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StartseiteKultur heuteEin Mann, zwei Frauen13.01.2011

Ein Mann, zwei Frauen

Rudolf Thomes Film "Das rote Zimmer"

In dem Film "Das rote Zimmer" geht es wie bei Tom Tykwers neuem Film "Drei" um eine Dreicksbeziehung. Bei Thomes Film werden jedoch keine Thesen abgehakt, dafür aber ganz besondere erotische Fantasien gelebt.

Von Josef Schnelle

"Das rote Zimmer" von Rudolf Thome (Moanafilm)
"Das rote Zimmer" von Rudolf Thome (Moanafilm)

Dieser Film hat 123 Szenen. Es gehören ein paar der schönsten in den deutschen Filmen der letzten zwölf Monate dazu. Das schafft der ehemalige Filmkritiker der Münchner "Süddeutschen Zeitung" und des Berliner "Tagesspiegels" eigentlich in jedem Jahr. Die Filme des nun 71-Jährigen gelten als ungewöhnliches, eigenartiges und sehr geschlossenes Oevre. Manchmal wird Rudolf Thome, der seine Filme stets selber finanziert, produziert, inszeniert und auch noch ins Kino bringt, mit dem französischen Filmemacher Eric Romer verglichen, weil er stets den leichten Sommerton mit seinem Panoptikum der aktuellen Beziehungsunordnung trifft. Das war schon 1970 bei seinem ersten Film "Rote Sonne" mit Uschi Obermaier und ihrer mörderischen Frauenkommune so. Danach sind die Liebesunfälle im Werk von Thome immer sanfter geworden. Er hat eher immer neue Versuchsanordnungen in Sachen Liebe leicht selbstironisch durchdekliniert.

"Halt die Klappe, Professor. Alle alten Männer träumen von einem Harem. Du bist da keine Ausnahme."

Das ist die These seines 20. Films. Manche der vorherigen Filme haben so schlichte Titel wie "Frau fährt, Mann schläft", den er mit Hannelore Elsner 2003 drehte. Die Liebe ist bei Thome eine Sache, die man Wissenschaftlich angehen sollte. Einer seine Filme zum Thema heißt zum Beispiel "Das Mikroskop". Nun also "Das rote Zimmer". Der Kussforscher Fred lernt zwei Frauen kennen, die in einem Haus am See im vorpommerschen Klein-Bittersdorf zusammenleben und auch einer ménage à trois gegenüber nicht abgeneigt sind. Anders als bei dem Dreierverhältnis, das Tom Tykwer vor ein paar Wochen zum Thema seines leicht angestrengten Filmes " Drei" gemacht hat, ist Thome auf dem für ihn vertrauten Gelände der grundsätzlichen Liebesforschung unterwegs. Es werden keine Thesen abgehakt, dagegen ganz besondere erotische Phantasien gelebt. Bevor er der Lebensgemeinschaft der beiden Frauen beitreten kann, erlebt Fred nebenher ganz neue Wunder:

Sprecher: Szene 100. Am Ufer des Sees, an dem er die beiden Fische geangelt hat, macht FRED ein Feuer. Er schaut traurig in die Flammen. Eine schöne, junge FRAU schwimmt zum Ufer. Sie ist splitternackt. Sie geht zu ihren Sachen und trocknet sich ab. Dann wickelt sie sich das Handtuch um und geht zu FRED.

Sprecherin: Hallo!

Sprecher: FRED: Hallo. Haben Sie keine Angst, dass ich Ihnen etwas antun könnte?

Sprecherin: FRAU: Ich schwimme hier jeden Tag nackt im See.

Sprecher: Die FRAU setzt sich zu ihm ans Feuer. Sprecherin: FRAU: Ich habe Lust auf Sex. Du auch? Ich hatte zwar schon im See einen Orgasmus. Das ist bei mir immer so. Aber mit einem Mann ist das noch besser. Zieh dich einfach aus!

Sprecher: FRED: Wie heißen Sie?

Sprecherin: FRAU: Ich bin die Göttin der Liebe.

Sprecher: Die FRAU fängt an, FRED auszuziehen.

Sprecherin: FRAU: Nenn mich Venus, wenn du unbedingt einen Namen brauchst.

Ein Auszug aus dem Drehbuch, das Rudolf Thome nebst einem Tagebuch der Dreharbeiten und einer Chronik der Montagearbeiten auf seiner Website de zur Verfügung stellt. Man kann also dem Filmautor beim Verfertigen seines Films - übrigens aller seiner Filme - in allen Stufen zuschauen. "Das rote Zimmer" mit wenig Geld und viel Experimentierfreude jenseits des deutschen Filmförderungssystems entstanden, ist Thomes äußerst entspannt ausgebreitetes Vermächtnis. Worum dreht sich das Leben der Menschen. Doch am Ende immer nur um die Liebe. Auch Fred ist im Film schließlich bereit für "Das rote Zimmer", in das er von den beiden Frauen geführt wird, um einen mit Blut besiegelten Liebesvertrag zu unterzeichnen. Ein Harem ist teuer und hat seinen Preis. Im märchenhaften Zauberton entwickelt Thome eine ganz besondere filmische Poesie, die ihresgleichen sucht nicht nur im deutschen Kino. Einen Thome-Film anschauen, das ist wie ein Kurzurlaub in der Phantasie:

"Also ich würde dich auch gerne mal 15 Minuten lang küssen." - "Ihr beiden habt mich in diese Situation gebracht. Was kuckt ihr so? - Alles OK."

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