Freitag, 19.01.2018
StartseiteVerbrauchertippWeniger Reichweite wegen der Kälte29.11.2017

E-Autos im WinterWeniger Reichweite wegen der Kälte

Elektroautos holen sich die Energie für die Heizung aus der Batterie, da sie keinen zusätzlichen Strom produzieren. Weil das auf die Reichweite geht, sollte man vorsorgen, damit man im Winter nicht plötzlich liegen bleibt.

Von Susanne Lettenbauer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
"Ich fahre mit Strom" steht an einem elektrisch angetriebenen Opel Ampera, der am 27.04.2016 in Halle (Sachsen-Anhalt) an einer Ladesäule von EnviaM geladen wird. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
Ein Elektroauto holt sich die Energie für Licht, Heizung und Bordcomputer immer aus der Batterie (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
Mehr zum Thema

Rund ums E-Auto Voll elektrisch in die Zukunft?

Elektroautomobilität Wie E-Autos den Durchbruch schaffen könnten

Kfz-Handwerk Schrauber für E-Autos

Roadmap E 2025 soll jeder vierte VW elektrisch betrieben sein

In der Elektroautowerkstatt von Josef Hintermeier bei München kann man jetzt vor dem Winter sein E-Auto schnell nochmal kontrollieren lassen. Leistungsfähigkeit und Alter der Batterien, Zuverlässigkeit des Bordcomputers. Grundsätzlich kommen die Batterien mit Temperaturen unter null Grad gut zurecht, beruhigt der E-Automechaniker. Auch Streusalz oder Split kann den hermetisch abgeschlossenen Batterieblöcken nichts anhaben.

Trotzdem sollten Besitzer von E-Autos im Winter besonders auf Ihren Wagen aufpassen. Erster Tipp vom KFZ-Meister: Das Auto nicht länger in direktem Frost stehen lassen:

"Also, was natürlich gut ist, ist eine Tiefgarage oder irgendeine Garage, dass er nicht direkt im Freien steht und zugefroren ist. Es gibt manche Hersteller, die eine Heizmatte drin haben und die Batterie temperieren, wenn die geladen werden."

Hängt das Auto noch an der Steckdose, lässt sich das Fahrzeuginnere samt Batterien bei vielen Modellen per App morgens vorheizen – ohne, dass die Akkuleistung leidet. Der Strom kommt schließlich noch aus der Steckdose.

Speicherkapazität der Batterien sinkt je kälter der Akku

Eine handelsübliche Standheizung sei auch eine gute Idee, um das Fahrzeug vor und nicht während der Fahrt vorzuheizen. Denn ein Elektroauto holt sich die Energie für Licht, Heizung und Bordcomputer immer aus der Batterie – und erzeugt während der Fahrt keinen zusätzlichen Strom über eine Lichtmaschine wie bei Verbrennungsmotoren:

"Man kann sagen, um ein Auto warm zu haben bei zehn Grad Minus brauchen Sie mindestens 3-4 kW Heizleistung. Das würde heißen, bei einem Auto mit 16 Kilowattstunden, da kann man es sich ausrechenen, keinen Meter fahren drei Stunden heizen und der Akku ist leer."

Die älteren Nickel-Cadmium-Batterien seien nicht so empfindlich bei Frost wie die modernen Litiumbatterien, erklärt Hintermeier, der seit gut zehn Jahren die Spezialwerkstatt betreibt. Generell sinkt die Speicherkapazität der Batterien je kälter der Akku wird. Das hat direkte Auswirkungen auf die Reichweite des Autos, sollte man bedenken, so der Stromerexperte:

"Sie sehen dann selber schon an der Verbrauchsanzeige schon, dass Sie eine Strecke, wo Sie jetzt im Sommer locker 150 Kilometer schaffen, dass es Winter 120 oder 110 ist und mit sowas muss man rechnen. Und wenn Sie dann noch die volle Heizung an haben, dann rechnet der Bordcomputer die Reichweite gleich noch weiter runter, dann zeigt er Ihnen in der Früh vollgeladen nur 90 Kilometer an und im Sommer schaffen Sie auch 150, so in etwa müssen Sie rechnen."

Im Winter nicht liegen bleiben

Immerhin: Moderne Bordcomputer sind heute vergleichsweise genau bei der Vorausberechnung der Reichweite, so dass man im Winter normalerweise nicht liegenbleiben kann. Zumindest solange man auf die Anzeige achtet. Spontane längere Fahrten sollte man im Winter aber eher vermeiden. Denn auch die Ladedauer an Ladesäulen im Freien, wie zum Beispiel an Tankstellen, kann sich bei Minustemperaturen verlangsamen.

Steht das Auto doch einmal länger in der Kälte, empfiehlt Experte Hintermeier eine regelmäßige Kontrolle des Ladezustandes, der nicht unter 50 Prozent fallen sollte, um eine Tiefenentladung und damit die Zerstörung der Batterie zu vermeiden.

Das Energiesparen sollte jedoch nie zu weit gehen, rät der ADAC in seinen Empfehlungen. Gerade im Winter sollte auf Sicherheit geachtet werden, betont Sprecher Johannes Boos:

"Eine Reichweitenreserve ist immer sinnvoll, aber das Energiesparen darf natürlich niemals auf Kosten der Sicherheit gehen, das bedeutet alle Scheiben müssen vor der Abfahrt eisfrei sein und dürfen auch nicht beschlagen sein. Ausserdem dürfen Sie in der Dunkelheit natürlich nie auf das Licht verzichten. Grundsätzlich sollten Sie bei schlechter Sicht auch tagsüber immer mit Abblendlicht fahren."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk