• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteKommentare und Themen der WocheExperiment mit offenem Ausgang25.09.2017

Eklat um Frauke PetryExperiment mit offenem Ausgang

Frauke Petrys Ankündigung, nicht Teil der AfD-Fraktion im Bundestag zu werden, hat die Partei überrascht. Führt ihr Rückzug zur Spaltung der gerade frisch ins Parlament gewählten Partei? Das sei nur eine Möglichkeit, kommentiert Volker Finthammer.

Von Volker Finthammer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Frauke Petry, Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), steht am 25.09.2017 zusammen mit Jörg Meuthen, Bundesvorsitzender der Partei Alternative für Deutschland (AfD) (r), in der Bundespressekonferenz in Berlin.  (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
Auf der Pressekonferenz der AfD verkündete Frauke Petry im Beisein ihrer überraschten Parteigenossen, dass sie Mandat fraktionslos antreten will (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
Mehr zum Thema

Spaltung in der AfD Frauke Petry kehrt ihrer Fraktion den Rücken

Politikwissenschaftler Vogtländer "Die AfD häutet sich"

Machtkämpfe in der AfD Die Doppelmoral des Politikerpaares Petry und Pretzell

Der Tag war zumindest gut gewählt. Aber wie das Experiment enden wird, ist eine offene Frage. Die AfD-Spitze, noch halb betrunken von dem unerwartet guten Abschneiden bei der Bundestagswahl, traute ihren Ohren nicht, als gleich am Morgen die AfD Ko-Vorsitzende Frauke Petry nach einem Appell für bürgerliche Realpolitik die Führungsriege verließ, ihren Austritt aus der Fraktion ankündigte und damit der Spekulation über eine mögliche Spaltung der AfD reichlich Nahrung gab, über die spätestens seit dem letzten Parteitag in Köln und der persönlichen Niederlage Petrys gemunkelt wird. 

Nicht nur der Osten für Erfolg der AfD verantwortlich

Jetzt also könnte sich offenbaren, dass in der neuen AfD-Fraktion politische Lager zusammenfinden sollen, die in Wirklichkeit nicht viel miteinander zu tun haben wollen. Vor allem der rechtsnationale Block ist Vielen ein Dorn im Auge. Aber gerade in den letzten Wochen des Wahlkampfs haben sich Alexander Gauland und Alice Weidel diesen Strang zunutze gemacht und durch bewusst provozierende Äußerungen selbst dazu beigetragen, den rechten Rand zu mobilisieren, was aber keinesfalls überall auf Zustimmung stößt. Dem Ergebnis aber hat es aber offensichtlich genutzt. Im zweiten Wahlgang sogleich die drittstärkste Partei, das hat bislang in der bundesrepublikanischen Wahlgeschichte keine andere Partei geschafft. 

Die Linke brauchte sechs Anläufe dafür und den Grünen blieb es bislang immer versagt. Auch wenn das Abschneiden im Ostdeutschland für dieses Ergebnis eine maßgebliche Rolle spielt: Ohne die deutlichen Gewinne in Bayern, Baden Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz wäre die AfD eine eher unbedeutende Regionalpartei auf einem der hinteren Ränge geblieben. 

Findet Petry weitere Mitspieler?

Aber welche AfD da in den Bundestag einzieht, wird sich zeigen müssen. Gelingt es Frauke Petry noch weitere eher moderat ausgerichtete Mitspieler auf ihre Seite zu ziehen, dann könnte der Erfolg der Partei recht schnell wieder dahin schmelzen und erneut in einer Spaltung münden, wie sie das mit Parteigründer Lucke schon hinter sich hat. Insofern könnet Petrys Schritt ein Fanal sein und die Selbstzerlegung der Partei einleiten, wenn ihr weitere frisch gewählte Bundestagsabgeordnete und andere aus der Partei folgen sollten. Da wird sich am Ende für jeden einzelnen der 94 künftigen Abgeordneten die Frage stellen, welches Motiv überwiegt. Die Lust am Jagen der künftigen Bundesregierung, mit der Alexander Gauland gleich gestern ob der neuen Stärke frohlockt hat, oder aber die Lust auf eine weitere Spaltung der Partei, um jenseits der nationalistischen Töne Realpolitik machen zu können.

Je nach Ausgang könnet das für die Partei schnell etwas ernüchterndes haben. Vom Scheinriesen auf die letzte Bank? Das werden Gauland und Co. mit aller Macht verhindern wollen. Insofern könnte Petrys heutiger Schritt auch nicht mehr als ein wohl inszenierter Abgang sein. 

Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer, Jahrgang 1963, studierte Politik in Marburg und in Berlin. Nach der Wende erste Radioerfahrungen beim Deutschlandsender Kultur in Ostberlin. Seit 1994 beim Deutschlandradio. Redakteur im Ressort Politik und Hintergrund. Korrespondent im Hauptstadtstudio in Berlin und in Brüssel. CvD in der Chefredaktion von Deutschlandradio Kultur. Seit September 2016 wieder im Hauptstadtstudio in Berlin mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialpolitik.

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk