Kultur heute / Archiv /

Ein König am Schreibtisch

Kurator Everardus Overgaauw über die Ausstellung "Homme de lettres - Frédéric" in Berlin

Everardus Overgaauw im Gespräch mit Burkhard Müller-Ullrich

Eine Reproduktion des Gemäldes "Friedrich auf einen Janustempel weisend" (1763) von Johann Heinrich Christian Franke
Eine Reproduktion des Gemäldes "Friedrich auf einen Janustempel weisend" (1763) von Johann Heinrich Christian Franke (picture alliance / dpa / David Ebener)

Friedrich der II. von Preußen wäre in diesem Jahr 300 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum wirft eine Ausstellung in der Kunstbibliothek am Berliner Kulturforum einen Blick auf das königliche Schreiben. An verschiedene Stationen "wird der König am Schreibtisch sichtbar", verrät Ausstellungskurator Everardus Overgaauw.

Burkhard Müller-Ullrich: Seit Januar feiert Preußen und alles, was sich dafür hält, den 300. Geburtstag von König Friedrich II. – und zu einem solchen Großjubiläum gehört, dass sich die Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilen. Jetzt beginnt zum Beispiel eine Ausstellung in der Kunstbibliothek am Berliner Kulturforum unter dem Titel "Homme de lettres – Frédéric. Der König am Schreibtisch". Eev Overgaauw, Sie sind Kurator dieser Schau: Sie zeigen Insignien der Regierungsarbeit. Da denkt man an einen Thron oder eine Krone. Aber nein: Hier geht es um königliches Schreiben.

Everardus Overgaauw: Also in der Ausstellung steht ein authentischer Schreibtisch aus dem Schloss Sanssouci zentral. Der Besucher, der den Ausstellungsraum betritt, sieht als Erstes einen Schreibtisch, einen schönen Rokokoschreibtisch, vergoldet, mit Kanapee, wo der König gesessen hat, als er geschrieben hat. Und dann gibt es verschiedene Stationen in der Ausstellung, wo der König am Schreibtisch sichtbar wird: Erlasse, Urkunden, Befehle, Orders, Dokumente, die der König unterschrieben hat, kommentiert hat und die dann, nachdem sie den Schreibtisch des Königs wieder verlassen hatten, weitergegeben wurden an die Beamten, an die Bürokratie, um dann umgesetzt zu werden.

Müller-Ullrich: Diese Kommentare, die ja auch Befehle waren, die sind ja zum Teil sehr berühmt geworden. Geben Sie doch mal ein Beispiel bitte.

Overgaauw: Ein Beispiel ist: "Alle Religionen sind gleich und gut, vorausgesetzt, dass die Leute ehrlich sind." Diese Notiz am Rande einer Akte bezieht sich auf einen Fall, in dem es einen Protest gab gegen die Niederlassung eines italienischen, katholischen Geistlichen.

Müller-Ullrich: Daneben geht es aber nicht nur um Regierungsdokumente, sondern jetzt tatsächlich auch um literarische Ambitionen. Er hat sich ja selber auch den Dichtern zugerechnet.

Overgaauw: Ja. Also der König hat sich selbst wiederholt als le Philosophe de Sanssouci betrachtet. Er hat ja philosophische Werke geschrieben, er hat eine Reaktion geschrieben auf das Werk "Der Fürst" von Machiavelli, das sogenannte Anti-Machiavelli. Er hat Geschichtswerke geschrieben, also er hat die Geschichte seiner eigenen Länder beschrieben. Er hat eine riesige Korrespondenz geführt, also nicht nur mit Voltaire, den man kennt, sondern auch mit anderen Geistesgrößen seiner Zeit, mit Verwandten nicht zu vergessen. Er hat Tausende Briefe geschrieben an seine Neffen, Großneffen, an seine Geschwister.

