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StartseiteEuropa heuteDorf mit eigener Note14.04.2009

Dorf mit eigener Note

Das britische Städtchen Lewes bekämpft mit eigener Pfund-Währung die Krise

Ein kleines Städtchen südlich von London hat sich ausgeklinkt aus dem öffentlichen Geld- und Warenverkehr. Als hätten sie's immer schon gewusst, sind die Bürger von Lewes schon kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise auf die Idee gekommen, ihre eigene Währung einzuführen – das sogenannte Lewes Pound.

Von Ruth Rach

Britische Pfundmünzen haben in Lewes zunächst ausgedient (Stock.XCHNG / Anka Draganski)
Britische Pfundmünzen haben in Lewes zunächst ausgedient (Stock.XCHNG / Anka Draganski)

Ein uraltes Schloss, eine heimische Brauerei, und eine eigene Währung. Lewes, ein malerisches Kleinstädtchen in Südengland hat allen Grund, stolz zu sein

Viele Kunden bezahlen mit Lewes Poundnoten, sagt Indiana vom Cafe Laporte ein paar Gehminuten vom Bahnhof entfernt.

Zu Krisenzeiten kaufen die Leute wieder vor Ort ein, das kurbelt die lokale Wirtschaft an, und man spart an Transportkosten, sagt Amanda Brown, eine Rentnerin.

Das Hauptquartier für die Stadtwährung ist ein winziges Dachstudio in der Bahnhofstraße.

An den Wänden kleben Plakate mit Schockparolen über Ölkrise und Globale Erwärmung – gleich daneben aber auch Poster mit Lösungsvorschlägen: lokale Energiequellen, lokale Tauschnetze, lokale Gemeindegärten.

Das Lewes Pfund hat sich direkt aus der "Transition-Town"-Bewegung entwickelt, in Deutschland als "Energiewende" bekannt: Wir suchen positive Antworten auf die Energiekrise, erklärt Oliver Dudok van Heel, der das Projekt mitorganisiert. Die Parallel-Währung, die nur in Lewes gilt, und dort von 120 kleinen Läden anerkannt wird, soll die Bewohner zum lokalen Konsum anregen und das Gemeinschaftsgefühl stärken.

Die in lichten Blau- und Grüntönen gehaltenen Pfundscheine fühlen sich gar nicht wie Spielgeld an, sondern sind auf echtem Banknotenpapier gedruckt, unterstreicht Chris Smedely: Er hat das Lewes Pfund entworfen. Auf die Vorderseite setzte er nicht etwa das Bild der Königin, sondern das Konterfei eines berühmten englischen Revolutionärs.

"Er wohnte in Lewes, bevor er nach Nordamerika auswanderte und dort die Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Herrschaft anfeuerte. Direkt unter Paines Portrait hat Chris Smedley den Spruch eingraviert: 'Es liegt in unserer Macht, die Welt neu aufzubauen'"."

Druck- und Papierkosten werden von örtlichen Geschäften getragen. Gemischtwarenhändler, Blumen- und Computerläden. Und Harveys. Die lokale Brauerei zelebriert die Stadtwährung sogar mit einem eigens gebrauten Festbier.

Quids in, ein goldenes Sommer Ale, erzählt Ham is Elder. Seine Familie hat die Brauerei schon seit sieben Generationen im Besitz.

""Die lokale Währung passt wunderbar in unser grünes Konzept: Wir brauen ausschließlich mit lokalen Zutaten. Die Flaschen und sämtliche Nebenprodukte werden lokal recycelt, und wir liefern nur im Umkreis von 30 Meilen aus."

Die lokale Kritik am Lewes Pfund hält sich in milden Grenzen. "Reichlich romantisch" ist zu hören, und "vielleicht auch ein bisschen unnötig."

"Ich versuche ohnehin grün und ethisch verantwortungsvoll zu leben, und gebe auch mein britisches Pfund möglichst in örtlichen Geschäften aus – aber manche Dinge können einfach nicht lokal produziert werden", sagt Heather Nicholas, die seit 40 Jahren in Lewes wohnt. Ihr Mann nickt – die Theorie sei prima aber ...

... er kenne niemanden, der seine Kaufgewohnheiten seit der Einführung des Lewes Pfund geändert habe.

Doch Sue vom Gemischtwarenladen Mays widerspricht. Ihr Umsatz sei trotz Rezession gestiegen – und das verdanke sie nicht zuletzt dem Lewes Pfund.

"Meine Kunden sind noch loyaler geworden, und das ist einfach toll. Wir sind stolz auf unsere lokalen Ressourcen und Talente, und die Tatsache, dass wir unsere eigene Währung haben, hat uns zu diesen schwierigen Zeiten tüchtig aufgemuntert. Wir freuen uns, dass wir die örtliche Gemeinschaft erhalten und etwas haben, das wir an unsere Kinder weitergeben können."

Das Lewes Pfund ist bis September gültig. Aber die Organisatoren schmieden bereits neue Pläne – Geldscheine in höherer Denomination, eine Tauschbörse für Waren und Dienstleistungen, und vielleicht sogar eine Einrichtung, um lokale Mikrokredite zu vergeben.

"Natürlich können wir nicht schon innerhalb eines Jahres grundlegende Änderungen herbeiführen. Aber die Krise zwingt die Menschen nachzudenken. Das gegenwärtige System hat versagt– und das Lewes Pfund ist die beste Werbung, um eine Diskussion über lebensfähige Alternativen in Gang zu bringen."

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