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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteKommentare und Themen der WocheAuf Dauer reichen Presse-Beschimpfungen nicht17.02.2017

Donald TrumpAuf Dauer reichen Presse-Beschimpfungen nicht

Chaos scheine der bevorzugte Regierungsstil von US-Präsident Donald Trump zu sein, kommentiert Jan Bösche. Je mehr politische Experten mit dem Kopf auf den Tisch schlagen, desto besser sei es für ihn. Das könne auf Dauer aber nicht so weitergehen - die Trump-Anhänger wollten Ergebnisse.

Von Jan Bösche

US-Präsident Donald Trump während einer Pressekonferenz im Weißen Haus.  (AFP / Nicholas Kamm)
US-Präsident Donald Trump während einer Pressekonferenz im Weißen Haus. (AFP / Nicholas Kamm)
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Dieser Auftritt war alles, nur nicht langweilig. Ein Präsident, der sagt, was er denkt, wie er fühlt. Nicht abgeschirmt hinter Pressesprechern, nicht Schutz suchend in nichtssagenden Floskeln. Über eine Stunde duellierte er sich mit Journalisten, verteidigte seine Politik. Wollten wir nicht immer Politiker, die spannend, die authentisch sind?

Das Trump die Leaks von geheimen Informationen als das eigentliche Problem darstellt – das unterscheidet ihn nicht von anderen Präsidenten. Die Obama-Regierung war besonders streng mit allen, die geheime Daten veröffentlichten, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Alles, nur nicht langweilig sein

Das Weiße Haus mag ihm gerade um die Ohren fliegen, aber Chaos scheint Präsident Trumps bevorzugter Regierungs-Stil zu sein. Berater, die gegeneinander um Aufmerksamkeit buhlen. Viele Dekrete, aber wenig Substanz. Betriebsamkeit zeigen, Aufregung erzeugen, Schlagzeilen machen, alles, nur nicht langweilig sein.

Das ist ein Präsident für den 24-stündigen Nachrichten-Betrieb: Es gibt immer was zu bereden, zu twittern, zum liken oder disliken. Zurecht weist Donald Trump darauf hin, wie gut seine Präsidentschaft für die Quoten der Nachrichten-Kanäle ist. Das treibt Werbeeinnahmen nach oben, besonders der Trump-kritischen Kanäle.

Donald Trump ist gewählt worden, um Chaos zu erzeugen. Seine Wähler wollen, dass er alles anders macht, sie wollen, dass er den politischen Betrieb aufmischt. Dieses Versprechen hat er schon eingelöst.

Zeit gewinnen, während sich sein Weißes Haus zurechtruckelt

Je mehr politische Experten mit dem Kopf auf den Tisch schlagen, desto besser für Trump: Journalisten, Abgeordnete, erfahrende Verwaltungsleute – sie sind die Gesichter des politischen Washingtons, die Verantwortlichen für den politischen Stillstand, diejenigen, die über die Köpfe der Trump-Wähler hinwegregiert haben.

Vielleicht schafft Trump es ja, die Begeisterung seiner Anhänger noch ein wenig länger anzufachen, mit Auftritten wie dieser Pressekonferenz oder der geplanten Kundgebung am Wochenende in Florida. Zeit gewinnen, während sich sein Weißes Haus zurechtruckelt.

Der neue Job für den Kohlearbeiter, das zählt

Auf Dauer kann das nämlich nicht so weiter gehen. Trump ist nicht als "Entertainer in Chief" gewählt worden, sondern als Präsident. Er hat ein düsteres Bild der USA gemalt – jetzt muss er mit dem Aufräumen anfangen. Seine Anhänger wollen Ergebnisse sehen, sie wollen, dass sich ihr persönliches Leben bessert. Wirtschaftsdaten und Arbeitslosenzahlen sind da keine Argumente – denn die sind jetzt schon gut. Der neue Job für den Kohlearbeiter, das zählt.

Donald Trump wird nicht auf Dauer mit lauter Presse-Beschimpfung und großen Demonstrationen für Stimmung sorgen können. Er muss bald anfangen, zu liefern. In weniger als zwei Jahren gibt es die nächsten Kongresswahlen. Darum sind Trumps Republikaner schon jetzt so nervös: Sie wissen, dass sie abgestraft werden, wenn aus dem Chaos im Weißen Haus nicht bald kreatives und produktives Chaos wird.

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