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StartseiteForschung aktuellEffizient und gefährlich04.03.2010

Effizient und gefährlich

Alternative Methode der Urananreicherung könnte erhebliche Risiken bergen

Energie.- Damit Kernkraftwerke mit Uran betrieben werden können, müssen Nukleartechniker das spaltbare Material vorab anreichern. Dazu werden meist Gaszentrifugen verwendet. Allerdings könnte das Leben der Atomingenieure einfacher werden, wenn sich die nächste Generation von Anreicherungsanlagen durchsetzt. Oder?

Von Arndt Reuning

Die Urananreicherung mit Laser könnte den Missbrauch von Nukleartechnologie erleichtern.  (Stock.XCHNG)
Die Urananreicherung mit Laser könnte den Missbrauch von Nukleartechnologie erleichtern. (Stock.XCHNG)

Isotopentrennung durch Laseranregung, kurz SILEX. So nennt sich das Verfahren, mit dem in Zukunft spaltfähiges Uran gewonnen werden könnte. Die Firma Global Laser Enrichment, eine Tochter von GE Hitachi Nuclear Energy, möchte nun erstmals in den Vereinigten Staaten eine Anlage dieses Typs bauen. Keine gute Idee, sagt der Physiker Francis Slakey, Professor an der Georgetown University in Washington. Denn in den falschen Händen könnte die Lasertechnik dazu dienen, waffenfähiges Material herzustellen – und das sehr unauffällig.

"Was diese Firma bisher preisgegeben hat, macht mich ein wenig nervös. Denn offenbar ist es so, dass diese Anlagen um drei Viertel kleiner ist als die Nuklearfabriken heutzutage. Wenn man nun mal überlegt, wie schwierig es jetzt schon ist, solche Einrichtungen ausfindig zu machen, zum Beispiel im Iran – mit der nächsten Generation der Anreicherungstechnologie wird das noch deutlich komplizierter. Auch wenn man nach dem Energieverbrauch geht. Große Zentrifugenanlagen ziehen viel Energie, sie strahlen auch große Mengen Wärme ab. Diese kleinen, sparsamen Laseranlagen werden wir so nicht finden."

Eine Fabrik für spaltbares Material in der Größe eines Wohnhauses, die einfach durch das Fahndungsraster durchfällt. Nachdem Francis Slakey nun so nervös war, beschloss er zu handeln. Er kontaktierte eine befreundete Wirtschaftswissenschaftlerin, Linda R. Cohen von der University of California in Irvine. Zusammen rechneten sie durch, wie viel Geld amerikanische Verbraucher auf ihrer Stromrechnung sparen können, wenn sich die neue Laser-Technologie durchsetzt und der Brennstoff für Kernkraftwerke dadurch billiger wird.

"Wir haben alle möglichen Annahmen zu Gunsten dieser Technologie gemacht: Dass alle Ersparnisse an die Verbraucher weiter gegeben werden; dass SILEX in zehn Jahren komplett den Markt beherrscht; dass der Bedarf nach Uran steigen wird, weil es mehr Kernkraftwerke gibt; dass das Laser-Verfahren mehr als doppelt so effizient ist wie die Methoden im Moment. Und selbst wenn wir all das einrechnen, dann würde der durchschnittliche Stromkunde bloß einen Dollar und fünfundachtzig Cent sparen – pro Monat."

Demgegenüber stellte das Team nun eine andere Summe: Wie viel Geld hat die amerikanische Regierung in den vergangen zehn Jahren ausgegeben, um die Verbreitung und den Missbrauch von Nukleartechnologie zu verhindern. Das stattliche Ergebnis: monatlich fünfzig Dollar pro Haushalt. Das Risiko, das von der Urananreicherung mit Lasern ausgeht, wiege die Nutzen also bei weitem nicht auf, sagt der Physiker. Slakey und seine Kollegin richten sich in ihrer Veröffentlichung daher an die US-Zulassungsbehörde NRC, die Nuclear Regulatory Commission. Denn die ist dafür zuständig, dem Unternehmen Global Laser Enrichment die Lizenz für die SILEX-Anlage auszustellen. Slakey schlägt vor, dass die Zulassungsbehörde bei der Genehmigung das Risiko einer illegalen Weitergabe mit berücksichtigen möge, das er als durchaus real ansieht.

"In den vergangenen 70 Jahren sind vier verschiedene Generationen von Urananreicherung entwickelt worden. Jede einzelne dieser Technologien ist tatsächlich weiter gegeben worden, ist in die Hände von Schurkenstaaten gelangt und dazu benutzt worden, ein Atomwaffenprogramm zu entwickeln. Die Geschichte lehrt uns leider: Diese Methoden sind sehr schwer unter Verschluss zu halten."

Bei dem SILEX-Verfahren könnte es allerdings ein wenig anders aussehen: Das Verfahren ist extrem schwer zu beherrschen. Die Grundlagen dieser Technologie stammen bereits aus den 1970er-Jahren. Eine ganze Reihe von Hochtechnologie-Staaten hatte versucht, die Methode aus dem Labormaß zur Praxistauglichkeit weiter zu entwickeln – und war gescheitert. Ob es einem Aggressor gelingen könnte, mit dem Fachwissen der Firma Global Laser Enrichment einen Atomsprengsatz zu bauen, ist daher fraglich.

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