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Doppelbelastung im Olympiajahr

Die Arbeit der Laufbahnberater

Von Julia Rudorf

Lässt sich beraten: Pilt Arnold, Spieler der deutschen Hockey-Nationalmannschaft und Student
Lässt sich beraten: Pilt Arnold, Spieler der deutschen Hockey-Nationalmannschaft und Student (picture alliance / dpa - Frank Rumpenhorst)

Bei den Olympischen Spielen in London werden etwa ein Drittel der deutschen Teilnehmer Studierende sein. Damit die Sportler neben den Wettkämpfen auch ihr Studium meistern, gibt es sogenannte Laufbahnberater. Die verschieben für ihre Schützlinge Prüfungen oder verlängern Fristen für die Abgabe von Hausarbeiten.

Pilt Arnold steht am Rand des Spielfelds beim Berliner Hockeyclub. Dort, wo gerade die C-Jugend spielt, wird der 23-jährige Hockeynationalspieler später selbst zum Sprinttraining antreten. Zum täglichen Sportpensum kommen noch Bundesligaspiele, Lehrgänge – und: sein Jurastudium. Um Spitzensport und Universität unter einen Hut bringen zu können, brauche man vor allem einen guten Zeitplan, sagt er. Und manchmal Hilfe. Zum Beispiel von Laufbahnberatern.

Pilt Arnold: "Also ich habe das bis jetzt nicht so häufig in Anspruch nehmen müssen, aber ich habe zum Beispiel Tutorienplätze, wo es nicht für alle Studenten Plätze gibt oder wo man möglicherweise schlechte Zeiten zugeteilt bekommt. Da konnte ich hingehen und sagen, dass ich Spitzensportler bin und ich brauche diese Zeiten für meine Tutorien sonst kann ich es nicht mit meinem Training kombinieren. Und das habe ich dann auch ohne Losverfahren bekommen. Was natürlich praktisch war, weil ich viele Fehlzeiten hatte, und man dann so ein Tutorium zur Nacharbeitung ganz gut braucht und dann nicht die Zeit von 18 bis 20 Uhr, wo ich immer Training habe, sondern dann habe ich gesagt, ich brauche halt einen Platz von acht bis zehn - und den habe ich dann auch bekommen."

In Berlin trainieren über 500 Spitzensportler, viele davon sind Studenten wie Pilt Arnold. Damit ihnen der Spagat zwischen Sport und Universität gelingt, gibt es in Berlin und allen 18 weiteren Olympiastützpunkten in Deutschland Berater, die ihre Laufbahn begleiten. Einer von ihnen ist Andreas Hülsen. Seit zwölf Jahren kümmert er sich in Berlin um die akademischen und sportlichen Karrieren von Athleten. Auch um die von Weltklasseschwimmerin Britta Steffen, deren Autogramm zwischen vielen anderen über seinem Schreibtisch hängt.

Andreas Hülsen: "Im Grunde überschauen wir relativ weit nach vorne einen Studienverlauf. Wir gucken uns also das Modulhandbuch an, wir haben Erfahrungen aus bisherigen Studienverläufen von Spitzensportlern. Und wir prüfen einfach: Sind die Anforderungen des Spitzensports, die wir ja kennen als Olympiastützpunkt, und die der Hochschule überein zu bringen?"

Hülsen und seine Kollegen haken bei Universitäten nach, ob die Sportler Module verschieben können, Prüfungen zu einem anderen Zeitpunkt nachholen oder Bachelorarbeiten später abgeben dürfen. Sie helfen vor den Olympischen Spielen bei der Beantragung von Urlaubssemestern und unterstützen bei Bewerbungen. Geschenkt bekommen die Spitzensportler ihren Uni-Abschluss trotzdem nicht.

Hülsen: "Wir sagen immer, sie machen kein Studium 'light'. Was unsere Sportler machen, ist ein Studium 'à la carte'. Das heißt, sie können sich das schon zusammensuchen wie es passt. Aber: Das können eben andere Studierende, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind, eigentlich auch. Das finde ich gut. Das ist eine wichtige Basis meiner Arbeit zu sagen: Wir schaffen hier keine Vorteile. Sondern wir gleichen bestimmte Nachteile aus."

Zum Beispiel, dass die Sportler bis zum Abschluss fast immer länger brauchen als ihre Kommilitonen. Oder dass sie jeden Tag besonders straff durchorganisieren müssen – vor allem, wenn es auf die Olympischen Spiele zugeht:

"Wenn es Abstriche gibt, dann sind die vor allem im Freizeitbereich zu sehen. Ich kenne Stundenpläne von Sportlern, die durchaus mit der 60-Stunden-Woche eines Wirtschaftsmanagers vergleichbar sind. Das ist sehr genau geplant und Abweichungen sind dann immer eine mittelschwere Katastrophe."

Dass es den Sportlern trotz allem meist gut gelingt, die Nachteile der Doppelbelastung auszugleichen, zeigen die Zahlen aus Berlin: Zwischen 2004 und 2008 wechselten von 267 studierenden Spitzensportlern lediglich acht ihr Fach, und nur drei brachen ihr Studium vorzeitig ab. Auch für Hockeynationalspieler Pilt Arnold kommt Aufgeben nicht infrage. Für die Olympischen Spiele in London hat er sich ein Urlaubssemester genommen. Und 2014 könnte er nicht nur eine Medaille, sondern auch das Juraexamen in der Tasche haben.

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