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StartseiteDeutschland heuteEin kleiner Pieks kann Leben retten14.06.2018

DRK-Kampagne zum WeltblutspendetagEin kleiner Pieks kann Leben retten

Krebsbehandlungen, Organ- oder Knochenmarktransplantationen: Ohne Blutspenden wären medizinische Maßnahmen wie diese kaum möglich. Doch nur drei Prozent aller Deutschen spenden regelmäßig Blut. Das soll sich durch eine große Kampagne des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) anlässlich des Weltblutspendetages ändern.

Von Anja Nehls

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Ein Mann spendet am 07.09.2015 Blut in der Blutbank der Universitätsklinik Leipzig (Sachsen). (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Rund drei Millionen Blutspenden werden pro Jahr in Deutschland benötigt (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
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Anna Lang sitzt auf einem Plastikstuhl in einem weißen Zelt des Deutschen Roten Kreuzes vor dem Berliner Reichstagsgebäude - auf den Knien ein Klemmbrett mit einem Fragebogen:

"Ob ich irgendwelche Erkrankungen habe, irgendeine Vorgeschichte, ob ich schon mal Blut gespendet habe, schwanger bin, Medikamente nehme."

Die 31-jährige Mitarbeiterin einer Bundestagsabgeordneten will heute Blut spenden. Seit fast fünf Jahren macht sie das zweimal im Jahr – und ist beim DRK eine ganz besonders gern gesehene Spenderin:

"Weil ich eine seltene Blutgruppe habe, ich habe Null negativ, von daher ist es wichtig, dass Leute mit seltenen Blutgruppen spenden gehen. Wenn ich was hergeben kann, mir tut es nicht weh, außer der einem kleinen Pieks und anderen Leuten hilft man damit."

Zum Beispiel Tomek Kaczmarek. Heute ist er extra zum Weltblutspendertag hier vorbei gekommen – um für das Blutspenden zu werben und ein bisschen Danke zu sagen, denn der heute 32-Jährige hatte einen angeborenen Herzfehler:

"Ich habe vor sieben Jahren drei Herzoperationen gehabt und allein bei der zweiten Operation habe ich schon über 30 Blutpräparate bekommen. Also ich sehe jeden Blutspender ein bisschen als meinen Spender, dadurch dass es anonymisiert ist, weiß ich ja nicht, wer es ist und ist ja auch egal wer es spendet, ist wichtig, dass man spendet."

Drei Millionen Blutspenden werden jährlich benötigt

Drei Millionen Blutspenden werden bundesweit jedes Jahr gebraucht. Anna Lang ist inzwischen an der nächsten Station, an der ihre Körpertemperatur und ihr Hämoglobin, also Eisenwert, gemessen wird:

"Und dazu benötige ich von der Dame einen Finger. Mittel- oder Ringfinger?" - "Mittel."

Ein Tropfen Blut, alles in Ordnung. Anna Lang stellt sich jetzt noch kurz bei einem Arzt vor. Eberhardt Laak hat eine kleine abgetrennte Ecke im weißen Zelt, damit er vertraulich mit den Spendern sprechen kann:

"Haben Sie die Spenden bis jetzt immer gut vertragen kreislaufmäßig?" - "Ja, hatte ich bisher nie Probleme." – "Ich frage auf jeden Fall nach der Trinkmenge, dass in den letzten zwei Stunden vor der Spende was gegessen wurde ist wichtig. Und dann individuell nochmal die Fragen, die ein Risiko für den Spender und den Empfänger darstellen können."

Zum Beispiel nach möglichen Infektionen mit Aids oder Hepatitis – auf die aber auch das Blut vor Verwendung genauestens untersucht wird. Für den Mediziner Torsten Tonn sind die Spenden ein unverzichtbarer Teil der Hochleistungsmedizin, nicht nur bei Unfallopfern:

"Wir können viele Behandlungen, Krebsbehandlungen zum Beispiel oder auch Organtransplantationen oder Blutstammzellen, Knochenmarkstransplantationen, könnte man gar nicht machen, wenn dem Patienten nicht supportiv - also unterstützend -, Blutkomponenten gegeben werden könnten."

