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StartseiteCampus & KarriereChance oder Schaden für Forschung und Lehre?03.02.2018

Drittmittelfinanzierung an HochschulenChance oder Schaden für Forschung und Lehre?

Wie wichtig sind Drittmittel für die Hochschulen wirklich – und welchen Einfluss haben sie auf das, was an den Hochschulen passiert? Während die einen die Unabhängigkeit der Lehre und Forschung in Gefahr sehen, argumentieren andere: Auch Studierende profitieren von dieser Art der Finanzierung.

Von Armin Himmelrath

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Manager mit Geldscheinen (imago / Schöning)
Gekaufte Forschung? Drittmittelfinanzierung steht in der Kritik, doch viele Hochschulen sagen, dass sie darauf angewiesen sind (imago / Schöning)
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Elmar Weiler ist Professor für Pflanzenphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum. Und er war von 2006 bis 2015 auch deren Rektor – und damit unter anderem verantwortlich für das Finanzmanagement. Drittmittel, sagt Elmar Weiler, sind für eine Universität unverzichtbar. Sonst könne sie ihre Aufgaben gar nicht schultern.

"Die Grundfinanzierung ist natürlich relativ zu den Studierendenzahlen zurückgegangen. Also, ganz deutlich zurückgegangen. Sodass wir da sicherlich, was den Landeszuschusshaushalt betrifft, schon eine relativ angespannte Situation haben. Denn das erste Bestreben muss ja natürlich mal sein, die Studierenden gut auszubilden. Und wenn man sehr viele Studierende hat, die Gelder abnehmen, dann wird das zunehmend ein Problem."

Ein Problem, dem die Hochschulen mit steigenden Drittmittelanteilen an ihren Haushalten begegnen. Diese Drittmittel können von ganz verschiedenen Geldgebern kommen, etwa von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von Landes- und Bundesministerien oder auch von der EU. Und natürlich: von Unternehmen.

Transparenz mit begründeten Ausnahmen

Jeder fünfte Euro an Drittmitteln für deutsche Universitäten kam im Jahr 2015 nach Zahlen des Statistischen Bundesamts aus der Privatwirtschaft – insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Legen die Unis denn offen, wofür diese Gelder fließen? Natürlich, sagt der frühere Bochumer Rektor Elmar Weiler.

"Prinzipiell sind wir natürlich nicht gegen Transparenz. Aber man muss eben naturgemäß die verschiedenen schutzwürdigen Rechte von Geldgebern auch berücksichtigen."

Heißt im Klartext: Manchmal werden Drittmittelverträge auch nicht veröffentlicht. So wie vor einigen Jahren im Fall der Uni Köln. Die war 2008 eine Zusammenarbeit mit dem Arzneimittelhersteller Bayer eingegangen in der Krebsforschung und für die Ausbildung von Doktoranden. Jährlich bekam die Universität dafür einen niedrigen sechsstelligen Euro-Betrag, sagte Uni-Sprecher Patrick Honecker seinerzeit – mehr wollte und will die Hochschule über den Vertrag bis heute nicht verraten.

"Das ist eine sogenannte preferred partnership, das heißt: Wir haben mit Bayer Leverkusen eine Kooperationsvereinbarung, wo zum Beispiel eine gemeinsame Graduiertenschule betrieben wird. Es geht darum, dass man zum einen natürlich auf Interna von Bayer zurückgreift, auf der anderen Seite natürlich auch wissenschaftlich gemeinsam geforscht wird.

Letztendlich ist in diesem Rahmenvertrag geregelt, wie diese Art der Zusammenarbeit organisiert wird."

Doch worum ging es bei dieser mittlerweile beendeten preferred partnership genau? Was wurde konkret erforscht? Wem gehören die Forschungsergebnisse, die ja in staatlich finanzierten Labors entstanden? Zu diesen Fragen schwieg die Universität. Und sie durfte das auch, wie das Oberverwaltungsgericht in Münster 2014 entschied. Studentenvertreter hatten gegen die Geheimhaltung geklagt – und vor Gericht dann verloren.

Effekte, die oft unterschätzt werden

Kein Wunder, dass Kritiker hier ihre schlimmsten Befürchtungen vom Einfluss der Geldgeber auf die Inhalte der Wissenschaft bestätigt sehen. Ein Verdacht, wie ihn derzeit auch die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule in Aachen erlebt, nachdem die Stickstoffdioxid-Versuche für die Autoindustrie durchgeführt wurden. Doch solche Kooperationen mit Unternehmen, sagt der Bochumer Professor Elmar Weiler, hätten auch Effekte, die oft unterschätzt würden.

"Damit ermöglichen wir es, dass sich viele Studierende, auch Doktoranden und Doktorandinnen, sich im Bereich von anwendungsorientierter Forschung an konkreten Projekten, nicht so theoretisch, sondern wirklich an konkreten Projekten schulen können – und das verbessert auch die Chancen unserer Leute auf dem Arbeitsmarkt."

Unis wehren sich gegen Kritik

Noch deutlicher wird Bernhard Kempen, der Präsident des Deutschen Hochschulverbands. Der permanente Vorwurf, die Professoren und Wissenschaftler an den Hochschulen seien käuflich, regt ihn richtig auf. Seit Jahren beobachtet er

"Ein Misstrauen gegenüber den Universitäten und ihren Angehörigen, dass wir unseren Job nicht gut machen, dass wir faul sind – uns wird an allen Ecken und Enden nur mit Misstrauen – und das heißt dann auch: mit kleinlicher bürokratischer Kontrolle – begegnet. Das haben wir nicht verdient."

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