Kommentar /

 

Ein Alptraum wird wahr

Islamisten setzen Zerstörung von Moscheen in Mali fort

Von Rüdiger Maack

Einige der 16 berühmten Schreine in einer Moschee in Timbuktu wurden zerstört
Einige der 16 berühmten Schreine in einer Moschee in Timbuktu wurden zerstört (picture alliance / dpa / Evan Schneider)

Lange Jahre galt Mali als Muster einer afrikanischen Demokratie. Jetzt ist ein tragisches Scheitern zu besichtigen und nichts deutet darauf hin, dass es Mali bald wieder besser geht.

Im Süden gibt es nach einem Putsch eine Staatsmacht, deren Einfluss kaum über die Grenzen der Hauptstadt Bamako hinausgeht. Im Norden beginnt erst ein Aufstand einer Separatistenbewegung der Tuareg-Volksgruppe. Der wird gekapert von einer Steinzeit-Islam-Truppe, die als Trittbrettfahrer ankamen, die Rebellen mittlerweile aus allen größeren Städten vertrieben haben und in ihrem Machtbereich die Zivilbevölkerung terrorisieren und nach dem Vorbild der Taliban in Afghanistan Städte wie Timbuktu zurück in die Steinzeit bringen, ihnen ihr kulturelles Gedächtnis, ihr Erbe und ihre Tradition rauben.

Wirtschaftlich ist Mali trotz aller Bemühungen und vieler Hilfsgelder nie auf die Beine gekommen. Das Land ist bettelarm und ständig in seiner Existenz bedroht: kein Zugang zum Meer, damit auch keiner zu billigen Importwaren oder schnellen Internetleitungen. Einen Norden größer als Frankreich, aber schwierig bis gar nicht nutzbar, außer als Schmuggelpiste für den Transport von Zigaretten, Waffen und Menschen.

Die Volksgruppe der Tuareg, die sich in keinem der Länder, in denen Tuareg leben, jemals wirklich heimisch gefühlt hat. Ja, es gab mal einen Friedensvertrag zwischen aufständischen Tuareg und der Regierung in Bamako. Aber gleich danach wuchs die Unzufriedenheit unter den Tuareg auch darüber, dass ihnen der Frieden weniger Fortschritt und Wohlstand brachte als erhofft.

Einige Tuareg-Gruppen haben sich aus der Armut herauskaufen lassen vom libyschen Führer Gaddafi. Der beschäftigte sie als Söldner und versuchte jahrelang, seinen Einfluss in Nordmali auszubauen. Dann stürzte Gaddafi und in seiner Nachfolge zerfällt der malische Staat. Die Tuareg-Söldner kehrten zurück, brachten ihre Waffen mit und nutzten die Gelegenheit zum Aufstand. Dann kam eine kleine Truppe extrem gewaltbereiter Islamisten, angeführt von dem Tuareg-Führer Iyad Ag Ghali, der sich in Pakistan radikalisiert haben soll.

Die Tuareg-Rebellen wollten den Traum von ihrem eigenen Staat wahr machen, Ag Ghali will nur die Scharia, alles andere ist ihm egal. Seine Leute haben die Tuareg-Rebellen zu großen Teilen vertrieben. Wer aber vertreibt Ag Ghali und seine Terror-Gruppe Ansar Dine?

Die Sahara, so sagen es Experten seit mehr als fünf Jahren, droht zu einem Rückzugsraum für islamistische Terroristen zu werden. Die USA haben viel Geld und viel Mühe investiert, um genau das zu verhindern. Sie haben geholfen, die malische Armee auszubilden, sie haben Lauschposten in der Wüste installiert, sie haben versucht, die Länder der Region zur Zusammenarbeit zu bewegen. Sie sind krachend gescheitert.

Mit Entführungen und Schmuggel haben viele Tuareg sehr viel Geld verdient, die Steinzeit-Islamisten genauso wie die Rebellen. Die Regierungen von Mali oder Niger waren immer viel zu schwach, um dagegen viel auszurichten.

Jetzt ist Mali praktisch zweigeteilt. Ansar Dine wird es wahrscheinlich nicht schaffen, das ganze Land mit Terror zu überziehen, dazu ist Mali auch zu groß und Ansar Dine zu klein. Die Tuareg werden es nicht schaffen, ihren eigenen Staat im Norden zu etablieren. Dazu sind sie zu schwach. Die Regierung in Bamako wird den Norden nicht zurückerobern können. Die afrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS wird das Problem militärisch auch nicht lösen können. In Mali wird gerade ein Alptraum wahr, und es ist unwahrscheinlich, dass es daraus ein baldiges Erwachen gibt.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kommentar

ArmutsmigrationGesetzespaket nach CSU-Geschmack

Eine rumänische Bettlerin auf der Freitreppe zur Brühlschen Terrasse in Dresden

Die CSU könne zufrieden sein, denn mit den neuen Maßnahmen gegen die sogenannte Armutsmigration könne sie behaupten, etwas gegen Sozialmissbrauch osteuropäischer Einwanderer getan zu haben. Also gegen ein Problem, das es so gar nicht gebe, kommentiert Daniel Bax von der "tageszeitung" im Deutschlandfunk.

Ukraine-KonfliktEuropa darf Kriegsrhetorik nicht erliegen

Flaggen der Europäischen Union vor dem Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel, Belgien (14.5.2012)

Es müsse weitere wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland geben, kommentiert Jörg Münchenberg anlässlich des EU-Gipfels in Brüssel. Schon allein aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Die Botschaft an den Kreml könne nur verfangen, wenn die EU entschlossen und einig auftrete. Dafür müsse sie halt auch negative Konsequenzen in Kauf nehmen, fordert unser Korrespondent aus Brüssel.

FDP in OstdeutschlandEine Partei, die keiner mehr braucht

Der neue FDP-Chef Christian Lindner direkt nach seiner Wahl.

Wenn am Sonntag der Sächsische Landtag neu gewählt wird, muss die FDP fürchten, auch im letzten noch verbliebenen Bundesland ihre Regierungsverantwortung zu verlieren. Die Partei vermittle nachhaltig den Eindruck, nicht mehr gebraucht zu werden, kommentiert Dirk Birgel von den Dresdner Neuesten Nachrichten im DLF.