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Doping? Nur eine Frage des Geldes

Der Start der 99. Tour de France wird von Dopinggerüchten um das Team Europcar überschattet

Von Klaus Blume

Radprofis bei der Tour de France.
Radprofis bei der Tour de France. (AP)

Obwohl der Bergkönig von 2010, Anthony Charteau, diesmal nicht für die Tour de France aufgeboten wurde, spielt er eine Schlüsselrolle in seiner französischen Equipe Europcar. Der 33-Jährige kann Teamchef Jean-René Bernaudeau und dessen Vorzeige-Crew in arge Bedrängnis bringen - falls er die Wahrheit sagt.

Denn Bernaudeau hatte am 8. Mai , bei den "Vier Tagen von Dünkirchen", gelogen, als er sagte: "Charteau verzichte wegen einer Knieverletzung auf die letzte Etappe." Tatsächlich hatten Gesundheitskontrolleure bei Charteau einen stark erhöhten Wert des Stress-dämpfenden Hormons Cortisol festgestellt. Das weist zu 90 Prozent auf den Konsum von Kortikoiden hin. Also Doping beim Anti-Doping-Kämpfer Bernaudeau?

Dieser Verdacht überschattet die 99. Tour de France ebenso, wie die nun angekündigte Anklage der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA gegen den siebenmaligen Tour-Sieger Lance Armstrong. Zuvor schon wurde dessen belgischer Intimus Johan Bruyneel beschuldigt, zwischen 1998 und 2011 mit verbotenen Substanzen gehandelt und deren Gebrauch angewiesen zu haben. Während sein luxemburgisch-amerikanisches Team Radio-Shack nun ausgerechnet an einen deutschen Geldgeber verscherbelt werden soll, bemühen sich belgische und französische Staatsanwälte um einen internationalen Haftbefehl für Armstrongs alter ego.

Die Tour kommt also auf Touren - vor Ort vor allem wegen des Teams Europcar, in dem Björn Thurau, der Sohn des einstigen deutschen Tour-Helden Didi Thurau, eine zweijährige Lehre abreißt. Denn die Pariser Staatsanwältin Dominique Pérard ist den beliebtesten Rennfahrern der Grand Nation seit August 2011 auf den Doping-Spuren. Demnach soll es am 2. Tour-Ruhetag 2011 bei Europcar Infusionen gegeben haben. Bernaudeau sagt: "Nur Vitamin B." Madame Pérard hält dagegen: "Alles sehr unklar."

Bernaudeau tobt: Denunziation! Die Konkurrenz gönne ihnen die Erfolge nicht. Klar, denn die machen misstrauisch. Im Vorjahr wurde Europcar-Kapitän Thomas Voeckler Tour-Vierter - ein nicht erklärbarer Leistungssprung, denn zuvor hatte er die Tour nur als 76., 67. und 97. "erlitten".

Dabei weiß der selbst ernannte Anti-Doping-Kämpfer Bernaudeau am ehesten, wie häufig im Sport Kortikoide verwendet werden. Schon 2005 hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) die Stress und Schmerz abbauenden Mittel freigegeben – allerdings nur bei medizinischer Indikation. Seitdem steigt die Zahl der Atteste rapide - nicht nur im Radsport. Beängstigt, ob der vielen, durch Kortikoide, verursachten Todesfälle, bat die französische Anti-Doping-Agentur schon 2008 den Pariser Gesundheitsminister um Hilfe.

Anthony Charteau, der vor Wochenfrist, nach der französischen Meisterschaft, erneut unter Kortikoid-Verdacht geriet, könnte vieles klären. Wie auch Martial Saugy, der Leiter des Lausanner Anti-Doping-Labors: Er hatte der Washington Post anvertraut, ebenfalls eine Doping-Probe Armstrongs zu besitzen, die deutliche EPO-Spuren aufweise. Doch das würde er vor keinem Gericht der Welt zugeben.

Also kann weiter gedopt werden. Schließlich gibt‘s absolut nicht nachweisbare, hocheffektive Dopingmethoden für Ausdauersportler. Alles nur eine Frage des Geldes.

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