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StartseiteEssay und DiskursAmerika und der Westen29.04.2018, 09:30 Uhr

Eine Idee bröckeltAmerika und der Westen

Europa plus Amerika, das gilt als der Westen. Möglicherweise ist es aber einfach nur dem historischen Zufall geschuldet, dass die USA nach dem Zweiten Weltkrieg zum stolzen Vorreiter der westlichen Welt wurden. Eine historische Anomalie, die unser Kurzzeitgedächtnis zur Normalität erhoben hat.

Michael Kimmage im Gespräch mit Sibylle Salewski

Die EU-Flagge und die der USA im Wechsel. (picture alliance / dpa - EPA/TANNEN MAURY |)
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Viel zu lange seien wir von einer organischen Beziehung zwischen den USA und Europa ausgegangen, sagt der amerikanische Historiker Michael Kimmage. Eine Beziehung, die es so nie gegeben habe.

Die Idee des Westens als Wertegemeinschaft und normatives politisches Leitbild bröckelt schon seit einer ganzen Weile. In den Geistes- und Politikwissenschaften wird über die kolonialistischen und imperialistischen Eigenschaften des Westens diskutiert. In den USA hat man sich nicht nur in der akademischen Welt auf seine multikulturellen Wurzeln besonnen. Der westliche Kanon, einst unangefochten, gehört nicht mehr zur Standardlehre an den Universitäten. Was aber tritt an die Stelle des Westens, wenn dieser nicht mehr als politischer, moralischer und kultureller Leitstern taugt?

Michael Kimmage ist Professor für Geschichte an der Catholic University of America in Washington D.C. und war Policy-Berater für das U.S. Department of State. Er schreibt für die Washington Post, New York Times, FAZ und New Republic und hat zwei Bücher veröffentlicht: "The Conservative Turn: Lionel Trilling, Whittaker Chambers and the Lessons of Anti-Communism" und "In History’s Grip: Philip Roth’s Newark Trilogy". Zur Zeit arbeitet er an einem Buch über Amerikas Verhältnis zum Westen.

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