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StartseiteHintergrundDürre, Chaos und Krieg03.08.2011

Dürre, Chaos und Krieg

Die schwierige Hilfe für die Hungernden in Somalia

Die eigene Regierung macht nichts, Güter aus dem Ausland kommen zögerlich zu den Bedürftigen Somalias und die Al-Shabaab-Milizen besetzen Regionen, in die sie keine Helfer lassen. Der Bevölkerung bleibt nur noch eins - Eigeninitiative zu ergreifen.

Von Bettina Rühl

Eine Mutter hält die Hand ihres unterernährten Kindes in einer lokalen Klinik im kenianischen Liboi (AP / Schalk van Zuydam)
Eine Mutter hält die Hand ihres unterernährten Kindes in einer lokalen Klinik im kenianischen Liboi (AP / Schalk van Zuydam)

Aus sechs großen Töpfen mit heißem Brei dampft es. Durch die dichten Schwaden sind die Gesichter der Köche kaum zu erkennen. Neben ihnen stehen Bewaffnete mit Kalaschnikows, ebenfalls von Dampf umhüllt: Es sind Sicherheitskräfte der somalischen Übergangsregierung. Die ist zwar militärisch schwach und hat nur die Hälfte der Hauptstadt unter Kontrolle, aber hier in dem Flüchtlingslager ist sie präsent. Die Bewaffneten sollen verhindern, dass zwischen den Menschen ein Kampf ausbricht um die Töpfe mit Brei und Soße. Sie alle sind aus den Hunger-Regionen Somalias hierher geflohen, in die Hauptstadt Mogadischu.

"Mehrere Einheiten sind im Einsatz: die Polizei, der Nationale Sicherheitsdienst und Polizisten vom Distrikt. Was die Zahlen angeht: Es sind allein hundert Polizisten, mindestens."

Muhmidiin Hassan Junus ist Sprecher eines so genannten "Dürre-Komitees", das die Stadtverwaltung von Mogadischu vor wenigen Tagen eingerichtet hat.

"Seit zwei Monaten fliehen die Menschen aus den Dürreregionen nach Mogadischu, jeden Tag sind es mehr geworden. Sie haben sich überall in der Stadt verteilt. Da haben wir beschlossen, ein Dürre-Komitee zu gründen, um die Menschen zu koordinieren und anzusiedeln. Wir haben diejenigen, die in der Stadt verteilt waren gesammelt und diese riesige Fläche hier zu einem Flüchtlingslager erklärt. Hier können sie sich jetzt eine Unterkunft bauen."

Seitdem haben die Mitarbeiter des Dürre-Komitees mehr als 16.000 Menschen hierher gebracht. Das Lager: eine staubige Fläche zwischen dornigen Büschen. Die "Unterkünfte", von denen Junus spricht: zum Teil nicht mehr als ein Gerüst aus Holz, manche haben kaum etwas, um das Gestell zu decken. Eine Familie hatte nur ihr Moskitonetz. Andere nutzen Tücher, Jeanshosen, Stücke von Pappe. Aber in Mogadischu hat es ausgerechnet jetzt angefangen zu regnen, die ohnehin geschwächten Menschen werden nass. So dürftig die Unterkünfte sind - von der Regierung erhalten sie keine Hilfe beim Hausbau. Und jeden Tag werden es mehr, die auf Hilfe angewiesen sind.

"Heute morgen sind schon 650 Familien angekommen. Jede Familie hat fünf bis zehn Mitglieder. Da können Sie sich ja vorstellen, wie viele Menschen täglich dazukommen. Wenn sie Mogadischu erreichen, sind sie sehr schwach. Das waren sie ja schon, bevor sie aufgebrochen sind. Dazu kommt dann noch der lange Fußmarsch oder die Fahrt auf Lastwagen, die für Passagiere nicht geeignet sind. Wenn sie es bis hierher geschafft haben, helfen ihnen die Bewohner von Mogadischu. Sie bringen ihnen Lebensmittel und Baumaterial für die Hütten."

