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StartseiteCampus & KarriereKalifornische Studierende machen mobil gegen Trump04.02.2017

Einreiseverbot in die USAKalifornische Studierende machen mobil gegen Trump

Die Einreisebeschränkungen der Trump-Regierung für Muslime treffen auch US-Universitäten, vor allem die in Kalifornien. Im Westküstenstaat leben die meisten Studierenden aus den sieben von den Einreisebeschränkungen betroffenen Ländern. Doch statt aus Sorge und Angst um ihre Zukunft zu schweigen, machen viele Studierende mobil gegen Trump.

Von Kerstin Zilm

Protest am Los Angeles International Airport gegen das Einreiseverbot für Bürger aus muslimisch geprägten Ländern, das US-Präsident Trump erlassen hatte.  (picture alliance / MAXPPP/dpa)
Auch Studierende leiden unter den Einreisebeschränkungen für Muslime in die USA. (picture alliance / MAXPPP/dpa)
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Eine Gruppe von Studierenden wartet vor der Backsteinkirche auf dem USC-College Campus auf eine Podiumsdiskussion zu den neuen Einreisebestimmungen der Trump-Regierung.

Leider handle der neue Präsident genauso wie er es angekündigt hatte, meint Jurastudent Pedrom Anjouli. Er hat die US-Staatsbürgerschaft, seine Eltern flüchteten aus dem Iran nach Europa.

"Wir sind nicht sicher, was das bedeutet. Meine Mutter wollte mich besuchen kommen. Aber in ihrem schwedischen Pass steht, dass sie in Teheran geboren ist. Sie und andere Verwandte stammen aus einer Kultur, die jetzt leider die scharfe Seite des Schwerts zu spüren bekommt. "

Besorgniserregende Entwicklungen

Gerüchte von einer Registrierung von Muslimen auf dem Campus machen die Runde. Viele Studierende fürchten, dass die Liste von Einreisebeschränkungen wächst. Politikstudentin Naja Balara macht sich Sorgen um eine Freundin

"Sie kommt aus Pakistan. Das ist noch nicht auf der Liste. Vielleicht kommt es aber drauf, hängt wohl davon ab, ob Trump da Geschäfte macht oder nicht. Ihre Eltern machen sich Sorgen, Islamophobie nimmt wieder zu in den USA. Es ist besorgniserregend."

Die Verwirrung über Inhalt und Konsequenzen der Reisebeschränkungen sind nicht das einzige Problem, sagt Kunststudentin Tina Cherenkov:

"Die Tatsache, dass eine Regierung nach Belieben diese Entscheidungen treffen kann, stellt jede Sicherheit von Staatsbürgerschaft in Frage. Es ist beängstigend, dass Reisefreiheit nur basierend auf deinem ethnischen Hintergrund gefährdet ist. "

In einem Flachbau neben der Kirche bereitet sich Varun Soni auf die Veranstaltung vor. Der Dekan für Religionswissenschaft wird das Podium moderieren. Seit dem vergangenen Wochenende ist er im Einsatz, organisiert Seelsorge, Proteste und Podien.

"Es ist schon allein schwierig, als Student aus einem anderen Land hier zu sein. Weit weg von zu Hause, in einer neuen Kultur. Dazu kommt jetzt ein Reiseverbot. Wir müssen alles tun, um dem entgegenzutreten. Die Studierenden sollen wissen, dass die Uni ihr zu Hause ist wir alles dafür tun werden, dass sie hier sicher sind."

Mit Wissenschaft und Fakten auf Kriegsfuß

Aus Sicht der Universität ist das Einreiseverbot eine weitere beunruhigende Bestätigung dafür, dass die Trump-Regierung mit Wissenschaft und Fakten auf Kriegsfuß steht, nicht nur was Klimawandel angeht. Varun Soni

"Forschungsinstitute leben von Gedankenfreiheit. Die ganze Welt ist auf unsere Universitäten neidisch, aber wenn wir uns nicht mehr um die besten Studierenden und Forscher aus ALLER Welt bemühen, hat das schnell ein Ende. Und diese Verfügung des Präsidenten macht das sehr schwierig."

Wenig später stellt der Dekan die Teilnehmer des Podiums vor: ein Scheich, eine muslimische Aktivistin, ein Anwalt, eine Friedensforscherin und eine Expertin für religionsgestützte Katastrophenhilfe. Der Anwalt empfiehlt muslimischen Studierenden, nicht zu reisen, die Friedensforscherin allen, sich nicht von Gerüchten im Netz verrückt machen zu lassen.

Alle raten, einander zuzuhören und aktiv zu sein - in Gesprächsgruppen und Demonstrationen. Zwei Stunden später verlassen die Studierenden nachdenklich die Kirche, gestärkt durch Solidarität, aber nicht wirklich beruhigt. Kunststudentin Tina Cherenkov und Jurastudent Pedrom Anjouli:

"Die Reisebeschränkung scheint Angstmacherei zu sein und ist total sinnlos. Die verbannten Länder haben keine Verbindung zu Anschlägen von Terroristen in den USA. Die Anordnung betrifft ausschließlich Flüchtlinge und andere, die am meisten unsere Hilfe brauchen."

"Diese Veranstaltungen sind ein Anfang, um psychologisch die Verteidigung in Stellung zu bringen gegen das, was auf uns zukommt: die große amerikanische Show."

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