Dienstag, 23.01.2018
StartseiteVerbrauchertippWorauf es bei Gehaltsverhandlungen ankommt12.12.2017

EinkommenWorauf es bei Gehaltsverhandlungen ankommt

In Ausschreibungen werden Bewerber oft aufgefordert, ihre Gehaltsvorstellungen in ihrer Bewerbung anzugeben. Bloß keine konkreten Zahlen nennen, raten Experten. Keine Konjunktive, dafür eine aufrechte Haltung und Blickkontakt können beim Gespräch mit dem (künftigen) Chef dabei helfen, dass am Ende mehr auf dem Konto landet.

Von Christiane Enkeler

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Zwei Mitarbeiter bei einem Bewerbungsgespräch (dpa/lby - Stefan Puchner )
Bei Gehaltsverhandlungen sollten Mitarbeiter sich ihrer Stärken und Tätigkeiten im Betrieb bewusst sein, um vernünftig argumentieren zu können (dpa/lby - Stefan Puchner )
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Ulrike Winzer kennt als Personal- und Karriereberaterin die Unternehmer- und die Mitarbeiterseite. Das "ideale Gehalt", sagt sie, gebe es nicht. Es hänge von Position, Branche und Region ab. Bei der Einschätzung hilft eine Internetrecherche - und gesunder Menschenverstand. Wichtig: darauf achten, wie sich das Gehalt zusammensetzen soll.

Bei einem höheren Jahresgehalt kann das monatliche geringer ausfallen, zum Beispiel bei einem 13. Gehalt. Ganz wichtige Verhandlungsvorbereitung: den eigenen Nutzen für das Unternehmen herausarbeiten.

"Niemand bezahlt mehr Gehalt, weil jemand privat ein Haus gebaut hat oder, weil jemand gut Englisch spricht. Das Entscheidende ist zu sagen: Ich spreche gut englisch und damit gewährleiste ich, dass unsere englischsprachigen Kunden immer einen zuverlässigen Ansprechpartner haben. Es gilt also, eine ganze Argumentationskette zu bauen: Das sind meine Eigenschaften, und das ist der Nutzen, den das Unternehmen oder mein Vorgesetzter dann davon hat. "

Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, soll oft eine Gehaltsvorstellung abgeben.  Diese Anforderung zu ignorieren, empfiehlt sie nicht.

"Sie können sagen: Meine Gehaltsvorstellung beträgt - und dann eine ganz konkrete Zahl. Sie legen sich damit sehr stark fest. 

Deshalb empfehle ich, entweder zu schreiben: 'Meine Gehaltsvorstellungen erläutere ich gerne in einem persönlichen Gespräch'. Oder aber: 'Ich strebe ein Jahresgehalt von etwa XXX an'."

Im Bewerbungsgespräch Gehalt nicht selbst ansprechen

Im Bewerbungsgespräch sollte man das Gehalt nicht selbst ansprechen, frühestens am Ende des zweiten Gespräches. So kann man auch mehr über die Aufgabe erfahren und die Gehaltsvorstellung anpassen.

Für externe Bewerbungen hält sie Sprünge von etwa zehn bis 20 Prozent für möglich, für interne zwei bis fünf - als grobe Pi-mal-Daumen-Regel. 

Im Gespräch gilt: Keine Konjunktive, dafür aufrechte Haltung und Blickkontakt halten.

Bei Gewerkschaften informieren

Wer gewerkschaftlich organisiert ist, kann hier zum Beispiel den Vorschlag einbringen, eine betriebliche Kita zu fordern, damit das Geld nicht auf der anderen Seite für den Babysitter ausgegeben werden muss.

Stephan Otten von ver.di erklärt auch, dass er als Gewerkschaftssekretär Verträge ansehen und gegebenenfalls Gehälter vergleichen kann. 

Und wer mehr macht als eigentlich verabredet, regelmäßig und häufig, der kann sich bei seiner Gewerkschaft informieren, welchen Einkommensunterschied er in der Verhandlung einbringen kann, wenn er dem Arbeitgeber gegenübersteht.

"Pass mal auf, ich bin hier eigentlich nicht für Computertätigkeiten eingestellt, leiste aber regelmäßig Computertätigkeiten, zum Beispiel: Ich erstelle den Dienstplan und dadurch, dass ich den Dienstplan erstelle, hab ich sogar Personalverantwortung in einem gewissen Maß, und dadurch müsste ich eigentlich ein höheres Gehalt bekommen." 

Erfolgsbilanzen können helfen

Eigene Leistungen festzuhalten, rät auch Personalberaterin Ulrike Winzer.

"Ich kann jedem nur empfehlen, vielleicht einmal im Monat eine Art Erfolgsbilanz zu erstellen. Das erleichtert in künftigen Gehaltsgesprächen die Argumentation und das ist unglaublich förderlich für das eigene Selbstbewusstsein."

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