Eine von acht Liegen, die im Zelt stehen, hat sich Anna lang inzwischen ausgesucht – eine, an der die gepolsterte Armstütze auf der linken Seite ist:

"Ich habe rechts keine guten Adern, deshalb war bisher immer links die gute Seite."

Jetzt übernimmt DRK-Schwester und Heilpraktikerin Regina Erhardt. Das Blut mit einem Gummiband anstauen, Arm desinfizieren und dann muss die 1,2 Milimeter dicke Kanüle in die Vene:

"Und jetzt bitte einmal tief einatmen und ausatmen, und dann dürfen Sie ganz normal weiteratmen, das Schlimmste haben Sie geschafft, alles gut?" – "Ja."

Langsam läuft das Blut jetzt in mehrere durchsichtige Plastikbeutel. Das Blut darin wird später im Labor in seine Bestandteile zerlegt: Rote und weiße Blutkörperchen oder Blutplättchen, um Empfänger wirklich zielgerichtet versorgen zu können

"Braucht der nur Plasma, warum soll ich ihm Erythrozyten und Thrombozyten geben? Braucht der nur Thrombozyten, warum soll er dann den Rest kriegen und so weiter? Und darum trennt man das halt auf, und dann kann man mit einer Spende bis zu drei Leuten helfen."

Jede Spende zählt

Denn die Spenden sind knapp, besonders im Sommer sinkt die Spendenbereitschaft. Dramatisch findet das Kerstin Schweiger vom DRK, weil Blut nicht künstlich herstellbar und nur sehr kurz haltbar sei:

"Eine Blutkonserve hält 35 bis 42 Tage, ein Thrombozytenpräparat nur fünf Tage."

Aber so gut wie alles wird innerhalb dieser Frist auch verbraucht. Auf einer koffergroßen Blutmischwaage neben der Liege füllen sich jetzt die Plastikbeutel mit Blut und werden dabei auf einer Wippe sanft hin- und hergewiegt:

"Weil sich das Blut zum einen mit einem Gerinnungshemmer in den Beuteln und zum anderen mit einer Nähstofflösung verbindet, damit die Zellen nicht untergehen, bis sie verarbeitet und dann beim Empfänger sind."

Anna Lang bleibt dabei entspannt, ab und zu drückt sie mit der linken Hand einen kleinen Gummiball, damit das Blut besser fließt:

"Man merkt die Nadel, wie sie im Arm steckt, aber ansonsten eigentlich nichts, ist ja auch nur ein halber Liter."

Nach einer knappen Viertelstunde ist es geschafft:

"Sie haben es geschafft!" – "Tata." – "Alle gut? – Ja. – "Sehr schön."

Eine weitere von 15.000 Portionen, die täglich in Deutschland gebraucht werden. Fast ¾ aller Blutkonserven werden über das DRK organisiert. Geld bekommen die Spender für die sogg. Vollblutspende hier nicht, bei anderen Organisationen gibt es Aufwandsentschädigungen. Für die DRK Vorsitzende Gerda Hasselfeldt ist das aber keine Option:

"Es gibt eine Diskussion darüber, ob man dann, wenn man bezahlt, die Bereitschaft erhöht, ich bin mir da nicht so sicher."

Spenderin aus Überzeugung

Auch Anna Lang jedenfalls spendet aus Überzeugung. Sie bekommt jetzt im Zelt noch eine kleine Stärkung und etwas zu trinken, damit der Kreislauf nicht absackt. Wie es ihr jetzt geht, wird sie zum Abschluss gefragt:

"Gut, ich gehe jetzt ins Büro und arbeite weiter."

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