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StartseiteForschung aktuellGenanalysen decken Wilderei-Hotspots auf19.06.2015

ElfenbeinschmuggelGenanalysen decken Wilderei-Hotspots auf

Der illegale internationale Handel mit Elfenbein ist ein Milliardengeschäft der organisierten Kriminalität. Jedes Jahr werden in Afrika Zehntausende Elefanten abgeschlachtet. US-Forscher konnten jetzt anhand von Gen-Analysen an beschlagnahmten Elfenbeinlieferungen nachweisen, dass sich das Gros der illegalen Elefanten-Jagd in Afrika seit Jahren auf zwei Hotspots konzentriert.

Von Lucian Haas

Elefantenzähne liegen nebeneinander auf einem Asphaltboden (picture alliance / dpa / Chinafotopress)
Die Erkenntnis - woher beschlagnahmtes Elfenbein stammt - könnte helfen, in Zukunft effektiver gegen die Wilderei vorzugehen. (picture alliance / dpa / Chinafotopress)
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Produkte aus Elfenbein sind in Asien noch immer begehrte Statussymbole. Doch die Rohstoffe dafür, die Stoßzähne von Elefanten, werden größtenteils illegal gehandelt. In den vergangenen Jahren hat die Wilderei von Elefanten in Afrika wieder deutlich zugenommen. Sam Wasser, Leiter des Zentrums für Naturschutzbiologie an der University of Washington in Seattle.

"Aktuell verlieren wir laut Schätzungen 50.000 afrikanische Elefanten pro Jahr allein durch Wilderei. Dabei gibt es nur noch eine Restpopulation von 470.000 Elefanten. Das heißt, ein Zehntel der Population geht alljährlich verloren."

Im Kampf gegen das organisierte Verbrechen rund um das Elfenbein setzten internationale Strafverfolger bisher vor allem darauf, die illegalen Handelswege aufzudecken und trocken zu legen. Doch das hat sich in den Augen von Sam Wasser als unzureichend erwiesen.

"Es geht einfach zu langsam voran. Wir müssen das dringend mit einer anderen Taktik kombinieren, die vor allem darauf zielt, das Töten der Elefanten zu stoppen."

Alle möglichen Herkunftsregionen in Afrika

Dafür müsste man allerdings nachweisen, wo die Wilderer ihr größtes Unwesen treiben. Und genau das hat Sam Wasser mit Kollegen jetzt in einer Studie im Fachmagazin Science getan. Die Forscher entwickelten ein Verfahren, um die Erbsubstanz DNA aus beschlagnahmten Stoßzähnen zu isolieren und zu analysieren. Die so erhaltene Information können sie abgleichen mit einer Datenbank, die Erbgutsequenzen von Elefanten aus allen möglichen Herkunftsregionen in Afrika enthält. Anhand des Grades der Übereinstimmung ausgewählter Abschnitte der DNA wird erkennbar, wo in Afrika ein Elefant als Träger des Stoßzahns gelebt haben muss. Sam Wasser:

"Wir können das mit einer Genauigkeit von etwa 300 Kilometern sagen, häufig sogar noch genauer. Für die Studie haben wir Elfenbein aus 28 beschlagnahmten, großen Funden von insgesamt mehr als 15.000 Stoßzähnen aus den Jahren 1996 bis 2014 untersucht. Es zeigte sich, dass fast alle untersuchten Stoßzähne aus nur zwei Kernregionen kommen. Zum einen die Wälder Zentralafrikas. Der größte Hotspot aber ist der Süden Tansanias, wo etwa zwei Drittel des Elfenbeins her stammen."

Transnationale Syndikate der organisierten Kriminalität

Für internationale Strafverfolgungsorganisationen seien solche Informationen sehr wichtig, sagt der Experte für Umweltkriminalität bei Interpol, Bill Clark.

"Die DNA-Analysen helfen uns, die Struktur und die Dynamik der transnationalen Syndikate der organisierten Kriminalität hinter dem Elfenbeinhandel besser zu verstehen. Wenn wir die genaue Herkunft des Elfenbeins kennen, können wir dieses Puzzle leichter zusammensetzen."

Sam Wasser hat noch eine andere Hoffnung: Wenn Wilderei nicht mehr irgendwo in Afrika geschieht, sondern in bestimmten Ländern lokalisiert werden kann, sollte es deutlich leichter sein, internationalen Druck auf diese Länder auszuüben.

"Wir müssen uns auf Tansania fokussieren. Zum ersten Mal liegen jetzt all diese Daten vor. Da wird es viel schwieriger, das Ausmaß des Problems zu leugnen. Zudem könnte jetzt die internationale Gemeinschaft zusammenstehen und sagen: Genug ist genug!"

Bisher hat die Regierung von Tansania jegliche Probleme mit der Wilderei von Elefanten in ihren Naturparks abgestritten. Das könnte sich unter der genetischen Beweislast jetzt ändern.

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