Immerhin ist Junus ehrlich: Lebensmittel, Kleidung, Baumaterial - nichts davon erhalten sie von ihrer eigenen Regierung. Alles sind Spenden der Bewohner von Mogadischu oder Spenden aus dem Ausland. Die Regierung des arabischen Emirats Katar war ausgesprochen großzügig, hat Maismehl und Bohnen gespendet.

Inzwischen ist das Essen fertig. Helfer verteilen es, indem sie Plastikteller als Schöpfkellen nutzen. Die Wartenden halten ihnen ihre Behälter hin: Leere Trockenmilchdosen, Schüsseln aus Plastik oder Aluminium, sogar Plastiktüten, wenn sie nichts anderes haben. Kaum sind der heiße Maisbrei und die würzige Soße eingefüllt, werden die Tüten durch die Hitze dünn und drohen zu zerreißen. Ein Greis wickelt einen Teil seines weiten Gewandes um die schmelzende Tüte, um die wertvolle Nahrung zu retten - am Rand der Feuerstellen wird um jeden Löffel Maisbrei und jedes bisschen Soße gekämpft.

Unter den Wartenden stehen Amina und Sara. Die beiden Frauen sind zusammen mit ihren Kindern aus Bakool geflohen, einer der beiden Regionen, die von der UNO zu Hunger-Regionen erklärt wurden. Auf dem Weg nach Mogadischu haben sie viele Tote gesehen, erzählt Amina.

"Sehr viele, vor allem Kinder. Zu viele, um sie zu zählen. Die Eltern haben sich noch nicht mal die Zeit genommen ihre Kinder zu beerdigen, die Leichen lagen am Straßenrand. Es ist schon ein Glück, wenn die Hyänen sie nicht fressen."

Ihre Freundin Sara ergänzt:

"Unter den Toten waren auch Erwachsene. Bei ihrem Anblick dachten wir, dass wir vielleicht auch noch sterben. "

Zehn Tage lang waren die beiden Familien unterwegs, mit wachsender Angst um die eigenen Kinder. Jetzt sind sie glücklich, dass alle überlebt haben. Aber sie haben durch die Dürre viel verloren. Zu Hause, in Bakool, war Sara eine reiche Frau: Sie hatte eine Herde von 150 Schafen und 100 Kühen. Sie war alleine für die Tiere verantwortlich. Ihr Mann hat sie schon vor zehn Jahren verlassen. Vor 60 Tagen starb das erste Rind. Zwei Monate später war ihre ganze Herde verendet.

"Ja","

sagt Sara,

""ich war wohlhabend. Heute habe ich nichts mehr."

Ihre Freundin Amina, die mit ihrem Mann und sieben Kindern geflohen ist, war nicht ganz so reich wie Sara. Aber auch ihre Familie lebte bislang nicht in Not - ihre Herde war mit je 70 Schafen und Ziegen groß genug. Innerhalb von nur zwei Monaten sind alle Tiere gestorben. So schlimm das ist, bei den Frauen überwiegt die Erleichterung darüber, keins ihrer Kinder durch den Hunger verloren zu haben. Und endlich wieder Essen zu können. Muhmidiin Hassan Junus steht neben den Töpfen.

"Im Moment verteilen wir das, was wir von der Regierung von Katar bekommen haben. Außerdem die Spende eines somalischen Fernsehsenders mit Sitz in London. Einen Teil der Lebensmittel haben wir auch an Garküchen in der Stadt gegeben.""

In einer Hütte aus Wellblech stapeln sich Säcke mit Maismehl und Kanister mit Speiseöl. Arbeiter, die sich selbst mit einer Art Sprechgesang anfeuern, füllen das Mehl aus den großen Säcken in handlichere Portionen.

Was wir haben, reicht nicht für lange, sagt der Aufseher über die Vorräte: Es ist genug für die nächsten zehn Tage. Aber wenn mehr Familien hierher fliehen, werden die Lebensmittel noch früher verbraucht sein:

"Wir hoffen auf die Bevölkerung von Mogadischu, Somalier, die im Ausland leben und die Distriktverwaltung."

