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Dschihadist Abdelhamid AbaaoudDer mußmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris

Abdelhamid Abaaoud lacht aus einem Auto heraus (AP)
Undatiertes Foto des Belgiers Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher für die Terroranschläge von Paris gesucht wird (AP)

Vor allem ein Name wird im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris immer wieder genannt: Abdelhamid Abaaoud. Er soll Drahtzieher der Terrorwelle sein, die mindestens 129 Menschen das Leben kostete. Auf ihn zielte die massive Razzia am Mittwochmorgen nahe Paris. Laut "Washington Post" kam Abaaoud dabei ums Leben.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend in Paris bestätigte Staatsanwalt François Molins, dass Abdelhamid Abaaoud nicht unter den bei der Groß-Razzia in Saint-Denis vom Vormittag Festgenommenen sei. Die Identität der beiden Getöteten werde indes noch festgestellt. Einer der beiden Körper sei "von Kugeln durchsiebt" worden. Nahezu zeitgleich meldete die Tageszeitung "Washington Post" unter Berufung auf "zwei leitende europäische Geheimdienst-Mitarbeiter", dass Abaaoud bei dem Einsatz getötet wurde.

Sowohl den von der "Post" zitierten Geheimdienstquellen als auch Staatsanwalt Molins zufolge ist mit dem Einsatz ein möglicher neuer Terrorakt verhindert worden. Die ausgehobene Terrorzelle sei bereit gewesen zuzuschlagen, sagte Molins.

Abdelhamid Abaaoud: Belgiens meistgesuchter Dschihadist

Fotos von Abdelhamid Abaaoud gingen in den Tagen zuvor um die Welt: Ein junger Mann mit Bartflaum, lässig aus einem Autofenster blickend und fröhlich in die Kamera lächelnd. Abgebildet ist ein Mann, der es in Belgien bereits seit vergangenem Sommer zu einer Art Staatsfeind Nummer eins gebracht hatte. Seit Januar dieses Jahres stand Abdelhamid Abaaoud auf jeder belgischen Fahndungsliste. Im vergangenen Juli wurde er in Brüssel wegen Rekrutierung von Syrien-Kämpfern zu 20 Jahren Haft verurteilt - in Abwesenheit.

Seit den Anschlägen vom vergangenen Freitag nun steht der 27- oder 28-jährige Belgier um ein vielfaches mehr im Fadenkreuz. In ihm sehen die Ermittler den möglichen Drahtzieher der Terror-Akte. Ihm galt Staatsanwalt François Molins zufolge auch die massive Polizeiaktion in Saint-Denis nördlich von Paris, bei der am Mittwochvormittag zwei Verdächtige getötet und sieben festgenommen wurden.

Im Visier auch der USA

Abdelhamid Abaaoud soll überdies auch hinter zwei anderen Terrorplänen stecken, die dieses Jahr in Frankreich vereitelt wurden: Die im April gescheiterten Anschläge auf Kirchen nahe Paris und die im August von Passagieren gestoppte Attacke eines schwer bewaffneten Extremisten im Hochgeschwindigkeitszug Thalys nach Paris.

Kontakt hatte er Medienberichten zufolge auch zum Attentäter, der am 24. Mai 2014 im jüdischen Museum von Brüssel vier Menschen tötete. Zudem saß Abaaoud mit Salah Abdeslam vor einigen Jahren in Belgien im Gefängnis ein, also dem Bruder eines der Selbstmordattentäter vom 13. November.

Offenbar hatten auch US-Geheimdienste Abdelhamid Abaaoud schon vor Monaten ins Visier genommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP betrachten sie ihn als Schlüsselfigur einer externen Terrorzelle des Islamischen Staats.

Kampfname: Abu Omar al-Baldschiki, "der Belgier"

Wer ist dieser mutmaßliche Terrorpate? Abaaoud, Sohn eines marrokanischen Händlers, lebte früher im inzwischen als Rekrutierungsbecken der Islamisten verrufenen Brüsseler Stadtteil Molenbeek. 

In mehreren Propagandavideos der Dschihadisten taucht Abaaoud auf. Bekannt ist auch ein Video, auf dem Abaaoud ein Auto steuert, das vier verstümmelte Leichen hinter sich herzieht.

Mit 13 Jahren in den Dschihad

Schlagzeilen machte der Islamist zudem gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Younes. Dieser war ihm im vergangenen Jahr als Kämpfer nach Syrien gefolgt. Belgische Zeitungen bezeichneten den 13-Jährigen damals als "jüngsten Dschihadisten der Welt". Auf einem Foto im Internet posiert ein Junge in traditioneller Kleidung und mit Waffe, es soll sich dabei um Younes handeln.

Auch bekannt als Abu Omar al-Baldschiki ("der Belgier") ventilierte Abaaoud seine Terrorpläne offenbar geradezu: Nach Angaben der englischen Tageszeitung "Guardian" rühmte er sich in einem angeblichen Interview des über das Internet verbreiteten IS-Propaganda-Magazins "Dabik" mehrerer Terrorplanungen gegen den Westen - von Belgien aus und "direkt vor der Nase des belgischen Geheimdienstes". Sein Name und sein Foto seien überall in den Nachrichten gewesen, trotzdem habe er im Land bleiben und "Operationen" planen und ungehindert weggehen können. Auch als bereits gesuchter Islamist sei er kontrolliert worden, behauptet er.

(tön/tgs)

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