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Ein Freigeist auf Tournee

Computer-Aktivist Richard Stallmann sagt dem Kopierschutz den Kampf an

Von Achim Killer

Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation.
Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation. (Gisle Hannemyr/Wikipedia Commons)

Netzpolitik.- Richard Stallman ist Gründer des GNU-Projekts sowie der Free Software Foundation. Auf seiner aktuellen Vortragstour fordert er einen freieren Umgang mit digitalen Büchern, Filmen und Musik.

"Ich will über die wünschenswerte Freiheit beim Umgang mit veröffentlichten Werken reden."

Also es geht diesmal nicht um Software. Richard Stallmans aktuelles Thema sind vielmehr digitale Bücher, Musik und Filme. "Content", "Inhalte" nennt man so was gemeinhin im Netz. Aber wer diesen Begriff verwendet, der ergreift Partei für die falsche Seite, findet Stallman.
"Ich mag das Worte "Inhalte" nicht. Was für eine Haltung kommt darin zum Ausdruck? Es ist die Haltung eines Verlagsmanagers, dem die veröffentlichten Werke eigentlich egal sind. Ich will nicht die Haltung dieses Managers einnehmen, dem nur am Geld liegt, das er damit verdienen kann. Also sprechen wir bitte nicht von "Inhalten"."

Richard Stallman vertritt den Standpunkt der Arbeitsmänner und –frauen in der Informationsgesellschaft. Und die – so seine Überzeugung – die müssten im Umgang mit ihren digitalen Werkzeugen frei sein, also ein Computerprogramm so einsetzen dürfen, wie sie es wollen, es untersuchen, verändern und kopieren können. Und das gelte auch, wenn es sich etwa bei einem digitalen Buch um ein Fachbuch handelt:

"Wenn das Werk dazu dient, um praktisch damit zu arbeiten, dann muss es frei sein."

"And by "free" I don’t mean "kostenlos". I mean "frei”. It’s free as in "freedom”. So think of free speech, not free beer."

Anders verhält es sich bei Belletristik, Unterhaltungsfilmen und Musik.

"Das sind andersartige Beiträge. Und ich glaube nicht, dass diese Werke frei sein müssen. Aber ich sage, man muss sie mit anderen teilen dürfen. Und das bedeutet: Jeder muss die Freiheit haben, zu nicht-kommerziellen Zwecken unveränderte Kopien dieser Werke zu verbreiten."

Da stellt sich natürlich die Frage, wovon Künstler denn leben sollen, wenn jeder ihre Werke kostenlos kopieren darf. Von Konzerten und Lesungen, sagt Stallman. Und als Gegenleistung für die freie Verfügbarkeit ihrer Werke im Web, da könne man ihnen ja neue Einkommensquellen erschließen:

"Eine beruht auf Steuern, auf öffentlichen Geldern. Entweder könnte man alljährlich eine Summe aus dem allgemeinen Haushalt zur Verfügung stellen, um Künstler zu unterstützen, oder man könnte eine spezielle Steuer, vielleicht eine monatliche Abgabe, auf Internet-Verbindungen erheben."

Und dann schwebt ihm noch so eine Art Mikro-Mäzenatentum vor. Jeder Künstler bekommt einen Button im Web. Und wenn ein Fan den betätigt, dann überweist er seinem Star damit einen Euro oder Dollar:

"Man kann diesen Kopf drücken oder nicht. Man wird nicht bestraft oder angenörgelt. Aber wenn man den Kopf drückt, fühlt man sich gut."

Kopierschutztechniken würden so obsolet. Und das ist Stallman wichtig. Denn die schränken die Freiheit des Informationsarbeiters ein, die Freiheit, sein Werkzeug, seinen Computer, so zu verwenden, wie er es möchte. Kopieren ist schließlich eine der grundlegenden Funktionen in der IT. DRM, das Kürzel für Kopierschutzsysteme, löst Stallman denn auch mit digital restrictions management auf, digitale Beschränkungsverwaltung. Und er findet, wer stattdessen von digital rights management spricht, der ergreift wieder mal Partei für die falsche Seite.

"Und mich würde interessieren, warum Sie das digitale Rechteverwaltung nennen. Stehen Sie auf der Seite dieser Unternehmen? Ich hoffe doch, nicht. Wenn es einen neutralen Begriff dafür gäbe, könnte man ihn verwenden. Ich habe aber keinen gesehen. Ich kenne keine Möglichkeit, unparteiisch über dieses Thema zu reden. Ich hoffe doch sehr, dass Sie sich auf die Seite des Volkes stellen."



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