• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteSport am Wochenende"Einfach eine ganz andere Spielidee"26.12.2011

"Einfach eine ganz andere Spielidee"

Zu Besuch im Stadion des deutschen Baseball-Meisters, den Legionären Regensburg

Das Spiel kann zwei bis drei Stunden dauern, es geht über mindestens neun Runden, die Mannschaft ist zwischen 18 und 20 Spieler stark und ein Unentschieden - das gibt es nicht. Die Rede ist von Baseball, in Amerika eine der ganz großen Sportarten. Aber auch in Deutschland gibt es eine Bundesliga. Der aktuelle deutsche Meister heißt "Buchbinder Legionäre Regensburg" und spielt in einem der größten Stadien Deutschlands.

Von Katharina Hamberger

In den USA - hier der damalige San Francisco Giants-Star Barry Bonds - ist Baseball einer der großen Sportarten. (picture alliance / dpa)
In den USA - hier der damalige San Francisco Giants-Star Barry Bonds - ist Baseball einer der großen Sportarten. (picture alliance / dpa)

Armin Wolf steht im kühlen Herbstwind vor der Armin-Wolf-Arena in Regensburg. Der Sportreporter hat sich ganz besonders für den Sport der hier gespielt wird eingesetzt: Nämlich Baseball. Und deshalb ist er nun Namensgeber der 1998 erbauten Arena. Sie zählt zu den größten und schönsten in Deutschland. Das macht Armin Wolf sichtlich stolz:

"Die Anlage verfügt über 1000 Sitzplätze und ca. 2000 Stehplätze. Und von dem Platz, wo der Spieler dann den Ball schlägt zum Zaun, das ist dann die letzte Begrenzung sind's hier 120 Meter, wenn dann der berühmte Homerun geschlagen wird, dann muss der Spieler mit dem Ball quasi die Strecke von 120 Metern überwinden."

2009 fand hier die Vorrunde für die Baseball-WM statt. Extra dafür wurde die Arena umgebaut, so dass über 10.000 Zuschauer Platz hatten. Gespielt haben hier damals unter anderem die Amerikaner - und verloren ausgerechnet in Regensburg gegen Venezuela ihr einziges Spiel während der WM.

"Das war eine Baseball-Sensation und das Gesicht des amerikanischen Trainers in der Pressekonferenz werd ich nie vergessen."

Baseball ist ein durch und durch amerikanischer Sport. Das wird auch im Stadion des deutschen Meisters selbst bei kleinen Details klar:

"Zum Baseball gehört es natürlich, dass die Leute auch während des Spiels aufstehen, sich etwas zu essen holen und da gibt's jetzt nicht unbedingt die typischen bayerischen Weißwürste, sondern natürlich Hamburger und ein bisschen amerikanisches Essen."

Aber die Amerikaner haben den Sport nicht nach Deutschland gebracht, erklärt Armin Zimmermann, der Vorstand der Regensburger Legionäre:

"In den 50er-, 60er-, 70er-Jahren hat's fast überhaupt kein Baseball in Deutschland gegeben, erst Ende der 80er Jahre ist Baseball entstanden. Vor allem durch junge Studenten, die in Amerika waren, dort Gefallen am Baseballsport gefunden haben und dann zurückgekommen sind und gesagt haben, das müssen wir hier auch spielen."

Die Regensburger sind besonders stolz auf ihre Nachwuchsarbeit - sogar ein Baseball-Internat gibt es hier - und eine Kooperation mit amerikanischen Vereinen. Gerade wechselte ein Regensburger Spieler als erster Deutscher überhaupt in eine US-Profimannschaft. Dort lässt sich jede Menge Geld mit Baseball verdienen, anders in Deutschland sagt Armin Wolf:

"Teilweise ist das sogar so, dass die Spieler einen Teil der Kosten selbst tragen und das würde glaub´ ich kein Fußballspieler, wenn man ihm sagt, für den Bus nach Holland bist du mit 100 Euro dabei, die würden sagen, dann steig ich nicht ein."

Das Baseball in der Weltkulturerbestadt an der Donau so erfolgreich ist, hängt laut Armin Zimmermann mit der Größe der Stadt zusammen:

"Das Potential ist groß genug mit 150.000 Einwohnern, aber man wird in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen. In größeren Städten tut sich der Baseball-Sport schwer, weil viele andere Sportarten im Zentrum des öffentlichen Interesses stehen. Und so hat sich herausgestellt, dass Städte wie Regensburg oder auch unsere Hauptkonkurrenten Paderborn, Heidenheim, Mainz, das sind alles Städte in der Größenordnung, dass das sich positiv auswirkt."

Immer wieder betont der 38-jährige Rechtsanwalt, dass Baseball kein schwieriger Sport ist.

"Die Regeln sind gar nicht so kompliziert, es ist einfach ne ganz andere Spielidee. Ich hab ein Feld, in dem steht die verteidigende Mannschaft und die angreifende Mannschaft versucht Punkte zu erzielen, das geht ganz einfach, indem sie die vier Bases umrundet und wieder nach Hause kommt. Wer nach Hause kommt hat einen Punkt und die verteidigende Mannschaft versucht das zu verhindern. Das ist eigentlich alles."

Und wer zum ersten Mal ins Stadion kommt, für den gibt es hier 100 Funkempfänger und Regelkunde auf die Kopfhörer:

"Wir haben einen Experten im Stadion, der kommentiert dann das ganze Spiel ohne Fachausdrücke, ohne englische Ausdrücke auf Deutsch mit und so bringen wir viele viele Fans zum Baseball."

In Regensburg hat sich Baseball mittlerweile gut etabliert. Die Mannschaft konnte ihr Niveau stetig steigern, das ist zugleich der Trend in der gesamten Bundesliga, sagt Armin Zimmermann:

"Das sieht man daran, wenn man Spieler aus den USA, die in der Bundesliga spielen vergleicht, vor fünf, sechs Jahren hat´s noch gereicht Collegespieler zu verpflichten als Verein. Jetzt ist es wirklich so, dass nur noch Spieler mithalten können, die schon mal einen Profivertrag unterschreiben haben."

Armin Wolf berichtet als Sportreporter übrigens nur im Notfall selbst über die Spiele der Legionäre.

"Aus der Armin Wolf Arena Armin Wolf ... "

Das wäre ihm dann doch zu kurios.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk