Kultur heute / Archiv /

 

Ein König am Schreibtisch

Kurator Everardus Overgaauw über die Ausstellung "Homme de lettres - Frédéric" in Berlin

Everardus Overgaauw im Gespräch mit Burkhard Müller-Ullrich

Friedrich der II. von Preußen wäre in diesem Jahr 300 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum wirft eine Ausstellung in der Kunstbibliothek am Berliner Kulturforum einen Blick auf das königliche Schreiben. An verschiedene Stationen "wird der König am Schreibtisch sichtbar", verrät Ausstellungskurator Everardus Overgaauw.

Burkhard Müller-Ullrich: Seit Januar feiert Preußen und alles, was sich dafür hält, den 300. Geburtstag von König Friedrich II. – und zu einem solchen Großjubiläum gehört, dass sich die Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilen. Jetzt beginnt zum Beispiel eine Ausstellung in der Kunstbibliothek am Berliner Kulturforum unter dem Titel "Homme de lettres – Frédéric. Der König am Schreibtisch". Eev Overgaauw, Sie sind Kurator dieser Schau: Sie zeigen Insignien der Regierungsarbeit. Da denkt man an einen Thron oder eine Krone. Aber nein: Hier geht es um königliches Schreiben.

Everardus Overgaauw: Also in der Ausstellung steht ein authentischer Schreibtisch aus dem Schloss Sanssouci zentral. Der Besucher, der den Ausstellungsraum betritt, sieht als Erstes einen Schreibtisch, einen schönen Rokokoschreibtisch, vergoldet, mit Kanapee, wo der König gesessen hat, als er geschrieben hat. Und dann gibt es verschiedene Stationen in der Ausstellung, wo der König am Schreibtisch sichtbar wird: Erlasse, Urkunden, Befehle, Orders, Dokumente, die der König unterschrieben hat, kommentiert hat und die dann, nachdem sie den Schreibtisch des Königs wieder verlassen hatten, weitergegeben wurden an die Beamten, an die Bürokratie, um dann umgesetzt zu werden.

Müller-Ullrich: Diese Kommentare, die ja auch Befehle waren, die sind ja zum Teil sehr berühmt geworden. Geben Sie doch mal ein Beispiel bitte.

Overgaauw: Ein Beispiel ist: "Alle Religionen sind gleich und gut, vorausgesetzt, dass die Leute ehrlich sind." Diese Notiz am Rande einer Akte bezieht sich auf einen Fall, in dem es einen Protest gab gegen die Niederlassung eines italienischen, katholischen Geistlichen.

Müller-Ullrich: Daneben geht es aber nicht nur um Regierungsdokumente, sondern jetzt tatsächlich auch um literarische Ambitionen. Er hat sich ja selber auch den Dichtern zugerechnet.

Overgaauw: Ja. Also der König hat sich selbst wiederholt als le Philosophe de Sanssouci betrachtet. Er hat ja philosophische Werke geschrieben, er hat eine Reaktion geschrieben auf das Werk "Der Fürst" von Machiavelli, das sogenannte Anti-Machiavelli. Er hat Geschichtswerke geschrieben, also er hat die Geschichte seiner eigenen Länder beschrieben. Er hat eine riesige Korrespondenz geführt, also nicht nur mit Voltaire, den man kennt, sondern auch mit anderen Geistesgrößen seiner Zeit, mit Verwandten nicht zu vergessen. Er hat Tausende Briefe geschrieben an seine Neffen, Großneffen, an seine Geschwister.

Müller-Ullrich: Vielleicht noch ein Wort zur Musik, denn auch Kompositionen sind ja an diesem Schreibtisch entstanden.

Overgaauw: So ist es. Friedrich war ein produktiver, fleißiger und auch beliebter Komponist, er hat viele Werke für Flöte geschrieben. Und wenige eigenhändige Handschriften von Friedrich sind bewahrt worden, also Musikhandschriften. Es gibt in der Ausstellung zwei Stücke, die Friedrich für Flöte geschrieben hat in seiner eigenen Hand.

Müller-Ullrich: "Der König am Schreibtisch" - so heißt die Ausstellung in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin. Wir sprachen mit dem Kurator Eev Overgaauw.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Alle Beiträge zum Thema:
Friedrich der Große - 300. Geburtstag

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kultur heute

Feridun Zaimoglus "Siegfried"Ein zotiger, neuer Blick auf eine alte Sage

Feridun Zaimoglu (dpa / picture alliance / Erwin Elsner)

Das Münchner Volkstheater hat den Nibelungenstoff vom Rhein an die Isar geholt. Unter der Regie von Christian Stückl ist der "Siegfried" von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel mit seinen tumben Figuren und seiner zotigen Sprache ein parodistischer Totalausverkauf für den deutschen Nationalmythos - und ein reines Vergnügen zuzuschauen.

Opern-Doppelabend in Köln Menschheitsgeschichte als Leidensgeschichte

Kultur heute Sendung vom 28.03.2015

 

Kultur

LiteraturnobelpreisträgerTomas Tranströmer ist tot

Der schwedische Lyriker und Nobelpreisträger Tomas Gösta Tranströmer (Horst Galuschka, dpa picture-alliance)

Der schwedische Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Tranströmer war 2011 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Er war einer der populärsten Dichter seines Landes.

Max-Ophüls-Vortrag auf CD Alte Rede mit visionärer Kraft

Der deutsch-französische Regisseur Max Ophüls - aufgenommen im Jahr 1952. (dpa - Bildarchiv - Kurt Rohwedder)

Max Ophüls wirkte in Deutschland, Frankreich und sogar Hollywood. Doch der Theater- und Hörspiel-Regisseur wurde nicht freiwillig ein Wanderer zwischen den Welten. Die Nazis trieben ihn ins Exil. 1956 hielt er vor der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft einen Vortrag über den Film. Trotz ihres Alters ist die Rede beachtlich aktuell. Nun gibt es das Tondokument als Audio-CD.

Hollywood"Rebecca" erobert die Leinwand

Laurence Olivier und Joan Fontaine in dem Spielfilm von Hitchcock Rebecca. (imago / AD )

Er war einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte: Alfred Hitchcock. Seine erste Hollywood-Produktion, die Literaturverfilmung "Rebecca", feierte am 27. März 1940 Premiere und erhielt zwei Oscars. Doch bis zum Filmstart gab es für Hitchcock einige Schlachten in der Filmbranche zu schlagen.