Die Nachrichten

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

Die Nachrichten

Ehemaliger Kindersoldat"Kein Kind gewöhnt sich an so etwas"

Michael Davies steht vor einem Banner mit der Aufschrift: "Kinder sind keine Soldaten" (dpa/Wolfgang Kumm)
Michael Davies aus Sierra Leone engagiert sich gegen den Einsatz von Kindersoldaten und arbeitet als Sozialarbeiter in Deutschland. (dpa/Wolfgang Kumm)

Der ehemalige Kindersoldat Michael Davies beschreibt seine Vergangenheit als Leben in ständiger Angst.

Davies sagte im Deutschlandfunk, die Furcht habe ihn an einer Flucht aus seiner Situation lange Zeit gehindert. Er war in Sierra Leone mit 16 Jahren von seinem Onkel zur Front gebracht worden. Dort wurde er fortan zum Kämpfen gezwungen. Man habe keine andere Option als die Situation zu akzeptieren und zu hoffen, dass es nicht schlimmer werde und man sein Leben nicht verliere. "In dieser Situation gehören Drogen und Alkohol zusammen", sagte Davies. Man stumpfe komplett ab.

Was die Häufigkeit seiner Einsätze betrifft, sagte Davies, Kampfhandlungen könnten nicht reguliert werden - man werde angegriffen und müsse reagieren. Was die Zahl der Menschen, die er getötet hat, betrifft, blieb Davies unkonkret. In einem Krieg gehe es für jede Partei darum, die Konfrontation zu lösen. "Man ist froh, dass man einfach gesund und unverletzt rauskommt.

Er ist nach rund fünf Jahren nach Deutschland geflohen und arbeitet nun als Sozialarbeiter. Seiner Aussage nach half ihm die Musik bei der Überwindung des Traumas, das jedoch auch im neuen Leben eine große Rolle spiele.

Nach Angaben der Hilfsorganisation "Save the Children" wächst jedes sechste Kind weltweit in Krisengebieten auf. Das seien 357 Millionen und damit 75 Prozent mehr als Anfang der 90er-Jahre. Besonders viele leben demnach in Syrien, Afghanistan und Somalia. Dort drohten ihnen besonders schwere Menschenrechtsverletzungen wie Verstümmelungen oder die Rekrutierung als Kindersoldaten.

Diese Nachricht wurde am 16.02.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.