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StartseiteComputer und Kommunikation"Eine Frage der Virtualisierung"05.03.2011

"Eine Frage der Virtualisierung"

"App-Fieber" und verteiltes Rechnen verändern die Softwareentwicklung

IT.- Was fehlt, seien verbindliche Standards für die Entwicklung neuer Cloud-Angebote. Das sagt Professor Stefan Jähnichen, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik sowie Präsident der Gesellschaft für Informatik.

Stefan Jähnichen im Gespräch mit Manfred Kloiber

Stefan Jähnichen, Präsident der Gesellschaft für Informatik.  (Fraunhofer FIRST)
Stefan Jähnichen, Präsident der Gesellschaft für Informatik. (Fraunhofer FIRST)

Manfred Kloiber: Alle benutzen das eine Wort. Doch was wirklich gemeint ist mit der Cloud, darüber gehen die Meinungen unter den Experten weit auseinander. Was fehlt, sind verbindliche Standards für die Entwicklung neuer Cloud-Angebote. Darüber habe ich gestern mit Professor Dr. Stefan Jähnichen gesprochen. Er ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik, FIRST, in Berlin und Präsident der Gesellschaft für Informatik.

Stefan Jähnichen: Natürlich gibt es eine Notwendigkeit, Cloud-Computing beziehungsweise die Komponenten, die man in der Cloud hat, zu standardisieren. Es gibt ja einige Anbieter für Cloud. Und ich denke, wenn man da Standards schaffen will, dann müssen die zusammen tun und diese Standards einfach auch definieren. Wir können als Gesellschaft für Informatik sicherlich politisch da Druck machen, dass so etwas passiert. Und der Markt wird da eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Kloiber: Cloud-Computing: Bedeutet das ein völliges Neudenken in Sachen Softwareentwicklung?

Jähnichen: Naja, ich sehe das an der Stelle nicht so sehr auf das Thema Cloud bezogen, sondern ich sehe das eher, dass wir im Moment halt sehr viele Webanwendungen entwickeln müssen, auch neu entwickeln müssen, die dann auch in einer Cloud laufen können. Das heißt, das ist eigentlich das täglich Brot eines Entwicklers, dass er sich mit dem World Wide Web, also mit dem Internet beschäftigen muss und sich natürlich Gedanken darüber machen muss, wie er seine Aufgaben so verteilen kann, dass er dann im Web, sprich dann auch in der Cloud lauffähig sind.

Kloiber: Auf der anderen Seite sieht man ja, dass das ganze Thema Cloud-Computing jetzt nicht nur mehr im Web spielt, sondern immer mehr mobile Geräte sind dabei im Einsatz. Und die ganzen vielen Apps kommen zum Tragen. Macht das das ganze Thema Cloud-Computing unübersichtlich oder eher übersichtlicher?

Jähnichen: Der App-Store oder die App-Stores, die es da gibt, sind natürlich eine sehr schicke Möglichkeit, auf viele Daten zuzugreifen und sie eben auf unseren mobilen Endgeräten den Nutzern zu Verfügung zu stellen. Was das Schreiben dieser Apps angeht, bin ich der Meinung, man sollte es sogar noch einfacher machen und dann aber auch die Möglichkeit schaffen, diese einzelnen Apps noch besser miteinander zu verbinden. Und das ist jetzt wieder der Punkt der Standardisierung, der an dieser Stelle natürlich auch kommen muss. Das heißt, wie schaffe ich es, wenn Sie so eine App schreiben und ich so eine App schreibe und auf unterschiedliche Daten zugreifen, dass die miteinander wirklich dann kommunizieren können, die Anwendungen und dann vielleicht sogar noch ein Mehrwert für beide von uns beiden rauskommt.

Kloiber: Sie haben natürlich mit Recht darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Apps oder ein Angebot für Apps zu machen natürlich erstmal gar nichts mit Cloud-Computing zu tun hat. Aber auf der anderen Seite ist es doch tatsächlich so, dass das Thema Cloud-Computing auch von diesem App-Boom befeuert wird.

Jähnichen: Das ist richtig. Aber ich hatte ja am Anfang schon gesagt, an der Stelle ist das erstmal eine Frage der Virtualisierung. Das heißt, man geht ja davon aus, dass die ganzen Server irgendwo im Netz beheimatet sind und auf denen dann etwas passiert. Also auf denen dann bestimmte Applikationen ausgeführt werden, ohne dass ich überhaupt noch wissen muss, wo das gerade passiert. Die Apps, die ich mache, stelle ich ins Netz, die mir, und dann eben auch anderen bestimmte Informationen über eventuell verteilten nutzbar machen sollen und mir dann eben einen Mehrwert liefert oder die Informationen liefern, die ich gerne haben möchte. Beiden gemein ist wahrscheinlich das Bedürfnis, diese Zugriffe auf die Daten und das ins Netz Stellen dieser Daten, also in die Cloud hinein, möglichst sicher zu machen.

Kloiber: Gibt es denn da einen Handlungsbedarf auch für die Wissenschaft, für systematische Sicherheit in der Cloud zu sorgen?

Jähnichen: Ich halte das sogar für das wichtigste Thema für die Forschung überhaupt – Sicherheit in der Cloud. Wir sind sehr sensibel mit dem Thema Sicherheit. Auf der anderen Seite haben wir gerade in der Ausbildung auch große Vorteile an der Stelle, weil unsere Ausbildung eigentlich schon jeher sehr theoretisch orientiert ist. Und da haben die deutschen Hochschulen sicherlich Vorteile.

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