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StartseiteWissenschaft im BrennpunktMit Gentech gegen Mücken28.02.2016

Ein Feldversuch in BrasilienMit Gentech gegen Mücken

Schon vor einigen Jahren begannen in der Karibik Versuche, die Mückenpopulation mithilfe genmanipulierter Exemplare einzudämmen. Die Tiere aus dem Labor tragen ein tödliches Gen in sich, das sie in ihrer kurzen Lebenszeit an wilde Exemplare weitergeben sollen. Nun entdeckt auch Brasilien die Methode.

Von Gudrun Fischer

Wir betreten ein Großlabor. Kühlgeräte brummen. An den Wänden reiht sich ein netzverhüllter Käfig an den anderen. Darin schwirren Tausende der gentechnisch veränderten Mücken. Die Weibchen legen jede Woche Hunderttausende von Mückeneiern.

Es sind nur 0,8 Gramm, die er aus jedem Käfig holen kann, erklärt Danilo Carvalho. Das ergibt etwa 75.000 Eier. Eine Mitarbeiterin in weißem Kittel schiebt einen Stapel Tabletts, eingehängt in turmhohe Rollregale, durch den Raum. Darauf schwimmen die geschlüpften Mückenlarven. Das gelbe Wasser ist mit dem Antibiotikum Tetrazyklin versetzt. Eine Art Lebenselixier für diese Genmücken, ohne Tetrazyklin sterben sie. Danilo Cavalho ist für das Experiment extra aus São Paulo in das 2.000 Kilometer nördlich gelegene Juazeiro gezogen.  

"Wir haben mit der Freisetzung jetzt schon einen Rückgang der Mückenpopulation um 85 Prozent erreicht! Das ist ein ähnliches Resultat wie bei dem Experiment der Firma Oxitec auf den Kaiman Inseln, wo die Mückenpopulation mithilfe der gentechnisch veränderten Dengue-Mücke um 80 Prozent zurückging. Hier in Brasilien klappt es noch besser. Wir hoffen, dass im nächsten Versuch die gesamte Mückenpopulation zu Grunde geht."

Der Versuch auf den Kaiman-Inseln in der Karibik, er lief 2009 und 2010. Damals hagelte es Kritik, weil die Firma Oxitec die Freilassung von drei Millionen Mücken geheim hielt. Doch im letzten Jahr wurden die Ergebnisse veröffentlicht, und sie klangen manchen Experten durchaus vielversprechend. Die freigesetzten Männchen befruchteten wilde Mücken-Weibchen und ihre Nachkommen starben schon im Puppenstadium ab. Die Population schrumpfte.

Die Biotechnologie-Firma Oxitec liegt vor den Toren der britischen Universitätsstadt Oxford. Der Genetiker Luke Alphey hat sie gegründet und die neue Mücke patentiert. Jetzt sieht er sich fast am Ziel:

"Ich zögere, in diesem frühen Stadium von der globalen Ausrottung der Dengue-Mücke zu sprechen. Doch garantiert steht unserer Mücke eine glänzende Zukunft bevor. Wir haben uns viel Zeit genommen, der Firma Moscamed unsere Technologie zu vermitteln. Sie hat Erfahrung mit der Aufzucht steriler mediterraner Fruchtfliegen, die gegen Plantagenschädlinge eingesetzt werden. Das macht sie zu einem guten Partner für uns."

Mit einer feinen Glasnadel spritzte Luke Alphey vor etwa zehn Jahren ein Stück DNA in die Eier der Dengue-Mücke. Diese neue DNA führt zur unkontrollierten und tödlichen Produktion eines Proteins. Solange sich das Antibiotikum Tetrazyklin an das Erbmolekül heftet, ist es blockiert und die Mücke überlebt. Ihr bleibt gerade einmal genug Zeit, um sich mit ihren wilden Artgenossen zu paaren und das tödliche Gen an die Nachkommen weiterzugeben.

"Der ganze Prozess war mühevoll und wenig effizient. Wir mussten in viele Ei-Embryonen DNA injizieren, bis einige Eier die DNA einbauten und wir sie ausbrüten konnten."

Nach der ersten Freisetzung auf den Kaiman-Inseln suchte die Firma Oxitec nach weiteren Ländern für ihre Experimente. Zuerst war Malaysia einverstanden, begrenzte allerdings Ende 2010 den Versuch auf wenige Tage. In Florida in den USA entschieden sich die Behörden gegen eine Freisetzung. Doch in Brasilien konnte es 2011 losgehen. Im heißen, trockenen Juazeiro.

Danilo Carvalho begleitet mich in eine Halle. Hier werden die Dosen mit den männlichen Mücken in Styroporkisten gestapelt. Die Kisten kommen auf die Ladefläche eines Pick-Ups, der draußen im Hof wartet. Ein Techniker wird mitfahren, wir steigen auf die Ladefläche. Im Schneckentempo rollt der Pickup durch die staubigen Straßen des Stadtteils Mandacarú. Der Techniker öffnet die Styroporschachtel einen Spalt. Zu viel Sonne macht die Mücken nervös, sagt er. Bevor er den Deckel der Dose abzieht, klopft er darauf, um die Tiere aufzuscheuchen. Dann kippt er die Mücken in die Luft. Es ist Mittag, die Straßen unbelebt. Vögel zwitschern, ab und zu bellt ein Hund.

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