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StartseiteVerbrauchertippMechanik vor Elektronik17.07.2017

Einbruchsicherungen für die WohnungMechanik vor Elektronik

Urlaubszeit ist Einbruchszeit: In den langen Ferien in Deutschland sind besonders viele Einbrecher unterwegs. Damit es bei der Rückkehr keine böse Überraschung gibt, sollten Urlauber vor der Abreise einige Tipps beachten.

Von Claudia Ullrich-Schiwon

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Ein fiktiver Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Wohnhauses auf.  (dpa picture allliance / Silas Stein)
Grundsätzlich gilt für Polizei und Experten die Regel: Mechanik vor Elektronik. (dpa picture allliance / Silas Stein)
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"Das war an einem Freitag so gegen 13 Uhr. Ich habe die Haustür aufgeschlossen, bin ins Wohnzimmer gegangen. Da hatte jemand versucht, ein Loch in die Scheibe zu machen und wollte den Griff um die Tür aufzumachen, an den wollte er dran kommen. Allerdings hatten wir abschließbare Griffe und das war unser Glück."

Berichtet ein noch ziemlich fassungsloses Opfer aus Münster. Aus Sicht der Polizei ein klassischer Fall. Hauptkommissar Stephan Hölker vom Kommissariat für Prävention und Opferschutz der Polizei Münster:

"Sie überprüfen die Anwesenheit in dem sie klingeln und warten, dass jemand reagiert. Wenn sie nicht öffnen auf das Klingeln, dann gehen 10 Prozent an die Front, 20 Prozent auf die Seite und 70 Prozent auf die Rückseite des Hauses."

Hindernisse kosten die Einbrecher Zeit

Der allerbeste und dabei günstigste Tipp Täter abzuhalten, ist eine gut funktionierende Nachbarschaft, sagen die Präventionsexperten aus Erfahrung. Die Nachbarn sollten während ihrer Abwesenheit den Briefkasten leeren, die Wohnung oder das Haus und Garten im Blick behalten und wenn möglich die Rollladen bewegen. Und wenn ein Fremder sich verdächtig macht:

"Dann bitte nicht lange fackeln, sofort 110 anrufen, da kümmern wir uns gerne drum."

Im Übrigen sei das Handwerkszeug von Einbrechern sehr überschaubar. In der Regel benutzten sie 40 cm lange Schraubenzieher, mit dem sie versuchen, Türen oder Fenster aufzuhebeln. Kollege Thomas Klaverkamp, technischer Fachberater bei der Polizei Münster: "Die Einbrecher nehmen den Schraubendreher und stechen zwischen Flügel und Rahmen, um den innen liegenden Rollzapfenbeschlag zu überwinden. Das ist sehr einfach und geht schnell. Das machen 80 Prozent unserer Täter."

Eine Sekundenangelegenheit. Sind die Fenster z.B. jedoch mit Pilzkopfschrauben ausgestattet oder mit auf den Rahmen aufgeschraubten Sicherungen abgeschlossen, ist einfaches Aufhebeln unmöglich. Eher selten versuchen sie dann die Scheibe einzuschlagen. Das bedeutet zu viel Lärm und zu hohes Risiko gehört und entdeckt zu werden. Hindernisse kosten die Einbrecher Zeit und die haben sie nicht. Dann geben sie auf. Bei allen Polizeikommissariaten für Prävention und Opferschutz kann sich jeder über die Arbeitstechniken der Täter informieren und sich Rat sowie Tipps holen, wie man Einbrecher abwehrt. 

"Mechanischer Einbruchsschutz ist viel wichtiger"

Zum Beispiel sollen abschließbare Fenster- und Terrassentürgriffe zertifiziert sein. Sie sollten einen Widerstand von 100 oder besser 200 Newton Meter standhalten und kosten zwischen 30 und 40 Euro. Für Kellerfenster eignen sich einbruchshemmende sogenannte Teleskop-Riegel, rät Hauptkommissar Klaverkamp. Das sind etwa 4 cm dicke, massive ausziehbare Stahlstangen, die innenseitig über die gesamte Fensterbreite montiert werden. Grundsätzlich gilt für Polizei und Experten die Regel: Mechanik vor Elektronik.

"Mechanik verhindert, dass ein Täter ins Gebäude eindringen kann. Elektronik meldet nur, dass ein Einbruch bevorsteht oder gerade begonnen hat."

Deshalb hält Sicherheitsexperte Michael Senkler auch nicht viel von der sogenannten Anwesenheitssimulationen: Zimmerbeleuchtung, Radiomusik, Lichtflackern vom Fernsehschirm oder gar der bellende Hund vom Band.

"Wenn der merkt da ist action, die kennen das doch alle, deshalb würde ich sagen, mechanischer Einbruchsschutz ist da viel viel wichtiger als diese Simulation, die kann man immer noch drauf setzen."

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