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Ein halbes Jahr Donald TrumpViel versucht - kaum was geschafft

Der US-Präsident sieht die ersten sechs Monate seiner Amtszeit als Erfolg. Die Mehrheit der Amerikaner sieht das anders. Auch nach 43 Gesetzesänderungen sind viele Vorhaben wegen der Skandale auf der Strecke geblieben.

Von Martina Buttler

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US-Präsident Donald Trump im Roosevelt Raum im Weißen Haus. (Consolidated / Pool / Molly Riley)
Ist mit sich selbst zufrieden: US-Präsident Donald Trump. (Consolidated / Pool / Molly Riley)
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Ein halbes Jahr US-Präsident Trump – das ist eine Erfolgsgeschichte.zumindest aus Sicht von Donald Trump:

"Kaum hatte eine Regierung früh so viele Erfolge aufzuweisen wie unsere."

Er hat einen neuen, konservativen Richter an den Supreme Court gebracht. Das kann Trump unter Erfolg verbuchen. Richter Neil Gorsuch hat gleich am Anfang bei der Abstimmung über den Einreisestopp gezeigt, wo er steht: am konservativsten Ende der Richterskala. Zweimal wurde Trumps Einreiseverbot für Menschen aus sechs vornehmlich muslimischen Ländern von Gerichten gestoppt. Das Oberste Gericht hat nun Teile erlaubt und wird sich im Herbst mit dem Thema befassen. Ein Teilerfolg für Donald Trump. Und seine Anhänger wie Gene aus Florida sind hochzufrieden mit dem Mann, den sie ins Weiße Haus gewählt haben.

Trump habe sein Leben verändert und würde seine Versprechen halten.

Trumps eigene Partei zuckt zusammen

Doch wenn man sich die Bilanz in Gesetzen anschaut, ist da bisher Flaute. Die Gesundheitsreform hängt fest. Die versprochene Steuerreform ist noch nicht in Sicht. Dafür hat Trump seit Januar über Twitter manches Statement rausgelassen, das selbst Politiker seiner eigenen Partei zusammenzucken lässt – so wie zuletzt ein Video, in dem Trump auf einen Mann einzudreschen scheint, dessen Kopf mit dem CNN-Logo ersetzt wurde. John Kasich, Gouverneur aus Ohio, fasst die Stimmung unter Republikanern zusammen.

Die Leute würden Trump beknien damit aufzuhören. Er müsse das sein lassen. Denn eigentlich würden sie lieber mit konkreten politischen Entscheidungen punkten – schließlich ist der Kongress in der Hand der Konservativen und nächstes Jahr werden das Repräsentantenhaus und ein Teil des Senats neu gewählt. Doch bei wirklichen Trump-Fans wie John kommen Trumps Twitter-Tiraden durchaus gut an, erzählt er auf CNN:

"Ich liebe seine Tweets. Ich kann’s morgens kaum erwarten aufzuwachen und zu sehen, was er gesagt hat. Er spricht uns an, die normalen Leute."

Unsicherheit von Nordkorea bis Syrien

Donald Trumps Maxime "America First" ist Musik in ihren Ohren. Dabei schafft der US-Präsident außenpolitisch viel Unsicherheit von Nordkorea bis Syrien und von der NATO bis zum Einreiseverbot. Jackie zweifelt deshalb inzwischen, ob ihre Stimme für Trump die richtige Entscheidung war:

"Seine Worte haben Macht und Folgen im Verhältnis zum Rest der Welt. Seine Worte werden zu Taten."

Dass Trump das Handelsabkommen TPP gekündigt hat, gefällt vielen seiner Wähler aber genauso wie der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen:

"Um meine Pflicht zu erfüllen, Amerika und seine Bürger zu schützen, werden die USA aus dem Klimaabkommen austreten."

Etliche Anhänger enttäuscht von Trump-Skandalen

Tesla-Chef Elon Musk hat daraufhin beschlossen, Trump nicht mehr als Berater zur Verfügung zu stehen. Beratend stehen Trump und seiner Familie inzwischen allerdings eine ganze Reihe von Anwälten zur Seite. Denn die Russland-Affäre prägt Trumps Präsidentschaft. Trump selbst spricht von einer Hexenjagd. Mehrere Untersuchungsausschüsse und ein unabhängiger Sonderermittler versuchen zu ergründen, ob und wenn ja wie Russland Einfluss auf die Wahlen in den USA genommen hat. Die Ermittlungen rücken dabei immer näher an Donald Trump heran. Die Aussagen seines ältesten Sohns und seines Schwiegersohns Jared Kushner sind schon in Untersuchungsausschüssen Thema. Colleen gefällt die Trump-Bilanz überhaupt nicht. Sie hat ihn gewählt und bereut es inzwischen:

"Ja. Ich habe inzwischen eine Facebook-Gruppe gegründet mit dem Titel Ich bereue es, Trump gewählt zu haben."

Die aktuellen Umfragen, wie zufrieden die Amerikaner mit Trump als Präsident sind, sind schlecht. Zwischen 36 und 43 Prozent geben dem Präsidenten nur ein "Daumen hoch" nach einem halben Jahr. Trump sagt: So schlecht sind die Werte doch gar nicht. Aber keiner seiner Vorgänger in den letzten fast 50 Jahren hatte so niedrige Zustimmungswerte nach einem halben Jahr.

 

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