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StartseiteInformationen am MorgenDer Unsichere 08.08.2017

Dustin Hoffman wird 80Der Unsichere

Die Rolle des College-Absolventen, der sich von der Freundin seiner Mutter verführen lässt, brachte ihm 1967 den Durchbruch: Dustin Hoffman hielt sich in "Die Reifeprüfung" trotzdem für eine Fehlbesetzung. Das fehlende Selbstbewusstsein ließ ihn sogar Angebote von Ingmar Bergman und Steven Spielberg ausschlagen.

Von Nicole Markwald

Portraifoto von Dustin Hoffman, aufgenommen beim Filmfestival in Cannes 2017. (imago / Loic Thebaud)
"Ich wollte so spielen wie Dustin Hoffman - wir alle wollten das", sagte der Schaupieler Liev Schreiber 1999 über seinen Kollegen Dustin Hoffman. Heute wird Hoffman 80 Jahre alt. (imago / Loic Thebaud)
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Sie teilten sich eine kleine Wohnung zu Beginn ihrer Schauspielkarriere und 1967 gelang sowohl Dustin Hoffman als auch Gene Hackman der Durchbruch. Hoffman spielte in "Die Reifeprüfung" einen überforderten College-Absolventen, der sich von einer älteren Frau verführen lässt. Es folgen weitere facettenreiche Rollen: in "Die Unbestechlichen" spielt er einen der Journalisten, die die Watergate-Affäre aufdecken, in "Kramer gegen Kramer" zeigt er sich als verzweifelter Vater in einem Sorgerechtsstreit.

Heute bedauert der 80-Jährige, über die Jahre etliche vielversprechende Rollen ausgeschlagen zu haben, weil er der Meinung war, den Erfolg nicht "verdient" zu haben.

Wenig Selbstvertrauen in jungen Jahren

Nein, Dustin Hoffman war zu Beginn seiner Karriere wahrlich nicht mit dem besten Selbstvertrauen ausgerüstet.

"Ich war klein, unattraktiv, hatte Akne - und so sah ich mich ganz lange", erzählt er 2013 in einem Interview mit NPR.

Zwölf Jahre lang arbeitete er als Kellner, besuchte nebenbei Schauspielkurse, besuchte unter anderem die Lee Strasberg Schauspielschule. Er teilte sich eine Wohnung mit Gene Hackman, später mit Robert Duvall. In einer Theaterproduktion sass Regisseur Mike Nichols im Publikum, der gerade verzweifelt auf der Suche nach einem Hauptdarsteller für seinen nächsten Film "Die Reifeprüfung" war. Er bat den unbekannten Hoffman zu Probeaufnahmen nach Los Angeles.

Der damals 30-Jährige erhielt zu seinem Erstaunen die Rolle - obwohl er selbst nach Ende der Dreharbeiten noch davon überzeugt war, eine völlige Fehlbesetzung zu sein.

Plötzlicher weltweiter Erfolg

Vielleicht half ihm seine Unsicherheit, den College-Absolventen Benjamin Braddock zu verkörpern, der sich ohne Ziel durch den Sommer treiben und von einer Freundin seiner Mutter verführen lässt. Dieser plötzliche weltweite Erfolg erschütterte ihn, fühlte sich an wie "ein Unfall".

Es war der Auftakt einer beeindruckenden Hollywood-Karriere. Zwei Jahre später ist Hoffman in "Asphalt-Cowboys" neben Jon Voight als kranker Kleinkrimineller Ratso Rizzo zu sehen. Es folgen weitere facettenreiche Rollen: in "Die Unbestechlichen" spielt er einen der Journalisten, die die Watergate-Affäre aufdecken, in "Kramer gegen Kramer" zeigt er sich als verzweifelter Vater in einem Sorgerechtsstreit.

"Ich wollte so spielen, wie Dustin Hoffman - wir alle wollten das"

Diese Rolle brachte ihm seinen ersten Oscar. 1989 folgt der zweite, als er neben Tom Cruise in "Rain Man" einen Mann mit Autismus spielt. Was bei dieser Auflistung überrascht: Dustin Hoffman lehnte viele Rollen ab. "Ich glaube, der Erfolg machte mir Probleme", erzählte er 2016 dem Sender NBC.

Absagen gab es unter anderem für Woody Allen, Ingmar Bergman, Federico Fellini und Steven Spielberg, der ihm eine Rolle in "Schindlers Liste" angeboten hatte. Hoffman hat sich einen Ruf als Perfektionist erarbeitet, er sei fordernd, was die Zusammenarbeit nicht immer einfach mache, wie Robert de Niro verriet. Das war 1999 bei der Verleihung des Filmpreises AFI Life Achievement Award.

Schauspielkollege Liev Schreiber fügte hinzu: "Ich wollte so spielen wie Dustin Hoffman - wir alle wollten das. Deine Darstellung von Ratso Rizzo hat unsere Arbeit für eine ganze Generation neu definiert."

In den zurückliegenden Jahren hat sich Hoffman auf leichtere Kost wie "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich" oder die "Kung Fu Panda"-Reihe verlegt. Vor fünf Jahren führte er das erste Mal Regie - oder besser gesagt: Führte er das erste Mal Regie von Anfang bis Ende. Denn schon Mitte der 70er hatte er im Regiestuhl Platz genommen - doch sich mitten im Projekt selbst entlassen. Er fand sich als Regisseur nicht gut genug - da war es wieder, das verdammte -fehlende- Selbstbewusstsein.

 

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