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StartseiteKultur heuteEklat um Hessischen Kulturpreis14.05.2009

Eklat um Hessischen Kulturpreis

Sprecher der Landesregierung: "Man kann niemanden zwingen"

Dirk Metz, Sprecher der Landesregierung Hessen, hat die Nichtvergabe des Hessischen Kulturpreises an den Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani verteidigt. Es wäre unzumutbar gewesen, den beiden Kirchenvertretern unter den Preisträgern nach ihrer Weigerung, den Preis gemeinsam mit Kermani entgegenzunehmen, die Auszeichnung wieder abzuerkennen, sagte Metz.

Dirk Metz im Gespräch mit Dina Netz

Dirk Metz: "Wir haben mit allen Beteiligten mehrfach das Gespräch gesucht."  (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)
Dirk Metz: "Wir haben mit allen Beteiligten mehrfach das Gespräch gesucht." (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)

Dina Netz: Kommt es jetzt im Kant'schen Sinne auf die gute Absicht oder auf die Durchführung an? Der Hessische Kulturpreis sollte in diesem Jahr etwas Besonderes leisten. Man wollte nicht nur wie in den vergangenen Jahren herausragende Persönlichkeiten des Kultur- und Wissenschaftsbetriebs mit dem mit 45.000 Euro dotierten Preis auszeichnen, man wollte Repräsentanten verschiedener Religionen ehren - für ihren Einsatz für das Miteinander von Glaubensgemeinschaften. Und das wird jetzt auch zum Teil passieren. Der Mainzer Bischof Kardinal Lehmann, der frühere Kirchenpräsident der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, und der stellvertretenden Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, bekommen den Preis am 5. Juli in Mainz, aber die Stelle des Moslems bleibt unbesetzt. Eigentlich sollte der Gründer und Leiter des Instituts für Arabische Wissenschaften in Frankfurt, Fuat Sezgin, diese Position besetzen, er trat aber zurück, weil er Salomon Korns Äußerungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt problematisch fand und nicht mit ihm zusammen ausgezeichnet werden wollte. Dann einigte sich die Jury auf den Orientalisten und Publizisten Navid Kermani, aber dann kam ein Artikel in der "NZZ" dazwischen, in dem Kermani seine Abneigung gegenüber dem christlichen Kreuzsymbol erläutert. Und heute lesen wir in der "FAZ", dass nun auch Kermani den Hessischen Kulturpreis nicht bekommt, denn den beiden christlichen Preisträgern missfiel der "NZZ"-Artikel. Dirk Metz ist Staatssekretär und Sprecher der Hessischen Landesregierung und Kuratoriumsmitglied des Hessischen Kulturpreises. Ich habe ihn gefragt: Herr Metz, was ist anstößig an dem Text von Kermani mit dem Titel "Bildansichten. Warum hast du uns verlassen?"?

Dirk Metz: Ich habe nicht die Absicht, den Text zu beurteilen, sondern wir sind ja in einer ganz speziellen Situation gewesen, nämlich in der, dass schon der erste Versuch mit Professor Sezgin gescheitert ist, dass er nicht bereit war, diese Auszeichnung entgegenzunehmen, das mit massiver Kritik an Salomon Korn verbunden hat. Und dann hat es einen zweiten Versuch gegeben mit Navid Kermani, und zunächst sind die anderen Beteiligten damit einverstanden gewesen.

Netz: Der konnte ja auch nichts dazu, dass Herr Sezgin Probleme mit der Verleihung hatte.

Metz: Der konnte nichts dazu, aber es trägt natürlich zu der Gesamtproblematik durchaus bei, die man sich, glaube ich, auch als Gesamtes angucken muss. Dann haben die Vertreter der beiden christlichen Kirchen unter Verweis auf diesen Beitrag erklärt, dass sie nicht bereit sind, hier gemeinsam das entgegenzunehmen. Das ist die Situation und nicht meine Bewertung oder die des Kuratoriums des Beitrages.

