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StartseiteKultur heuteEin Film als lange Party16.01.2008

Ein Film als lange Party

Barbara Alberts Film "Fallen"

Als Grundlage für einen Film sind Klassentreffen ideal. Hochexplosiv, lustig oder erschreckend kann sich dieses Gemisch von Charakteren entwickeln. Auch Barbara Albert, die bekannteste Filmemacherin Österreichs, hat nun eine solche Konstruktion gewählt, um die Geschichte von fünf Frauen Anfang Dreißig zu erzählen.

Von Josef Schnelle

Es wird viel getrunken.  (AP)
Es wird viel getrunken. (AP)

Klassentreffen sind doch eigentlich furchtbar. Man trifft Leute wieder, die man gnädig vergessen hatte und sagt einander Wahrheiten, die besser ungesagt geblieben wären. Als filmische Grundsituation aber sind Klassentreffen und Familienfeste ideal. Mit keinem anderen dramaturgischen Kniff kann man einem bunten Gemisch von Charakteren besser beikommen. Deswegen sind die Geschichten vom zufälligen Zusammentreffen auf solchen Festen ein äußerst beliebtes filmisches Genre. Auch Barbara Albert, die bekannteste Filmemacherin Österreichs hat nun eine solche Konstruktion gewählt, um die Geschichte von fünf Frauen Anfang Dreißig zu erzählen. Sie kehren zum Begräbnis ihres beliebten Physiklehrer noch einmal in die Provinz zurück. Der traurige Anlass aber ist bald vergessen, schnell ist der alte Cliquengeist wieder da:

Vierzehn Jahre haben die jungen Frauen sich nicht mehr gesehen. An zwei Tagen und in einer Nacht dazwischen, versuchen sie, die verlorene Zeit nachzuholen. Es wird viel getrunken und getanzt. Sexuelle Gelegenheiten in der Dorfdisco werden genutzt. Eine gleichzeitig stattfindende Hochzeitsgesellschaft wird regelrecht heimgesucht. Viel Vergnügen also, ein Film als lange Party mit einem hervorragenden Frauenensemble. Doch der Filmtitel "Fallen” ist natürlich in all seiner Doppelbödigkeit gemeint. Die Heldinnen lassen sich ordentlich Fallen, aber sie stürzen auch ins Bodenlose und verstricken sich in den Fallen ihrer Lebenslügen. Nichts ist nämlich mehr wie es war und keine Figur ist genauso, wie sie erscheint. Auch früher schon haben die Frauen Lügengebäude um sich herum aufgebaut, die nun einstürzen und den Blick freigeben auf ungeliebte Wahrheiten. Mit fortschreitendem Abend wird der Ton rauer, aus Sticheleien wird echter Streit, zum Beispiel darüber, was eigentlich aus den Idealen der Jugendzeit geworden ist

Nina ist arbeitslose und schwanger. Carmens träume von einer Schauspielkarriere haben sich nur teilweise erfüllt. Nicole verschweigt lange, dass sie nur einen kurzen Hafturlaub bekommen hat. Nur Brigitte, die Lehrerin geworden ist und so gewissermaßen den Fußstapfen des verstorbenen Lehrers gefolgt ist, hat ein stilles Leben gefunden. Aber ihr Leben ist wie das der anderen auch von großer Traurigkeit erfüllt.

In "Fallen” portraitiert die Filmautorin Barbara Albert ihre eigene Generation und beschreibt den Moment des Innehaltens nach turbulenter Zeit, in der man ins Leben gestürmt ist, jede Gelegenheit ergriffen und die Übersicht verloren hat. Die Ideale sind in mehreren Waschgängen aus ihrem Leben herausgespült worden und nun fällt es ihnen schwer, neue Hoffnung aufzubauen. Barbara Albert hat schon einige Erfahrung mit Ensemblefilmen wie zuletzt "Nordrand” und so gelingt es ihr, das Überkonstruierte der Geschichte zu überspielen. Man merkt auch, dass die Rollen den Darstellerinnen auf den Leib geschrieben wurden, also eigens für sie entwickelt worden sind und dass ihre jeweils eigenen Geschichten in die Figuren eingeflossen ist. Schließlich verleiht der spezifisch österreichische Touch mit seinen Derbheiten und seinem Hang zur bösen Pointe dem Film eine gewisse Schwere, die noch die Ausgelassenheit der Selbstfeier der Heldinnen überstrahlt.

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