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StartseiteSport am WochenendeSaubere Tour "schlichtweg ausgeschlossen"18.07.2015

DopingSaubere Tour "schlichtweg ausgeschlossen"

Nach Einschätzungen des Sportmediziners und Dopingforschers Perikles Simon hat sich beim Doping während der Tour de France nicht viel geändert. Doping könne ohne Nachweis stattfinden. Simon kritisierte im DLF auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Dessen Forderung nach mehr Medaillen könne in Richtung "mehr Doping" verstanden werden.

Perikles Simon im Gespräch mit Matthias Friebe

Der Sportwissenschaftler Perikles Simon von der Universität Mainz. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Der Sportwissenschaftler Perikles Simon von der Universität Mainz. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
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Bei der Tour de France sei in diesem Jahr ein Leistungsvermögen zu beobachten, "das dem sehr nahe kommt, welches wir gesehen haben, als die Athleten definitiv gedopt waren." Die Frage sei, ob sich der Radsport weiter entwickelt habe oder es neue Manipulationsmöglichkeiten gebe.

Simons Ansicht nach habe sich nicht viel geändert beim Doping in der Tour. "Wir wissen ja, dass Doping-Maßnahmen hoch effektiv durchgeführt werden könnten und wir keine Möglichkeiten hätten, sie nachzuweisen." Hinsichtlich der zwischenzeitlich sehr dominanten Leistung von Chris Froome bei der Tour de France sagte der Belastungsphysiologe Simon, dass es theoretisch "den ein oder anderen Mutanten" gebe, der höhere Leistungen abliefern könne als andere.

Dass die Tour sauber sei, hält Simon "für schlichtweg ausgeschlossen". Es werde immer ein gewisser Anteil von Dopern bei einer Sportveranstaltung antreten, genau wie es auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen Betrüger gebe.

Vernünftiges Level des Dopings?

Simon warf die Frage nach einem "verhältnismäßig gesehen vernünftigen Level" auf, also danach, wie sehr der Sportler leide und welche Dimension das Doping habe. Werde das Siegerfeld von denjenigen dominiert, die günstig auf Medikamente ansprechen oder bleiben Talent und Training die entscheidenden Faktoren?

Simon gehe davon aus, dass das Leistungsspektrum durch Doping komplett verzerrt werden könne, weil individuelle Schwächen ausgeblendet werden könnten. "Die Nulpe im Feld könnte ganz vorne landen, weil plötzlich individuelle Schwächen ausgemerzt werden, die absolut leistungslimitierend sind."

Simon äußerte auch deutliche Kritik an Bundesinnenminister Thomas de Maizière für seine Forderung nach mehr Medaillen deutscher Sportler. "Wer jetzt immer noch nicht mitbekommen hat, dass es möglich ist, das ganze Jahr gedopt an den Start zu gehen und einen Leistungsvorteil zu haben ohne dabei erwischt zu werden, der hat das Phänomen Spitzensport noch nicht verstanden."

Der Wissenschaftler erinnerte an die Verhältnisse im geteilten Deutschland. Natürlich könne man für wenig Geld viele Medaillen holen. "Wer das gezeigt hat, ist letztendlich die ehemalige DDR. Dort hat man schon für Jugendliche ein flächendeckendes Dopingsystem eingeführt." Zwar seien in der DDR auch die Trainer hervorragend qualifiziert gewesen, so Simon, allerdings seien die auch in der Hinsicht qualifiziert gewesen seien, das Maximum aus gedopten Sportlern heraus zu holen. So sei die DDR "im Sport hoch erfolgreich gewesen".

Das vollständige Gespräch können Sie als Audio-on-Demand nachhören.

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