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Ein Wechsel ist kein Neustart

Matthias Platzeck folgt Klaus Wowereit an der Spitze des BER-Aufsichtsrats

Von Axel Flemming

Matthias Platzeck löst Klaus Wowereit an der Spitze des BER-Aufsichtsrats ab.
Matthias Platzeck löst Klaus Wowereit an der Spitze des BER-Aufsichtsrats ab. (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Ein Wechsel ist kein Neustart; und die Frage ist, ob ein Neustart bei dem größten Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands überhaupt möglich gewesen wäre. Wenn, wäre heute eine Chance verpasst, dann wäre wirklich nur eine Pfeife durch die stellvertretende Pfeife ausgetauscht.

Ich glaube das aber nicht, genauso wie ich nicht glaube, dass alles bisher Gebaute in den Brandenburger Sand gesetzt wurde, komplett abgerissen und von Grund auf neu gebaut werden muss.

Der Wechsel ist die letzte Chance zu beweisen, dass öffentliche Bauprojekte auch öffentlich kontrolliert werden können. Das schließt ja nicht aus, den Aufsichtsrat um technischen Sachverstand zu erweitern.

Aber die neuen Mitglieder müssen erst noch gefunden werden für ein Ehrenamt, das mit nur 130 Euro Aufwandsentschädigung vergütet wird. An der gemeinsamen politischen Verantwortung der drei Gesellschafter ändert das aber nichts, die bislang nie gegeneinander gestimmt haben.

Berlin, Brandenburg und der Bund zahlen, und das nicht zu knapp. Die Kosten, von denen wir wissen, sind von 2,4 auf 4,3 Milliarden gestiegen und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht.

Der neue Aufsichtsratschef kann im Stil anders sein als Wowereit, er hat Wahrheit, Klarheit und Transparenz angekündigt, ein leiser Vorwurf an seinen Vorgänger, der zu schnell nach einem geplatzten Termin einen neuen verkündete. Vor Sommer 2013 wird keiner realistisch einschätzen können, wie lange es dauert; bis dahin Bestandsaufnahme, die der Technikgeschäftsführer vornimmt.

Da rächt sich, dass nicht nur sein Vorgänger nach der letzten Terminverschiebung zu Recht gefeuert wurde, sondern auch die Planungsgesellschaft.

Damit war ein Großteil des Wissens auf dem Bau erst einmal flöten, das nun mühsam wieder erarbeitet werden muss. Weg waren mit einem Schlag die Experten, die man hätte fragen könnte, warum der Brandschutz anders gebaut als geplant wurde, weshalb angeblich zu kurze Rolltreppen installiert wurden, warum so viele Baufehler erst jetzt ans Tageslicht kommen, wo der Betrieb doch nach den ursprünglichen Planungen schon längst laufen sollte.

Dass nun auch der zweite alte Geschäftsführer in die Wüste geschickt wurde, ist sinnvoll kann aber teuer werden.

Wer hat eigentlich solche Verträge gemacht, die fast zwei Millionen Euro Abfindung vorsehen, nicht aber eine klare Verantwortlichkeit; das trifft den Aufsichtsrat.

Das soll nun anders werden, gesucht wird ein Finanzgeschäftsführer ebenso wie ein künftig allein Verantwortlicher, der über den Bereichen Finanz und Technik wacht.

Ein Vorteil könnte die Verschieberitis aber haben: der Lärmschutz für die betroffenen Anwohner könnte installiert sein, bevor die ersten Flugzeuge vom neuen Airport abheben.

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