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Ehepaar Assmann im Dlf"Völlig überrascht" über Friedenspreis

Die Kulturwissenschaftler Aleida Assmann und Ehemann Jan Assmann. Das Ehepaar erhält gemeinsam den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. (dpa/Corinna Assmann)
Friedenspreis des Buchhandels an Aleida und Jan Assmann (dpa/Corinna Assmann)

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht in diesem Jahr an ein Ehepaar, die deutschen Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann.

Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Berlin mit. Zur Begründung hieß es, Aleida Assmann greife mit ihren wissenschaftlich fundierten Studien engagiert die Themen von Geschichtsvergessenheit und Erinnerungskultur auf. Jan Assmann habe durch sein umfangreiches wissenschaftliches Werk internationale Debatten über die kulturellen und religiösen Konflikte unserer Zeit angestoßen.

Beide reagierten überrascht auf die Auszeichnung. Jan Assmann sagte nach der Bekanntgabe in mehreren Interviews, sie hätten nicht im Entferntesten damit gerechnet, den Friedenspreis zu bekommen. Er bescheinigte jedoch seiner Frau, mit ihrer Arbeit durchaus eine Art "Menschenrechtlerin" zu sein.

Von Aleida Assmann stammen unter anderem die Bücher "Der lange Schatten der Vergangenheit" und "Menschenrechte und Menschenpflichten". Jan Assmann befasst sich unter anderem mit dem Monotheismus in "Totale Religion". Er sagte im Deutschlandfunk, die Religion müsse ihren Absolutheitsanspruch aufgeben, was sie aber oft schon getan habe. Seine Frau warnte auch angesichts aktueller Debatten zur Erinnerungskultur davor, die Zukunft gegen die Vergangenheit zu stellen. Sie betonte, dass sich beides vielmehr gegenseitig bedinge.

Vorgeschlagen hatte die beiden unter anderem der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch. Er sagte dem Deutschlandfunk (Audio-Link), das Großartige an dieser Preisvergabe sei, dass Leute mit streitbaren Thesen ausgezeichnet würden. Gleichzeitig lobte Hörisch die Verständlichkeit und Lesbarkeit der Bücher des Ehepaars: "Viele Wissenschaftler schreiben nur für die Kollegen; Aleida und Jan Assmann schreiben für die Welt, und die Welt ist gut beraten, sie zu lesen."

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober in der Paulskirche verliehen.

Diese Nachricht wurde am 13.06.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.