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Eine thematische Monokultur auf Zeit

Die US-Wahl im deutschen Fernsehen

Von Christian Floto

Eine Anhängerin von US-Präsident Obama steht während der Wahlkampfnacht auf dem McCormick Place in Chicago, Illinois (picture alliance / dpa / Shawn Thew)
Eine Anhängerin von US-Präsident Obama steht während der Wahlkampfnacht auf dem McCormick Place in Chicago, Illinois (picture alliance / dpa / Shawn Thew)

Die Wahlen in den USA erreichten streckenweise den maximalen Verstopfungsgrad im Sender-Empfänger-Konzept deutscher Medien. Dieser Hype zeigt, welche mediale Konzentrationskraft möglich ist. Doch sollte der Medienagenda mehr kritische Aufmerksamkeit zuteilwerden, meint Christian Floto.

Interaktive Animationen auf riesigen Studiomonitoren, die nicht immer so wollten wie der dann hilflose Moderator, außerdem zu Dutzenden in die USA verfrachtete Anchormen und -women des Fernsehens und solche, die sich gern dafürhalten würden, Diskussionsrunden ohne Ende auf fast allen Kanälen: Die Wahlen in den USA vor, während und nach der Auszählung erreichten streckenweise den maximal möglichen Verstopfungsgrad im Sender-Empfänger-Konzept hiesiger Medien.

Eine thematische Monokultur auf Zeit, die eine Entbehrlichkeit all der anderen Informationen vorgaukelt, die ansonsten auf uns alle mit dem Anspruch dringender Virulenz niederprasseln. Versteppung von Vielfalt, zentristischer Tunnelblick und das trügerische Gefühl, nun so viel über Land und Leute vermittelt zu haben. Wirklich? Nehmen wir etwa die bunten Grafiken über sichere Romney- und Obama-Staaten. Wer hat das eigentlich wirklich Mal vertiefend erklärt, zum Beispiel historisch und geopolitisch: so viel Romney-Land im gesamten Inneren der USA neben dagegen den wenigen Küstenstaaten pro Obama. Sicher, Bevölkerungsdichte und Wahlmännerzahlen wurden meist trefflich erläutert, aber was steckt da alles hinter einer solch augenfälligen Ungleichverteilung der politischen Urlager?

Immerhin zeigte dieser Hype, welche mediale Konzentrationskraft auch oder gerade heute möglich ist. Umso mehr sollte der Medienagenda mehr kritische Aufmerksamkeit zuteilwerden. Wenn so viel USA neben Europa und täglichem innenpolitischen Gezergel Platz findet, dann gehören doch mit gleicher Breite mittlerweile andere Regionen der Welt dringend auf diese Agenda: etwa China, überhaupt Asien, jetzt aktuell zwar stärker schon beachtet, aber vielfach nur am Rande, fehlgewichtet, unterrepräsentiert. Folge nicht nur schwieriger Arbeitsbedingungen vor Ort, sondern auch eines eklatanten Mangels an einschlägig qualifizierten und interessierten Journalisten.

Wie sollen wir hier aber derzeitige ökonomische und politische Umwälzungen verstehen, wenn nicht die Chancen drastisch erhöht werden auf mehr Einblicke in Geschichte und kulturelle Zusammenhänge bzw. Einflüsse, die etwa das Selbstverständnis des Individuums in einer Gesellschaft und damit Grundlagen für politisches Handeln verdeutlichen. Selten war die Kraft der Medienagenda so zu spüren wie in dieser Woche, selten war aber die Frage nach deren Ausrichtung, Relevanz und Tagesordnungspunkten drängender. Es geht um nicht weniger als verlässlich gewichtige und gewichtende Blicke auf Welt und Wirklichkeit und die Frage, ob die erzeugte mediale Wirklichkeit überhaupt noch stimmt. Wie heißt es in China bei anderer Gelegenheit: Es ist später, als du denkst. Das könnte stimmen.

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