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StartseiteVerbrauchertippBei Unfällen rufen Autos zukünftig selbst Hilfe29.03.2018

eCall-System Bei Unfällen rufen Autos zukünftig selbst Hilfe

Wenn ein Autounfall passiert dauert es manchmal lange, ehe ein Notruf abgesetzt wird. Ab dem 1. April soll ein fest im Auto installiertes automatisches Notrufsystem für schnellere Hilfe sorgen. Dann wird es für neue Kfz-Modelle Pflicht. Rettungssanitäter und Notärzte erhoffen sich davon viel.

Von Susanne Lettenbauer

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Der Schriftzug "SOS" auf dem Display eines Bordcomputers mit Touchpad eines Volkswagen-Fahrzeuges in Hannover (Niedersachsen).  (dpa / Julian Stratenschulte)
Ab 31. März 2018 sind alle Autohersteller von der EU dazu verpflichtet, in neue Modelle von PKW und leichten Nutzfahrzeugen das automatische Notrufsystem eCall einzubauen. (dpa / Julian Stratenschulte)
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In der Rettungsleitstelle Oberland laufen pro Tag rund 500 Notrufe von den drei Landkreisen Bad-Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau ein. Rund um die Uhr. Ein roter Kreis auf der Straßenkarte bedeutet: Notruf. Meistens kommt dieser heute noch von einer Notrufsäule oder vom Mobiltelefon.

Künftig werden solche Meldungen, automatisch vom eCall-System des Autos an die Rettungsleitstelle gesendet. Und zwar sobald ein Fahrzeug in einen Unfall verwickelt wird, die Airbags auslösen oder ein Auffahrunfall geschehen ist, erklärt Einsatzleiter Rudolf Erben.

"Wir kriegen dann ein automatisches Zeichen für einen eCall, das ist ein automatisches Symbol, das leuchtet auf, das nehmen wir an, in dem Moment kommt der Auftrag an und der blendet gleichzeitig den Unfallort und das Geschehen ein. Und dann werden, je nachdem was die Meldung ist, die nächsten Schritte eingeleitet."

Rettungssanitäter und Notärzte erhoffen sich viel

Mit einem Blick kann der Einsatzleiter künftig den Unfallort per GPS und fest verbauter SIM-Karte fast auf den Meter genau einsehen, haben Simulationen ergeben. Die Fahrtrichtung des Fahrzeugs wird angezeigt - besonders wichtig auf Autobahnen - die Anzahl der angeschnallten Personen bzw. ausgelösten Airbags. Übermittelt werden ebenso die Fahrzeugidentifizierungsnummer, die Antriebsart - ob Diesel, Benziner, Gas oder elektrisch - und die genaue Unfallzeit. Seine Rettungssanitäter und Notärzte erhoffen sich davon viel.

"Dass eben der Ablauf schneller läuft, die Hilfe schneller ist und gezieltere Informationen."

Das neue eCall-System übermittelt aber nicht nur Daten. Es baut auch automatisch eine Telefonverbindung auf - von dem verunfallten Autoinsassen zur zuständigen Rettungsleitstelle, so der Chef Helmut Ochs.

"Der kann mit uns sprechen über dieses eCall-System, geht aber auch, wenn es nicht möglich ist, dann wird es automatisch ausgelöst und dann werden wir tätig, wenn da keiner mehr was sagen kann."

Überwachung nicht möglich

In der Praxis wird es allerdings wohl auch Fehlalarme geben, erklärt Ochs. Entweder, weil die Technik fälschlich von einem Unfall ausgeht. Vor allem aber durch die Fahrer. Denn der Notruf kann auch manuell ausgelöst werden.

Eine Überwachung ist mit dem System übrigens nicht möglich. Es ist letztlich nur ein automatischer Notruf, beruhigt Ochs.

Mit den Daten kann kein Bewegungsprofil erstellt werden, so auch die Erkenntnis von ADAC-Experten. Die verwendete SIM-Karte bucht sich erst dann in das vor Ort stärkste Mobilfunknetz ein, wenn das Auto einen verletzungsrelevanten Unfall hatte, erklärt ADAC-Sprecher Johannes Boos. Deshalb kann man den automatischen Notruf auch nicht einfach vor einer Fahrt ausschalten, das schreibt die EU-Gesetzgebung vor.

"Aus unserer Sicht ist es notwendig, dass Verbraucher entscheiden können, welche Daten übermittelt werden und zu welchem Zweck das geschieht. Die Fahrer sollten außerdem das Eigentum an den Daten behalten, die das Auto produziert und kontrollieren, wie diese Daten verwendet werden, solange sie das Fahrzeug besitzen."

Schwachpunkt Mobilfunknetz

Eine mobile Alternative ist der Unfallmeldedienst UMD. Er basiert auf einem mit Crash-Sensoren ausgestatteten Unfallmeldestecker und einer Unfallmelde-App. Der Unfallmeldestecker wird einfach in die 12-V-Steckdose des Fahrzeugs gesteckt. Auf dem Smartphone des Fahrers wird die Unfallmelde-App installiert.

Einen wichtigen Schwachpunkt hat das Systems übrigens: Wenn beispielsweise auf einer abgelegenen Landstraße überhaupt kein Kontakt zu einem Mobilfunknetz hergestellt werden kann, funktioniert auch das eCall-System nicht.

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