Die aber, sagt Junus deutlich, hat nichts zu verteilen und hofft ihrerseits auf Spenden. Die kommen auch: Die Nothilfe der Internationalen Gemeinschaft ist angelaufen. Das Welternährungsprogramm fliegt Zusatznahrung für Kleinkinder nach Mogadischu, die erste Maschine ist vor einer Woche gelandet. Sie hatte zehn Tonnen Aufbaunahrung an Bord - genug, um 3500 unterernährte Kleinkinder einen Monat lang zu versorgen. Nach und nach will das Welternährungsprogramm zehn Mal so viel nach Somalia fliegen. Das würde dann einen Monat lang für 35.000 Kinder reichen.

Die Hilfe deckt nur einen Bruchteil des Bedarfs - denn nach Schätzungen der UNO sind in Somalia derzeit fast 20 Mal so viele Kinder vom Hungertod bedroht. Trotzdem ist die Hilfe hoch willkommen. So startete am Wochenende von Deutschland ein Hilfsflug mit 30 Tonnen Lebensmitteln - auf den Weg gebracht von einer deutschen Hilfsorganisation. Und auch die arabischen Staaten liefern Lebensmittel. Was die somalische Regierung beiträgt, beschreibt Premierminister Abdiweili Mohammed Nur:

"Meine Regierung hat ja in Mogadischu für diejenigen, die aus den Dürregebieten geflohen sind, ein erstes Camp eingerichtet. Wir bauen Strukturen auf, um die Hilfe verteilen zu können und verteilen selbst etwas. Zumindest in den Gebieten, die von der Regierung kontrolliert werden."

Aber genau das ist das Problem: Die Regierung kontrolliert nur die Hälfte der Hauptstadt, zum Rest des Landes hat sie keinen Zugang. Auch nicht zu den beiden Regionen, die von der UNO zu Dürre-Regionen erklärt wurden. Die Gebiete, in denen der Hunger am schlimmsten ist, sind in der Hand einer islamistischen Miliz namens Al-Shabaab.

Eine Versammlung der Al-Shabaab in Mogadischu. Der Name bedeutet auf deutsch "Die Jugend" - und tatsächlich sind viele junge Männer bei der Versammlung. Die Führungselite wurde in afghanischen Terrorcamps ausgebildet, die Miliz ist mit Al-Kaida verbunden. Entsprechend kompromisslos ist die Ideologie. Die Al-Shabaab verfolgen und töten humanitäre Helfer seit Jahren. Vor allem das Welternährungsprogramm hat keinen Zugang zu den Gebieten unter ihrer Kontrolle. Andere Gruppen dürfen operieren, aber die Mitarbeiter riskieren dabei ihr Leben.

Die internationalen Helfer sind deshalb vor Jahren alle abgezogen. Die somalischen Helfer blieben zurück; viele wurden von den Islamisten getötet. Nach Schätzungen der UNO sind mehr als zwei Millionen Menschen von Hilfe weitgehend abgeschnitten. Angesichts der Dürre verhält sich die Shabaab-Miliz zwiespältig: Anfang Juli bat sie die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Doch vor anderthalb Wochen nahm die Miliz ihre Einladung an internationale Organisationen wieder zurück. Sheikh Ali Rage, der Sprecher der Al-Shabaab, erklärte:

"Die Organisationen, die bisher verboten waren, sind auch weiterhin verboten. Einige von denen, die wir verboten haben, waren in politische Aktivitäten verwickelt. Andere haben Menschen getötet, deshalb mussten wir sie auch verbieten. Die Vereinten Nationen tragen die Hauptverantwortung für das gegenwärtige Problem. In ihrem letzten Bericht behaupten sie, in Somalia gebe es eine Hungersnot. Das ist kompletter Unsinn, reine Propaganda. Somalia leidet unter einer Dürre. Es hat zu wenig geregnet, aber die Dürre ist bei weitem nicht so schlimm, wie die UNO es darstellt."

Seitdem rätseln somalische und internationale Helfer, wie sie mit den Verlautbarungen der Al-Shabaab umgehen sollen. Abdulkadir, 21 Jahre alt, kennt die Gruppe von innen. Als er der Al-Shabaab beitrat, war er erst 14 Jahre alt. Abdulkadir war überzeugt davon, dass die Islamisten die Anarchie in Somalia beenden und dem kriegsmüden Volk Gerechtigkeit bringen würden:

"Vor der militärischen Ausbildung haben sie uns ideologisch geschult. Sie wollten uns zu anderen Menschen machen. Sie haben uns Audio-Kassetten gegeben, wir mussten regelmäßig in die Moschee gehen und ihre Radiosender hören. Dieses Programm muss jeder durchlaufen, bis sie ihn für zuverlässig halten. Dann fangen sie mit speziellen Ausbildungseinheiten an, bestimmten ideologischen Lektionen, und das physische Training beginnt."

Teil der Gehirnwäsche waren Hasspredigten gegen den Westen. Weil Abdulkadir durch seinen Eifer auffiel, stieg er trotz seiner Jugend schnell auf. Er wurde Kommandant einer kleinen Einheit.

"Am Anfang gab es in Mogadischu noch nicht so große Trainingscamps wie jetzt. Wir wurden in Häusern innerhalb der Stadtbezirke trainiert. Nach der militärischen Grundausbildung habe ich mich weiterentwickelt, indem ich jede Theorie sofort in die Praxis umgesetzt habe. Es war "training on the job". Bei den Gefechten waren immer erfahrenere Kämpfer in der Nähe, die mich korrigiert haben. Dadurch haben wir die meisten Erfahrungen gesammelt."

Vor drei Jahren stieg Abdulkadir aus: Die Gruppe sei immer brutaler geworden, sagt er. Die Gerechtigkeit, auf die Abdulkadir gehofft hatte, blieb aus. Er tauchte ab, floh in Mogadischu in das Gebiet, das die Regierung kontrolliert. Seitdem ist er dort auf der Flucht vor der Rache der Shabaab. An deren Sinneswandel glaubt er nicht:

"Eine Woche nach der Einladung der Al-Shabaab an internationale Organisationen haben sie zwei humanitäre Helfer in Baidoa entführt, einer Stadt auf ihrem Gebiet. Daran sieht man, wie ernst sie es mit ihrer neuen Offenheit meinen. Ich glaube außerdem, dass sie von der internationalen Hilfe profitieren wollen. Entweder geben sie den Bedürftigen 40 Prozent der Hilfe und behalten 60 Prozent für sich, um davon ihren Krieg zu finanzieren oder andersrum. Und schließlich weiß man nicht, ob sie nicht doch bloß darauf warten, dass ausländische Helfer ins Land kommen, die sie dann entführen und dafür eine Menge Lösegeld kriegen. Kurz gesagt: Ich traue ihnen nicht."

Ähnlich ist die Einschätzung eines Mannes, der verlässliche Informationen hat, aber zu seiner eigenen Sicherheit weder seinen Namen noch seine genaue Funktion genannt wissen will.

""Einige der somalischen Al-Shabaab-Kommandaten haben sich mit den Ältesten der somalischen Klans getroffen. Sie haben gemeinsam überlegt, wie sie denen, die unter der Dürre leiden, helfen können. Sie haben sich darauf geeinigt, dass Hilfe durchgelassen wird. Leider kamen dann einige der ausländischen Shabaab-Mitglieder aus dem Jemen nach Mogadischu. Diese internationalen Terroristen sind dafür verantwortlich, dass die Shabaab die internationalen Organisationen dann doch wieder ausgeladen haben. Die internationalen Kämpfer gehen davon aus, dass sich Mitarbeiter der amerikanischen CIA unter die Helfer mischen. Deshalb musste Sheikh Ali Rage, der Sprecher der Shabaab, vor die Medien treten und den Hilfsappell wieder zurücknehmen."

Damit haben die Helfer noch immer kaum Zugang zu den Hungernden, abgesehen von ein paar wagemutigen Somaliern. Mehr ist nötig, um die Hilfslieferungen in dem erforderlichen Umfang in die Dürregebiete zu bringen. Abdi Rashid arbeitet für die renommierte "Internationale Crisis Group". Die Mitglieder dieses Think Tanks analysieren politische Krisen, beraten die politisch Handelnden.

