künstler" war einer der Leitsätze von Joseph Beuys. Beqiri sagt: "Es ist egal, ob ich einen Hamburger oder ein Gemälde herstelle", er "glaube nicht an die die Originalität der Idee".

Zum Auftakt der Internationalen Kunstausstellung documenta 8 in Kassel pflanzt Wenzel Beuys, der Sohn des 1986 verstorbenen Düsseldorfer Kunstprofessors Joseph Beuys, am 12. Juni 1987 den letzten Baum der "Stadtverwaldung - 7000 Eichen" vor dem Museum Fridericianum.  (picture-alliance / dpa / DB)Wenzel Beuys, Sohn des verstorbenen Vaters Joseph Beuys, pflanzt 1987 die letzte der 7.000 Eichen. (picture-alliance / dpa / DB)

Folgerichtig kaufte Beqiri für die documenta 14 kurzerhand die Idee eines anderen Künstlers - nämlich Äste einer der 7.000 Eichen zu nehmen, die Joseph Beuys anlässlich der documenta 7 in Kassel gepflanzt hatte, und mit diesen einen Baum im Kosovo zu veredeln. Aus dem Kosovo wurde Athen, und aus der Idee wurde Beqiris documenta-Arbeit "Adonis". Auf dem Campus der Technischen Universität in Athen pflanzte Beqiri eine kleine Eiche, bestehend aus einem griechischen Stamm und deutschen Ästen. 

Sokol Beqiri: "Adonis" (2017), documenta 14, Polytechnion, Nationale Technische Universität Athen (NTUA) und Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA), Prevelakis-Halle, Athen

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