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StartseiteDeutschland heuteVorsichtsmaßnahmen am Frankfurter Flughafen15.08.2014

EbolaVorsichtsmaßnahmen am Frankfurter Flughafen

Aktuell gibt es in Nigeria elf bestätigte Ebola-Fälle. Vom Frankfurter Flughafen starten dennoch täglich Flugzeuge nach Abuja und Lagos. Derzeit sieht man in Frankfurt keine Veranlassung, diese zu streichen. Denn Ebola ist weder über die Luft noch über die Atemwege übertragbar. Auf den Ernstfall ist das Personal aber dennoch vorbereitet.

Von Anke Petermann

Flugzeug im Abflug vom Frankfurter Flughafen, im Hintergrund die Skyline. (dpa / Arne Dedert)
Trotz Ebola fliegen täglich Maschinen von Frankfurt nach Nigeria und zurück. (dpa / Arne Dedert)
Weiterführende Information

Ebola-Epidemie - "Können aktuell nicht auf ZMapp setzen" (Deutschlandfunk, Interview, 15.08.2014)
Ebola-Medikamente - "Es geht hier um Risikoabwägung" (Deutschlandradio Kultur, Interview, 13.08.2014)
Ebola - Die Entscheidung der WHO ist richtig (Deutschlandfunk, Kommentar, 12.08.2014)

Morgens gegen sechs Uhr kommen die ersten Passagiere aus dem nigerianischen Abuja in Frankfurt an. Ärztlich kontrolliert auf Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen, also die Symptome von Ebola werden sie nicht, das wäre erst bei einer nächsten Eskalationsstufe der Fall, sagt Rene Gottschalk Chef des Frankfurter Gesundheitsamtes. Derzeit sind die betroffenen Länder dafür zuständig, dass kein Erkrankter einen Flieger besteigt.

"Da ist vor allem natürlich Liberia, Guinea, Sierra Leone, da sind ja viele Fälle, die sind gehalten, ein sogenanntes Exit-Screening zu machen, also die müssen darauf achten, dass Passagiere nicht an Bord gehen, die krank wirken. In Nigeria wird das auch durchgeführt, aber da sind ganz wenige Fälle, sodass es für uns dort keine Gefahr gibt."

Schon im Flieger drücken die Flugbegleiter der Lufthansa den Passagieren aus Abuja und Lagos die Infoblätter des Frankfurter Gesundheitsamtes mit Hygienetipps in die Hand. Ob sie lesenswert sind, darüber sind die Reisenden unterschiedlicher Meinung:

"Ja, wir sind aber auch bestens von der Botschaft informiert." - "Nein, weil wir schon so viele sinnlose Zettel bekommen haben. Man muss sich halt selbst schützen. Hände waschen, fertig",

meint Stefan Opitz aus Dresden. Er hat für das Bauunternehmen Julius Berger in Nigeria gearbeitet und wurde von den Betriebsärzten informiert, worauf zu achten ist. Händewaschen klingt banal, schützt aber, bekräftigt Professor Gottschalk, der auch Sprecher der bundesweiten Behandlungszentren für hoch ansteckende und lebensbedrohliche Krankheiten ist,

"denn alle hämorrhagischen Fieber",

also Fieber, die mit Blutungen einhergehen,

"wozu auch das Ebola-Fieber gehört, werden durch Viren ausgelöst, die eine Fetthülle haben, und diese Fetthülle wird zerstört durch waschaktive Substanzen, also Handwaschlotionen, und damit sind die sofort inaktiviert. Häufig Hände waschen, Hände weg von Patienten, von Körperflüssigkeiten, keine Tiere essen, von denen man nicht weiß, wo sie her sind, und dann hat man eigentlich alles im Griff."

Die Nervosität in der Bevölkerung steigt

Träten bei einem Passagier Symptome auf und stünden diese im Zusammenhang mit einem Kontakt zu Ebola-Patienten oder dem Verzehr von Wildfleisch in Westafrika, dann müsste der Pilot die Gesundheitsbehörden benachrichtigen.

"Der Passagier würde direkt von unserem Sonderisoliertransporter an der Maschine abgeholt und in die Uniklinik gefahren, dort gibt es eine Einrichtung, eine Station, die sich mit der Behandlung von Ebola-Fällen sehr gut auskennt.

Wir haben das schon früher mal bei anderen ähnlichen Erkrankungen gehabt: Lassafieber, wir hatten SARS-Fälle hier. Also die können das sehr gut. Die Passagiere, die in der näheren Umgebung des Patienten gesessen haben , die werden an einen besonderen Bereich des Flughafens gefahren, unter Umständen müsste man sogar eine Quarantäne machen, das ist abhängig davon, was mit dem Passagier, um den es geht, war. Und die anderen Passagiere würden von uns Informationsmaterial bekommen mit Telefonnummern, wo sie sich hinwenden könnten, und könnten weiterfliegen."

Dem betroffenen Passagier würde in der Isolierstation der Frankfurter Uniklinik Blut abgenommen. Innerhalb von sechs Stunden ließe sich im Hochsicherheitslabor des Marburger Instituts für Virologie herausfinden, ob er an Ebola erkrankt ist. Alles erprobt, alles im Griff, meint René Gottschalk, beobachtet aber, dass die Nervosität in der Bevölkerung steigt.

Das hat auch die Gesundheitsjournalistin Adama Odefa auf ihrem Flug von Abuja nach Frankfurt zu spüren bekommen. Den Humor hat sie trotzdem behalten.

"Es war wirklich lustig, als ich meinen Flugschein vorzeigte, damit der Flugbegleiter mir sagt, wo ich hin muss, da wollte er den Flugschein nicht anfassen, sagte immer nur, oh drehen sie den mal um, als ob der ihn beißen könnte - das war so lustig. Denn sich anzustecken ist ja nicht so leicht, wie die Leute denken. Die sind von Panik geschüttelt."

"Ich ignoriere das, wenn Leute sich seltsam verhalten"

Ebola ist nicht über die Luft und über die Atemwege übertragbar. Dass Ebola für sie zum Diskriminierungsrisiko werde könne, fürchtet die nigerianische Fernsehjournalistin nicht. Ich ignoriere das, wenn Leute sich seltsam verhalten, lacht sie. Viele Fluggesellschaften haben übrigens eine Angstklausel, die bei einer Gefahrenlage ermöglicht, dass jemand auf bestimmten Verbindungen nicht eingesetzt wird, wenn er Bedenken hat.

In Bezug auf Nigeria greift diese Klausel allerdings derzeit nicht, sagt ein Lufthansa-Sprecher. Und sollte die Lage eskalieren, dann würde man Lagos und Abuja eventuell vorübergehend nicht anfliegen. Man beobachte die Entwicklung sehr genau. Stefan, der Mann aus der Ölwirtschaft, der nur seinen Vornamen verrät, würde sich erneut darauf verlassen:

"Ich würde fahren, aber muss ich nicht. Ich fahr' jetzt woanders hin."

 

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