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Durchwühlen durch oberflächliche Action

"Total Recall" läuft im Kino an

Von Josef Schnelle

Colin Farrell ("Douglas Quaid") schlüpft in Arnold Schwarzeneggers Stiefel. (Sony Pictures)
Colin Farrell ("Douglas Quaid") schlüpft in Arnold Schwarzeneggers Stiefel. (Sony Pictures)

Ein Klassiker des Science-Fiction-Kinos ist "Total Recall" mit Arnold Schwarzenegger. Nun gibt es eine Neuverfilmung, wo mehr Wert auf den klassischen Kampf zwischen Gut und Böse gelegt wird.

Douglas Quaid fehlt etwas in seinem Leben. Deswegen betritt er eines Tages die Räume der Firma "Rekall". Dort kann man in dieser Science-Fiction-Geschichte Träume kaufen. Besser gesagt: Man kann sich in ein anderes Leben versetzen lassen.

"- "Das ist es."
- "Und es fühlt sich wie echtes Leben an?"
- "Was ist schon Leben außer die chemische Wahrnehmung durch unser Gehirn. Ihre Augen sehen. Ihre chemischen Gehirnprozesse reagieren. Hier sparen wir uns den Zwischenschritt und gehen direkt zur Chemie über. Macht das die Sache weniger real?"
- "Eine Illusion bleibt eine Illusion egal, wie überzeugend sie ist."
- "Gefällt mir. Das ist korrekt. Objektiv gesehen. Aber wenn man da drin steckt, subjektiv gesehen ist das absolute Gegenteil der Fall.""

Der Film basiert auf der Kurzgeschichte "Erinnerungen en gros" von Philip K. Dick. 1990 wurde der gleiche Stoff schon einmal mit gleichem Titel von Paul Verhoeven verfilmt. Mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle wurde er ein Klassiker des Science-Fiction-Kinos, das sich mit Paranoia und Zweifeln an der Wirklichkeit beschäftigt. Die neue Version verzichtet aus naheliegenden Gründen auf Arnold Schwarzenegger. Seinen Part übernimmt Colin Farrell. Außerdem ist die Handlung gestrafft und das Zukunftsszenario um die Geschichte herum wurde ein wenig in Richtung moderner Actionfilme verwandelt. Es geht nun im Wesentlichen um einen Kampf Gut gegen Böse in einer Welt, die nach einem fürchterlichen chemischen Weltkrieg in nicht gar so ferner Zukunft im Wesentlichen in zwei Territorien zerfallen ist.

Die United Federation of Britain beherrscht mit ihrem dubiosen Kanzler-Diktator die Welt, während The Colony in Australien billige Arbeitskräfte liefert. Und dann gibt es noch eine Rebellenbewegung, die die schöne neue Welt des Großkanzlers Cohaagen bekämpft. Das Übliche also: eine Filmbühne, auf der viel gerannt und geballert wird, inklusive moderner fernöstlicher Kampfkunst.

"Wir müssen los!"

The Fall – ein gewaltiger Fahrstuhl - verbindet die beiden Kontinente offenbar mitten durch die Erde rasch miteinander. In ihm findet auch der spektakulärste Kampf des Filmes statt. "Total Recall" ist also zunächst einmal Kino der Attraktionen mit vielen Spezialeffekten und einer von Hollywood so oft erzählten schlichten Heldensaga.

Doch halt. In Philipp K. Dicks Geschichte ging es im Kern um eine Psychodroge, die Zweifel an der Wirklichkeit des tatsächlich Erlebten aufkommen lässt. Dieses Thema lässt die Neuverfilmung von "Total Recall" natürlich nicht aus, auch wenn man sich durch viel oberflächliche Action wühlen muss, um das Selbstreferentielle diese Kinoillusion freizulegen.

Nach seinem Besuch bei Rekall wird Douglas Quaid der Boden unter den Füßen weggezogen. Die Polizei jagt ihn als vermeintlichen Superagenten und seine treu sorgende Ehefrau erweist sich als pure Illusion. Sie ist in Wahrheit seine Bewacherin, die ihm bald nach dem Leben trachten wird.

"- "Es gibt keinen Douglas Quaid. Den gab es nie."
- "Wir beide, unsere Ehe. Wir haben doch."
- "Was soll ich sagen: Eheliche Pflichten sind meine Spezialität. Mal ganz ehrlich: Hast Du wirklich geglaubt, jemand wie ich würde jemanden wie dich heiraten und in diesem Drecksloch wohnen."
- "Wenn ich nicht ich bin. Wer bin ich dann?"
- "Woher soll ich das wissen. Ich arbeite hier nur.""

Was ist Wirklichkeit? Was Manipulation oder Fälschung? Quaid sieht sich immer neuen Erinnerungsfetzen ausgesetzt und muss sich fragen, ob er nicht eigentlich nur in einer Art Kinosessel sitzt und dem Verwirrungsspiel des Illusionstheaters ausgesetzt ist. Im Grunde also ist es ein Film über das Kino. In den besten Momenten des Kinos fragt man sich ja: Geht nachher wieder das Licht und betrete ich hinterher wieder den vertrauten Boden der Wirklichkeit.

Schon in "Matrix" von Wachowski-Geschwistern wurde 1999 diese grundlegende Frage der Erkenntnistheorie des Kinoerlebnisses erörtert. Der Filmheld Neo musste zwischen der blauen Pille der Illusion und der roten Pille wählen, die ihn in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus führen sollte. Eine solche Wahl muss auch Quaid treffen.

"- "Harry, was soll das."
- "Das hier ist keine Illusion. Er versucht, dich zu manipulieren. Er will doch nur, dass du aufgibst. Wir müssen hier weg."
- "Und wohin? Es gibt kein Entkommen aus deinem Kopf Doug. Aber du kannst aus diesem Albtraum erwachen, wenn du dir helfen lässt."
- "Wie kannst du mir helfen?"
- "Hör nicht auf ihn."
- "Du must sie erschießen Doug.""

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