Freitag, 15.12.2017
StartseiteInformationen am MorgenEU-Arbeiter sollen bleiben dürfen23.06.2017

Ein Jahr BrexitEU-Arbeiter sollen bleiben dürfen

"Strawberry fields forever": Britische Obstbauern können aufatmen. Erntehelfer aus dem EU-Ausland sollen auch nach einem Brexit bleiben dürfen. Premierministerin Theresa May hat ihnen ein Bleiberecht zugesichert – auf den Tag genau ein Jahr nach dem Brexit-Votum.

Silke Hahne im Wirtschaftsgespräch mit Tobias Armbrüster

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Ein englisches Einbahnstraße-Schild, im Hintergrund sind die Europaflagge und ein Union-Jack zu sehen. (picture alliance / Yui Mok/PA Wire/dpa)
EU-Arbeiter dürfen bleiben - über weitere Punkte wird noch lange verhandelt (picture alliance / Yui Mok/PA Wire/dpa)
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Nicht nur die britischen Obstbauern, auch Hoteliers, Gastwirte und die Gesundheitsbranche haben jetzt mehr Gewissheit. Die in Großbritannien lebenden EU-Ausländer – 3,2 Millionen Menschen - sollen trotz Brexit-Entscheid nicht ausgewiesen werden. Beim EU-Gipfel in Brüssel bekräftigte die britische Premierministerin May ihr Bleibeangebot. Diejenigen, die fünf Jahre oder länger im Vereinigten Königreich gelebt haben, sollen auch nach einem Brexit beim Zugang zum Gesundheitssystem und Rentensystem keine Einschränkungen spüren. Fraglich ist allerdings noch, ab wann gezählt wird.

Vor einem Jahr hatten die Briten für den Brexit gestimmt. Der Absturz der britischen Wirtschaft ist entgegen aller Befürchtungen zunächst ausgeblieben. Die britische Währung, das Pfund, ist zwar abgestürzt – aber das hat Teilen der Wirtschaft auch geholfen. Die Industrie verzeichnet derzeit Auftragseingänge wie seit beinahe 30 Jahren nicht mehr – weil der niedrige Pfund-Kurs die britischen Waren im Ausland günstiger macht.

Absturz abgesagt – oder nur vertagt?

Auf der anderen Seite werden die Importe dadurch teurer, die Inflation steigt und drückt die Reallöhne, die Briten können sich weniger leisten. Ein Problem für Großbritannien, die Wirtschaftskraft ist in großen Teilen vom Konsum abhängig. Schon jetzt hat sich das Wachstum der Wirtschaft etwas verlangsamt. Im März sind das erste Mal seit Jahren auch wieder die Häuserpreise gesunken, weil die Nachfrage offenbar nachlässt. Gleichzeitig sind die Zinsen niedrig und die Verschuldung ist auf einem Höchststand. Würden die Zinsen nun steigen – und darüber diskutiert die britische Notenbank – dann bekämen manche Verbraucher vielleicht Probleme, ihre Kredite zu begleichen.

Die Lage der britischen Wirtschaft ist angespannt – auch wenn die niedrige Arbeitslosigkeit und die steigenden Exporte das verdecken.

Brexit-Votum beeinträchtigt auch Handel mit Deutschland

Großbritannien ist der drittwichtigste Absatzmarkt für deutsche Unternehmen. Die spüren die nachlassende Kaufkraft. In den letzten drei Monaten 2016 waren die Ausfuhren nach UK um zehn Prozent eingebrochen. Im ersten Quartal 2017 gingen sie nochmal um knapp drei Prozent zurück. Wenn es zu einem harten Brexit kommt, könnte sich das nochmal beschleunigen – wenn die Briten aus Binnenmarkt und Zollunion austreten sollten. Damit würden deutsche Autos auf der Insel rund ein Fünftel teurer werden. Das hat die Beratungsgesellschaft Deloitte berechnet. Sie sieht in diesem Fall 18.000 Arbeitsplätze bedroht.

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