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Einsacken und austeilen

Der SPD-Kanzlerkandidat zeigt ein gutes Krisenmanagement

Von Frank Capellan, Hauptstadtstudio

Peer Steinbrück
Peer Steinbrück (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Seine 89 Rede-Auftritte in der Republik hat Peer Steinbrück souverän dargestellt. Nicht die Vorträge und ihre Honorare sind ihm vorzuwerfen, sondern etwas anderes: Aus der Nebentätigkeit eines Abgeordneten drohte sein Hauptberuf zu werden.

"Aus dem Stein, der mir an den Kopf geworfen wurde, mache ich gern einen Bumerang, der an den Kopf derjenigen zurückfliegt, die mir mangelnde Transparenz vorgeworfen haben." Originalton Peer Steinbrück. Chapeau, Herr Kanzlerkandidat – schnell gelernt, was gutes Krisenmanagement ausmacht!

Anfang Oktober noch hat er im Deutschlandfunk erklärt, dass er nichts vom gläsernen Abgeordneten hält, damals hat er eine "gewisse Privatheit" eingefordert, angekündigt, nur Durchschnittswerte anzugeben und voller Sarkasmus gepoltert, dass es echte Transparenz doch sowieso nur in Diktaturen geben kann. Heute aber lässt der Kandidat die Hosen runter. Auf Euro und Cent genau weist er seine Vortragshonorare aus, nennt die Auftraggeber seiner 89 gut dotierten Auftritte, entschuldigt sich für zwei Termine, die er unterschlagen hat: "Habe es verschwitzt und nachgereicht!"

Ein souveräner Auftritt. Genüsslich präsentiert sich Steinbrück als Vorbild und attackiert nebenbei Union und FDP, die zu viel weniger Offenheit bereit sind als er selbst. Dass er einen Haufen Geld bekommt für seine frei gehaltenen Vorträge, kann ihm niemand vorwerfen, das spricht für ihn. Der Mann kann reden, er kann austeilen, auch gegenüber denen, die ihn eingeladen haben. Auch und gerade deswegen ist er interessant und den Auftraggebern viel wert. Zuviel.

Den Bochumer Stadtwerken etwa, Energiebetreiber in Händen einer klammen Kommune, der die größte Summe an Steinbrück überwiesen hat – sage und schreibe 25.000 Euro, deutlich mehr als etwa Deutsche Bank oder KPMG zu zahlen bereit waren. Doch warum hätte Steinbrück es nicht nehmen sollen? Dass auch ein Sozialdemokrat Kasse macht, passt einigen Linken in der Partei nicht, schließlich soll er doch glaubhaft für soziale Gerechtigkeit eintreten. Bei der Linkspartei hatten Toskana-Gourmet Oskar Lafontaine oder Porsche-Fan Klaus Ernst häufig mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Aber geschenkt.

Steinbrück hat seine Einkünfte mit 48 Prozent versteuert, er steht mit seiner Partei dafür, dass es bei Reichen wie ihm künftig noch mehr werden könnte. Steinbrücks Problem ist ein anderes: Ihm ist vorzuwerfen, dass er den Abgeordnetenjob nicht ernst genommen hat. Aus der Nebentätigkeit drohte ein Hauptberuf zu werden. 89 Vorträgen in der Republik stehen fünf Reden im Bundestag gegenüber. Sieben namentliche Abstimmungen schwänzen, stattdessen zusätzliches Geld einsacken – dafür werden unsere Volksvertreter nicht gewählt.

Steinbrück hat 2009 seinen Abschied aus der Politik angekündigt, das Bundestagsmandat aber so ganz nebenbei gern noch mal mitgenommen. Darüber wäre zu reden, damit hat er das schlechte Bild unserer Politiker bedient. Der Kandidat ist da allerdings in guter Gesellschaft. Viele Ex-Minister glänzen durch Unauffälligkeit im Parlament. Ein Michael Glos von der CSU etwa, der zweitbeste Nebenverdiener unter der Reichstagskuppel. Das aber wollen Union und FDP lieber nicht mehr ansprechen. Steinbrücks Bumerang ist angekommen: Wer im Glashaus sitzt, sollte eben nicht mit Steinen werfen.

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