Netz: Aber letztlich ist es doch nun so, dass es einen Eklat gibt um diese Nicht-Preisverleihung, weil Navid Kermani, ein ausgemachter Kenner des Islams, ein ausgemachter Differenzierer, ein Vermittler zwischen den Religionen jetzt diesen Preis nicht bekommt. Wie genau haben Sie denn geprüft, ob diese heftige Reaktion der beiden anderen Kirchenmänner denn überhaupt berechtigt war?

Metz: Es geht nicht drum, ob das berechtigt war, sondern wir haben mit allen Beteiligten mehrfach das Gespräch gesucht, wir, das Kuratorium. Das betrifft die Vertreter der christlichen Kirchen, es betrifft auch Navid Kermani, der gebeten worden ist, auch bestimmte Dinge in diesem Beitrag noch einmal zu erklären, was er nicht getan hat. Aber am Ende stand fest, dass Professor Steinacker und Kardinal Lehmann erklärt haben, wir sind nicht bereit, die Auszeichnung gemeinsam mit Kermani entgegenzunehmen. Und man kann niemand dazu zwingen. Das ist die Situation, die man nüchtern feststellen muss, und das Gesamte - von Sezgin bis Kermani - zeigt halt, ja, es ist irgendwo auch ein Stück Spiegelbild unseres Landes, unserer Gesellschaft, dass es an dieser Stelle offensichtlich sehr viel Zerrissenheit gibt, sehr viel Hin-und-her-Gerissenheit, und deswegen haben wir ganz bewusst ja auch sowohl die drei Preisträger als auch die beiden islamischen Repräsentanten gebeten, ob sie zur Verfügung stehen im Sommer für eine Diskussionsgesprächsveranstaltung, in der diese Dinge etwas grundsätzlicher aufgearbeitet werden können.

Netz: Haben sie schon reagiert, ob sie bereit sind?

Metz: Wir warten mal ab, was an Reaktionen kommt, da möchte ich nichts vorwegnehmen. Es gibt schon aus dem Kreise der Fünfe welche, die sich gemeldet haben, aber da möchte ich zu Details jetzt nichts sagen.

Netz: Wenn ich das richtig verstehe, ist diese Preisvergabe auch so ein kleines bisschen Mathematik. Also zuerst sagt Herr Sezgin, er möchte nicht, dass er den Preis bekommt, den Salomon Korn auch bekommt. Das ist ja im Grunde so ein bisschen das, was später dann auch die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen gesagt haben im Falle Kermani. Haben Sie denn überhaupt in irgendeiner Form geprüft, inwiefern die Anwürfe von katholischen und evangelischen Vertretern hier rechtmäßig waren oder haben Sie sich einfach sozusagen der Mehrheit von zwei Stimmen gebeugt?

Metz: Es geht nicht um die Frage, ob man sich der Mehrheit von zwei Stimmen beugt, sondern es ging dann am Ende ganz konkret um die Frage, ob man den beiden die angekündigte Auszeichnung zurücknimmt. Und da ist entschieden worden, auch mit Blick auf das ja nun überhaupt nicht mit Zweifeln zu versehene Lebenswerk der beiden und auch mit Blick darauf, was die beiden durchaus auch für die Versöhnung der Religionsgemeinschaften getan haben, dass das unvertretbar wäre, die Auszeichnung an der Stelle zurückzunehmen.

Netz: Und Herr Sezgin war nicht unverzichtbar? Man hätte ja genauso gut sagen können, dann kann Herr Korn den Preis nicht bekommen.

Metz: Dazu ist es nicht gekommen, weil Herr Sezgin von sich aus - er hat nicht gesagt, ich bin bereit, ihn entgegenzunehmen, wenn Herr Korn ihn bekommt, sondern er hat erklärt, ich nehme an der Veranstaltung nicht teil.

Netz: Dirk Metz, Sprecher der Hessischen Landesregierung zur Nichtvergabe des Hessischen Kulturpreises an Navid Kermani.

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