Müller-Ullrich: Vielleicht noch ein Wort zur Musik, denn auch Kompositionen sind ja an diesem Schreibtisch entstanden.

Overgaauw: So ist es. Friedrich war ein produktiver, fleißiger und auch beliebter Komponist, er hat viele Werke für Flöte geschrieben. Und wenige eigenhändige Handschriften von Friedrich sind bewahrt worden, also Musikhandschriften. Es gibt in der Ausstellung zwei Stücke, die Friedrich für Flöte geschrieben hat in seiner eigenen Hand.

Müller-Ullrich: "Der König am Schreibtisch" - so heißt die Ausstellung in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin. Wir sprachen mit dem Kurator Eev Overgaauw.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Alle Beiträge zum Thema:
Friedrich der Große - 300. Geburtstag

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kultur heute

Kinogeschichte im Netz Einblick ins Atelier des Meisters

Volker Schlöndorff, Regisseur, Oktober 2013

Jetzt gibt es eine virtuelle Ausstellung des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt über den Regisseur Volker Schlöndorff. Besuchern - oder Usern - der Online-Schau werden neben Fotografien, Korrespondenzen, Drehbuch-Originalen und Tagebuchaufzeichnungen auch zahlreiche persönliche Videokommentare des Regisseurs zugänglich gemacht.

TheaterShakespeare auf deutschen Bühnen

Ein bislang unbekanntes Portrait des englischen Lyrikers William Shakespeare, das im Februar 2014 in Mainz präsentiert wurde. 

Shakespeares Werke erfreuen sich an deutschen Bühnen noch immer großer Beliebtheit. Shakespeare heute zu inszenieren bedeutet immer auch: zuspitzen, auswählen aus einer Vielfalt möglicher Themen, die die meisten seiner Stücke bieten.

"Paris 1900"Weltausstellung der guten Laune

Blick auf die "Esplanade des Invalides" auf der Weltausstellung in Paris 1900.

Eine ambitionierte Schau widmet sich der Pariser Weltausstellung des Jahres 1900. Elegante Roben und bunte Theaterplakate des Nachtlebens lassen Paris um die Jahrhundertwende als ein nicht enden wollendes Fest erscheinen. So wird an vielen Stellen die Vielschichtigkeit der Epoche ausgeblendet.

 

Kultur

Kinogeschichte im Netz Einblick ins Atelier des Meisters

Volker Schlöndorff, Regisseur, Oktober 2013

Jetzt gibt es eine virtuelle Ausstellung des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt über den Regisseur Volker Schlöndorff. Besuchern - oder Usern - der Online-Schau werden neben Fotografien, Korrespondenzen, Drehbuch-Originalen und Tagebuchaufzeichnungen auch zahlreiche persönliche Videokommentare des Regisseurs zugänglich gemacht.

Buch über Film Noir"Zweifel an Durchdringbarkeit der Welt"

Ausschnitt des Buchcovers von "Film Noir. 100 All-Time Favorites". Rote Schrift auf schwarzem Grund, im Vordergrund eine Frau mit einem Kerzenhalter auf einer Treppe, im Hintergrund ihr verzerrter Schatten.

In den stilistisch reinen Bildern des Film Noir schwingt immer der moralische Niedergang einer ganzen Gesellschaft mit. Das macht ihn für die Filmwissenschaft interessant. Der Kunsthistoriker Jürgen Müller hat ein neues, umfassendes Buch über den Film Noir mitherausgegeben.

Ausstellung "Urban Movements"Kaleidoskop der Jugendkultur

Das leuchtende Dortmunder U bei Nacht.

Urbane Alltagskunst, Musik und Mode: Das Dortmunder U zeigt mit der Ausstellung "Urban Movements" ein buntes und multimediales Sammelsurium urbaner Ausdrucksformen junger Menschen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit erheben die Macher nicht. Junge Kunst soll hier, unabhängig von ihrer Qualität, sichtbar und hörbar werden.