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StartseiteSport am WochenendeDominanz der Dickmacher09.08.2012

Dominanz der Dickmacher

Wie olympische Sponsoren das britische Gesundheitssystem weiter belasten könnten

Die Olympischen Spiele sollen Jugendlichen aus aller Welt Vorbilder präsentieren, ihre Organisatoren sprechen von Fairness, Toleranz – und gesunder Ernährung. Wie passt es dazu, dass zwei der wichtigsten Sponsoren des Internationalen Olympischen Komitees McDonald’s und Coca-Cola heißen?

Von Ronny Blaschke

Cola-Automaten im olympischen Dorf von London 2012. (picture alliance / dpa / Alexey Kudenko)
Cola-Automaten im olympischen Dorf von London 2012. (picture alliance / dpa / Alexey Kudenko)

Laut einem staatlichen Gutachten sind etwa 60 Prozent der Erwachsenen und 30 Prozent der Kinder in Großbritannien übergewichtig oder fettleibig, bei 70000 Briten führt ungesunde Ernährung jährlich zu einem früheren Tod – das sind die Spitzenwerte in Europa. Die Londoner Ernährungsberatung Children’s Food Campaign befürchtet, dass diese Werte durch Olympia noch steigen werden. In einer Studie weist sie nach, wie Kalorien, Fett und Zucker reiche Nahrung das Marketing der Spiele dominieren. Das IOC behauptet seit langem, ohne diese Sponsoren sei Olympia nicht möglich. Malcolm Clark, Forscher der Kinderernährungskampagne, sieht das anders.

"Wir waren schockiert, als wir die genauen Zahlen erhalten haben. Weniger als zehn Prozent der Kosten für die London-Spiele sind von Sponsoren geflossen. Von den Vierjahres-Einnahmen des IOC stammen nur zwei Prozent von McDonald’s und Coca-Cola. Und trotzdem genießen beide Marken in der Olympia-Welt Exklusivität, damit verhindern sie in den Sportstätten ein vielfältiges Angebot. Gesunde Ernährung wird einem sehr schwer gemacht."

Das Marketing begann früh: Coca-Cola begleitete den 70 Tage dauernden Fackellauf mit Musikwagen und kostenlosen Produkten, rund acht Millionen Menschen verfolgten die Tour. McDonald’s investierte in Fernsehsports, soziale Medien, Gewinnspiele und verkaufte mit seinen Kindermenüs etwa neun Millionen Maskottchen. Auf dem Olympia-Gelände haben vier Schnellrestaurants geöffnet, darunter das größte der Welt mit 1500 Plätzen. Malcolm Clark.

"Diese Unternehmen bringen ihre ungesunden Produkte mit Sport und Gewinnern in Verbindung. Sie fördern viele Grasswurzel-Aktivitäten von Jugendlichen und werben für Bewegung. Das lässt sie etwas harmloser erscheinen. Doch Sport ist nur ein Teil der Lösung gegen Übergewicht: Wichtig ist auch eine gesunde Ernährung. Aber das verdrängen diese Unternehmen."

Die Universität Sydney hat die Folgen dieses Konzepts erforscht: Mehr als die Hälfe der befragten australischen Kinder konnte ein Sportereignis nennen, das von McDonald’s oder Coca-Cola gesponsert wurde. Fast 40 Prozent fanden die Unternehmen wegen der Sport-Verbindung sympathisch. Das IOC hat die Verträge bis 2020 verlängert. Malcolm Clark und die Kinderernährungskampagne versuchen Politiker davon zu überzeugen, eine solche Marktdominanz nicht noch einmal zu zulassen: 2015 findet in England die Rugby-Weltmeisterschaft statt, zwei Jahre später in London die Leichtathletik-WM.

"Das ganze Verfahren dürfte sich 2016 wiederholen, wenn Olympia in Rio de Janeiro zu Gast ist. Südamerika ist ein wichtiger und ausbaufähiger Markt für die Unternehmen. Es könnte sein, dass Marktregeln dann noch weniger ernst genommen werden als in Großbritannien und Europa."

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