"Wir brauchen irgendeine Form von Verhandlungen mit den Al-Shabaab und einen Waffenstillstand. Wir brauchen sichere Korridore für die Helfer, damit Lebensmittel und andere Hilfsgüter die Hungernden erreichen."

Auch Abdi Rashid ist davon überzeugt, dass Zugeständnisse einen Preis haben:

"Natürlich werden die Shabaab ihren Anteil von den Lieferungen verlangen. Sie wollen davon profitieren, dass die internationalen Organisationen jetzt in Somalia helfen wollen. Die Islamisten versprechen sich davon, dass sie bei der Bevölkerung wieder beliebter werden. Und natürlich wollen sie Geld machen. Vergessen wir nicht: Die Shabaab brauchen ihrerseits Lebensmittel, und zwar für ihre Kämpfer. Trotzdem: Ich halte Verhandlungen mit ihnen für das kleinere Übel."

Ein Dilemma für die internationale Gemeinschaft: Hilft sie nicht, werden vermutlich Hunderttausende Somalier verhungern und ebenso viele in die Nachbarländer Kenia und Äthiopien fliehen - die jetzt schon von dem Ansturm der Geflüchteten völlig überfordert sind. Hilft sie - stärkt sie durch den Zufluss an Geld und Lebensmitteln die radikale islamistische Miliz.

Das lässt sich mit einiger Sicherheit sagen, denn vor zwanzig Jahren war die Situation in Somalia ganz ähnlich: Im Januar 1991 stürzten die Kriegsherren der somalischen Klans den letzten Diktator Siad Barre. Seitdem versinkt Somalia in Anarchie. Nach Barres Sturz entwickelte sich eine humanitäre Katastrophe: Auch damals war das Land von einer schweren Dürre getroffen, schon damals war die Hälfte der Bevölkerung vom Hungertod bedroht. Die internationale Gemeinschaft versuchte zu helfen, aber die Milizen überfielen die Konvois mit Hilfsgütern und plünderten die Lagerhallen. Um die Hilfslieferungen zu schützen, marschierte die UNO Anfang 1992 ein. Die Mission war ein Desaster, die UNO zog sich 1993 geschlagen zurück - der Krieg geht bis heute weiter. Und viele Beobachter sagen, dass die Warlords nur deshalb so lange kämpfen konnten, weil sie ihre Kriegskasse durch die große Hilfsaktion füllten. Trotzdem sieht Abdi Rashid von der International Crisis Group keine Alternative.

"Wir hoffen, dass die Zusammenarbeit mit den Shabaab und der Dialog mit ihnen eine neue Dynamik in die Gruppe bringt. Dass die gemäßigten Kräfte und die Pragmatiker die Shabaab verlassen und eine eigene Bewegung gründen. Verhandlungen und Dialog sind immer die beste Politik, und niemand kann ausschließen, dass die Shabaab dadurch zersplittern."

So weit ist es noch nicht. Vorerst ist Hilfe in Somalia ein lebensgefährlicher Job für ein paar Spezialisten. Seit Jahren gibt es einige, die das Risiko eingehen - wie die Helfer in dieser Garküche in Mogadischu, die warme Mahlzeiten ausgeben. Sharifa Omar Abukar arbeitet für eine somalische Hilfsorganisation.

"Manchmal muss man möglichst unauffällig arbeiten. Viele Mitglieder der Shabaab können weder lesen noch schreiben. Sie wissen nicht, was hinter unserer Organisation steht. Ob wir Somalier sind oder Ausländer. Ein Emblem hilft da auch nicht weiter. Deshalb ist unsere Arbeit gefährlich. "

Die Helfer meiden die Öffentlichkeit, machen möglichst wenig Werbung, scheuen das Scheinwerferlicht. Trotzdem bleibt das Risiko hoch. Was immer den Helfern als Parteinahme für die von den Islamisten bekämpfte Regierung ausgelegt werden könnte, kann tödlich sein. Weil sie auf diese Neutralität größten Wert legen, können auch andere westliche Organisationen seit Jahren in allen Gebieten helfen, meist über somalische Partner. Sie alle riskieren viel - und tun es gern, weil sie wissen, wie nötig die Hilfe ist.

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